Mariabrunnstraße: Druck auf die Kleingärtner wird größer

Von: Gerald Eimer
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Protestbanner an der Weberstraße: Noch kämpfen einige Pächter der Gartenkolonie Mariabrunnstraße um ihre Parzellen. Doch die meisten scheinen sich damit abgefunden zu haben, dass das Ende nur noch eine Frage der Zeit ist. Foto: Jan Mönch

Aachen. Der Druck auf die Kleingärtner der vor dem Verkauf stehenden Gartenkolonie an der Mariabrunnstraße wird größer. Am vergangenen Montag wurde den Pächtern der insgesamt 24 Parzellen der Anlage zwischen den Gleisen der Bahn und der Hohenstaufenallee nahegelegt, ihre Gärten möglichst schon bis Anfang Juli zu verlassen. In ersten Informationen hieß es, dass die Anlage erst Ende nächsten Jahres geräumt werden sollte.

Verwaltet wird die gut 90 Jahre alte Gartenkolonie von der Bahnflächen-Entwicklungs-Gesellschaft NRW (BEG) mit Sitz in Essen, die am Montag ihren Vertreter Christof Meisenhälder nach Aachen entsandt hat, um die Kleingärtner über die Pläne für das knapp 8200 Quadratmeter große Areal zu informieren. Laut Meisenhälder gebe es Gespräche mit mehreren Investoren, die Interesse an dem Grundstück zeigen und dort eine sogenannte Nachverdichtung mit Wohnbebauung planen. Aufgrund der Nähe zu umliegenden Fachhochschulbauten biete sich dort der Bau von Studentenwohnungen an.

Noch stehe der Käufer nicht fest, sagt Meisenhälder. Er lässt jedoch durchblicken, dass es bereits konkretere Pläne für eine „sehr durchgrünte Bebauung“ an der Stelle gibt. Das bislang umzäunte Gelände solle später auch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die BEG ist für die Vermarktung und Verwertung von Bahngrundstücken zuständig. Gerade in Studentenstädten wie Aachen, Düsseldorf oder Köln würde man derzeit stark darauf hinarbeiten, auf alten Bahngeländen preiswerten Wohnraum zu schaffen, betont Meisenhälder.

Begeisterungsstürme kann das bei den betroffenen Pächtern trotzdem nicht auslösen. Viele waren geschockt und traurig, als sie Anfang Oktober erstmals von den Verkaufsplänen erfahren haben. Über Jahre hinweg haben sie viel Schweiß und Herzblut in die Gartenarbeit gesteckt und mitten in der Stadt ein kleines Biotop geschaffen, wie auch Obmann Sven Ohle betont. Für wenig Geld konnten sie auf dem bahneigenen Gelände ihre Gärten bearbeiten und sich im Grünen erholen. Diese Tradition wird an der Stelle in absehbarer Zeit verloren gehen. Zwar gibt es Pächter, die sich nicht so einfach mit der Kündigung abfinden wollen, doch die meisten haben sich nach Einschätzung von Ohle wohl schon damit abgefunden, ihre Parzellen räumen zu müssen.

Befördert wird dies auch durch großzügige Entschädigungszahlungen, die den Pächtern bei einer vorzeitigen Räumung bis Anfang Juli in Aussicht gestellt werden. Der Grundstückkäufer soll in diesem Fall nicht nur Entschädigungen für die Lauben und Pflanzen auf den Parzellen zahlen, sondern auch die Entsorgungskosten übernehmen, die andernfalls die Pächter selber tragen müssten.

Warum noch kämpfen, wenn man die Gärten anschließend auf eigene Kosten entrümpeln muss, fragen sich offenbar die meisten Kleingärtner, denen die BEG zudem bevorzugt Ersatzflächen in anderen Kolonien anbieten will. Ohnehin seien bereits viele Pächter auf der Suche nach Ausweichquartieren, andere wollen die Kleingärtnerei auch ganz aufgeben. Das Ende der traditionsreichen Gartenkolonie, deren Anfänge in den 1920er Jahren liegen, scheint damit besiegelt.

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