Marschiertor: Der böse Feind kam von Burtscheid her

Von: Heiner Hautermans
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An dieser Ampel der Kreuzung B
An dieser Ampel der Kreuzung Burtscheider Straße/Friedlandstraße/Zollamtstraße kommt es imme wieder zu Rückstaus. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Der böse Feind konnte von Burtscheid aus die ganze Stadt überblicken. Deshalb war das hier ein entscheidender Punkt für die Verteidigung.” Dr. Winrich Schwellnuss, Inhaber des archäologischen Planungsbüros SK ArcheoConsult steht mit dem Rücken zur ansteigenden Burtscheider Straße und deutet auf das Marschiertor.

Vier bis fünf seiner Leute sind seit Wochen dabei, den Boden vor dem Tor, eigentlich die Kreuzung Boxgraben/Lagerhausstraße/Burtscheider Straße nach Relikten aus vergangenen Jahrhunderten zu durchkämmen. Gestoßen sind sie auf die Fundamente eines Vortors, denn das Marschiertor war ursprünglich größer als der jetzt erhaltene Rest - ähnlich wie das fast vollständig erhaltene (beziehungsweise restaurierte) Ponttor.

Das Tor ist Teil der äußeren Stadtmauer, die wahrscheinlich ab 1300 errichtet wurde, weil der innere Ring, der auf Veranlassung von Kaiser Friedrich I. Barbarossa ab 1172 gebaut worden war, schon bald zu eng geworden war und das Wachstum der Stadt einschränkte. Während die erste um ein bereits existierendes und bebautes Gebiet hochgezogen wurde, war die mit 5300 Metern zweite doppelt so lang, sie rückte die karolingische Anlage von Pfalz und Dom in den Mittelpunkt.

Überdimensioniert

„Es war eine unglaublich aufwendige Mauer, die eine sehr große Fläche eingeschlossen hat. Sie war eigentlich überdimensioniert.” Der größte Teil des Gebiets wurde bis in 19. Jahrhundert hinein lediglich landwirtschaftlich genutzt, nur an den Hauptausfallstraßen existierte eine Besiedlung. Die Mauer war acht bis zehn Meter hoch und zwei bis drei Meter dick, an besonders gefährdeten sogar vier Meter.

Das Vortor des Marschiertors, erklärt Dr. Schwellnuss, war nicht so gewaltig wie das des Ponttors, befand sich aber auf der Höhe der hochmittelalterlichen Wehrtechnik. Eine irgendwann baufällige und am Fundament verstärkte Brücke führte die sechs bis acht Meter breite Zugangsstraße über einen 15 Meter breiten und an dieser Stelle vier Meter tiefen Graben. Dieser war an dieser Stelle trocken, an anderen Stellen wurde er etwa Pauwasser gespeist. Schwellnus: „Wie das Vortor genau aussah, können wir leider nicht sagen.” Es ist nämlich im 18. Jahrhundert abgerissen worden, möglicherweise auf Anordnung Napoleons I., der die Stadtbefestigung schleifen ließ.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das Vortor schon seine Funktion als Zugangskontrolle („wie ein Bauzaun”) verloren. Im 15./16. Jahrhundert kamen nämlich Feuerwaffen auf: „Dafür war das Ding nicht gebaut.” Deshalb wurde eine zusätzliche Befestigungsanlage gebaut, eine Schanze, die im Zweiten Weltkrieg einem Löschteich weichen musste: „Die haben wir noch nicht befunden.” Sie befindet sich vermutlich im Bereich der jetzigen Dreiecks-Grünfläche. Die Funde sind jedenfalls erstaunlich gut erhalten. Sie werden jetzt dokumentiert, in einen Bericht überführt und irgendwann als wissenschaftliche Arbeit erscheinen. Außer den Vortor-Fundamenten haben die Archäologen nicht viel gefunden, Keramikscherben von Steinzeugtöpfen oder mittelalterliche Abwasserkanäle.

Winrich Schwellnuss ist jedenfalls froh, dass die Stadt eingewilligt hat, die ganze Straße von Burtscheid runter zu sperren. „Das ist für uns eine große Erleichterung.” So könne man die Fundstelle ordentlich und im Zusammenhang dokumentieren. Das sei zwar für den Verkehr eine Einschränkung, aber „dafür gibt es später eine schöne neue Straße”.

Die Sperrung der Burtscheider Straße diene auch der Beschleunigung des Bauablaufs, ergänzt Axel Costard vom Presseamt: „Weil mehr Fläche zur Verfügung steht.” Zwar komme es zu Spitzenzeiten zu Staus, aber: „Es läuft besser als erwartet.” Im übrigen seien die 920 Mitarbeiter der Stadt, die in diesem Bereich tätig sind, die größten Leidtragenden der Verkehrsführung durch die Zollamtsstraße : 400 von ihnen stellen ihren fahrbaren Untersatz nämlich in der Tiefgarage unter dem Verwaltungsgebäude Maschiertor ab. „Da kommt es teilweise zu sehr langen Wartezeiten.”

Viele Autofahrer hätten sich aber schon auf die Behinderungen eingestellt, und würden den Bereich Marschiertor weiträumig umfahren. Die gegenwärtige Verkehrsführung werde noch etwa vier Wochen beibehalten.

Befürchtungen, das Parkhaus sei durch die Mehrbelastung gefährdet, kann Costard zurückweisen. Das Lkw-Durchfahrtsverbot, das es einmal in der Zollamtsstraße gegeben hat, sei nicht statisch bedingt gewesen, sondern deshalb angeordnet, weil die dortigen „Datenserver keine Erschütterungen vertrugen”. Als diese dann ausgelagert wurden, sei das Lkw-Fahrverbot wieder aufgehoben worden.
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