Aachen - Mariabrunnstraße: Bürgerunmut kaum besänftigt

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Mariabrunnstraße: Bürgerunmut kaum besänftigt

Von: Heiner Hautermans
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Interessierte Besucher nahmen das Modell des Bauprojekts vor Beginn der Bürgerinformation genau in Augenschein. Später füllte sich der Luisensaal zusehends. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Da war sie wieder, die Kluft zwischen Planern und Politikern auf der einen Seite und den betroffenen Bürgern auf der anderen. Und Vorwürfe der Klüngelei und Nichtbeteiligung. Am Dienstag ging es nicht um die Verkehrsprobleme in Hörn/Melaten oder im Südviertel, sondern um ein vom Luisenhospital geplantes Parkhaus an der Mariabrunnstraße.

An die 100 Interessierte waren zur Bürgeranhörung in den Luisensaal gekommen, um von Mitarbeitern des Krankenhauses und beauftragte Architekten über den Stand der Dinge informiert zu werden. In der anschließenden Diskussion prallten die Meinungen hart aufeinander.

Dabei wurde klar: Das Krankenhaus plant das Parkhaus nicht zum Selbstzweck, auch nicht zum Geldverdienen. Ausgerichtet ist es auf den Spitzenbedarf, nämlich genau die Stunde, in der die Schichten übergeben werden und die meisten Mitarbeiter vor Ort sein müssen. Zunächst geprüft wurde eine Lösung auf dem vorhandenen Parkplatz vor dem Haupteingang, vor dem sich oft ein Rückstau bis zum Boxgraben bildet, so dass mitunter die Krankenwagen nicht mehr durchkommen.

Doch diese Überlegungen wurden vom Umweltbereich der Stadtverwaltung schnell ad acta gelegt. Die vorhandenen Baumdenkmäler hätten nämlich fallen müssen, außerdem wäre die wichtige Luftschneise in Richtung Lavenstein in Mitleidenschaft gezogen worden. So verfiel man auf den Mitarbeiterplarkplatz an der Mariabrunnstraße, der bis jetzt nur ebenerdig genutzt wird. Dort soll ein viergeschossiges Parkhaus mit 367 Parkplätzen entstehen.

Davon sind 157 für Besucher und Patienten, 150 für Mitarbeiter des Krankenhauses, des neuen Ärztehauses und des Hauses Cadenbach, 60 weitere für Anwohner (25 Euro pro Nachtstellplatz und Monat) vorgesehen. Das Untergeschoss wird durch die Maria- brunnstraße mit Einbahnrichtung erschlossen, die oberen durch eine Brücke in die höher gelegene Weberstraße, die zumindest teilweise ebenfalls Einbahnstraße wird. Immissionen wie Lärm und Abgase sollen möglichst gering gehalten werden, nachts wird das Parkhaus per Rolltor geschlossen.

In den Sommerferien

Die Offenlage des vorhabenbezogenen Bebauungsplan 921 hat - größtenteils in den Sommerferien - schon stattgefunden, eine Informationsveranstaltung der Stadt vor den Osterferien, wie Beigeordnete Gisela Nacken den „Nachrichten” auf Anfrage mitteilte. Vor der gestrigen Veranstaltung, wohlgemerkt. Denn in der Bürgerinformation glänzte die Stadtverwaltung durch Abwesenheit. Nach dem ursprünglichen Zeitplan hätten die entsprechenden Beschlüsse schon gefasst werden sollen, beispielsweise letzte Woche im Verkehrsausschuss. Doch der aufkommende Bürgerunmut stoppte den ursprünglichen Zeitplan, auch in der Sitzung der Bezirksvertretung Mitte und im Planungsausschuss soll das Thema vertagt werden.

Dies erklärte den erzürnten Bürgern Grünen-Ratsherr Hermann Josef Pilgram, der sich als einer der wenigen Stadtvertreter traute, in der Höhle des Löwen zur Sachaufklärung beizutragen. Das Luisenhospital sei für das Parkhaus zuständig, die Stadt aber für die Verkehrsplanung. Und da habe man die Beschlüsse verschoben, um den Abend im Luisensaal und seine Ergebnisse abzuwarten. Es könnten durchaus einzelne Aspekte noch in die weiteren Überlegungen einfließen, etwa das wichtige Problem der Schulen und Kindertagesstätten in dem Viertel.

Viele Befürchtungen von Eltern gingen nämlich dahin, dass an der Ecke Reumontstraße/Mariabrunnstraße große Probleme entstehen, wenn - wie zurzeit vorgesehen - die Mariabrunnstraße zur Einbahnstraße vom Boxgraben aus erklärt wird und von der Mozartstraße her kommende Pkw (etwa von Eltern, die ihre Kinder bringen), wenden müssen. Pilgram: „Wir werden sicher zu einer vernünftigen Lösung kommen.” Mitunter würden sich sogar Verbesserungen ergeben. Doch der Unmut der Bürger war damit nicht besänftigt. Dass Reumont- und Südstraße in die Betrachtungen überhaupt nicht einbezogen worden seien, wurde ebenso bemängelt, wie zu wenig transparentes oder zu bürokratisches Verfahren.

Zwar sei eine Bürgerbeteiligung nach Recht und Gesetz vorgenommen worden, meinte eine Anwohnerin, „aber die entspricht nicht mehr dem Zeitgeist”. Eine andere: „Sie sehen das Misstrauen hier.” Vereinbart wurde, dass Anregungen weiter einbezogen werden.
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