Martin/Martina und eine tote Pianistin

Von: Grit Schorn
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Sie überzeugten bei Schmetz am Dom als Duo: Autorin Sylvie Schenk und der Aachener Musiker Heribert Leuchter. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Eine Lesung mit musikalischer Begleitung ist immer etwas Besonderes. Kein Wunder also, dass das zahlreich versammelte Publikum in der Buchhandlung Schmetz am Dom so aufmerksam lauschte. Die aus Frankreich stammende Autorin Sylvie Schenk las aus ihrem neuen Roman „Bodin lacht“, der Musiker Heribert Leuchter begleitete sie an Klarinette und Saxofon und „kommentierte“ die Lesung mit kurzen „Feldern“ aus dem neuen Buch – ein kongeniales Zusammenwirken.

Der Roman beginnt mit dem jungen Hermaphroditen Martin/Martina: „Der April blühte und er wollte sich mit seinem schizophren Körper verbünden: Er trug ein diskretes Make-up auf, schminkte sich die Augen, sah im Spiegel das Abbild der Mutter in seinem Alter.“ Es geht nicht nur um den „Zwitter“ Martin/Martina, sondern auch um eine engelsgleiche Pianistin, die im Schilf des Blausees tot aufgefunden wird. Und die Martin Klavierstunden gab… Die Polizistin Liliane vertraut dem ungewöhnlichen jungen Menschen. Paula, die Mutter des „Zwitters“ glaubt zunächst an die Unschuld ihres Kindes. Immerhin wird Martin von ihr zur Psychotherapie bei ihrem früheren Geliebten Bodin geschickt. Doch was soll daraus werden, wenn Martin bald das Gefühl hat, in dem verkorksten Therapeuten den Mörder Evelyns zu erkennen?

Sylvie Schenk, 1944 als Sylvie Gonsolin in Chambéry geboren, entfaltet ihre überbordende Fantasie und Sprachkraft in diesem spannungsreichen Umfeld, zieht die Zuhörerschaft hinein in ein Panoptikum von aus dem Rahmen fallenden Menschen. Wie immer ist jede Figur „gut ausgemalt“. Gelegentlich wirkt der Wortreichtum etwas zu überladen, dann wieder nehmen Sprache und Geschehen betörende Farben an. Ist „Bodin lacht“ ein Kriminalroman mit wunderbar eigenwilliger Prosa oder eine fesselnde Abhandlung gegen „sadistische Nonnen“, ein Buch über Suizide und düsteren Fatalismus? Vielleicht von allem etwas, der Beifall des Publikums hält lange an. Und Buchhändler Walter Vennen sieht weit mehr als einen Krimi: „Der Aufbau des Buches ist grandios“. Die Präsentation mit Text und Musik war es auch.

 

Sylvie Schenk: „Bodin lacht“. Roman, erschienen bei Picus, 301 Seiten, 22,90 Euro

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