Manchmal kommt sogar ein Stück Stadtgeschichte ans Licht

Von: Margot Gasper
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Blick in die Baugrube: Dietmar Rummler (rechts) freut sich über die frisch entdeckten Reste der Barbarossamauer in der Annastraße. Archäologe Dennis Pfeiffer legt den Fund vorsichtig frei. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Völlig überraschend kommt dieser Fund nicht. Seit fünf Monaten buddelt sich die Stawag durch die Annastraße. Kurz vor dem Alexianergraben sind die Bauarbeiter nun in gut zwei Metern Tiefe auf ein historisches Schätzchen gestoßen: ein Stück der Barbarossamauer und des historischen Scherptors.

„Der erste kapitale Fund in der Baustelle”, freut sich Dietmar Rummler vom Stadtbetrieb. „Auch wenn wir natürlich wussten, dass hier was sein muss.” Schließlich gibt es im Gebäude nebenan sogar schon ein „archäologisches Fenster” mit Blick auf ein Stück Barbarossamauer.

Nun hocken Archäologen unten in der Baugrube, kratzen vorsichtig Mauersteine frei und dokumentieren das historische Stück Aachen - ziemlich präzise zu datieren auf die Jahre 1171 bis 1174. Erst wenn die Funde gesichert sind, wird weiter Kanal verlegt.

Dietmar Rummler gehört zum Team „Aufbruchkontrolle” des Stadtbetriebs. Er und seine beiden Kollegen Dieter Hellmer und Josef Gottfried sind immer dabei, wenn irgendwo in Aachen ein Stück Straße aufgerissen wird. Zu tun haben sie reichlich. Jedes Jahr werden in Aachen 140 bis 150 große Straßenbaustellen von bis zu 500 Metern Länge abgewickelt. Dazu kommen noch gut 2500 kleinere Baustellen.

„Unsere Aufgabe ist es, Schäden vom Vermögen der Stadt abzuwenden”, stellt Rummler fest. Schließlich sind alle Straßen, mehr als 1000 Kilometer insgesamt, städtisches Eigentum. Deshalb ist die Aufbruchkontrolle als Projektbegleiter immer dabei, sobald irgendwo ein Presslufthammer angesetzt wird.

Jeder Hausanschluss, der verlegt wird, wird städtischerseits überprüft. „Und selbst wenn nur 30 Zentimeter aufgebrochen werden und eine Gasschieberklappe ausgetauscht wird, dann müssen wir das kontrollieren und abnehmen”, sagt Rummler.

Die Projektbegleiter von der Aufbruchkontrolle haben so ziemlich alles im Blick: dass das richtige Material ordnungsgemäß verarbeitet wird, dass die Baustelle gesichert ist, dass der Verkehr fließt, dass die Anwohner möglichst wenig unter Lärm und Staub zu leiden haben.... „Wir sind vom Antrag bis zur Endabnahme eingebunden”, erklärt der technische Angestellte. Und der Job wird immer kniffliger. Denn die Straßen sind ja längst nicht mehr nur Verkehrswege. Sie müssen auch immer mehr Versorgungsleitungen aufnehmen.

Gearbeitet wird das ganze Jahr über, solange die Witterung es zulässt. „Und sofern die hohen Aachener Feiertage, Karneval und Karlspreis, uns nicht in die Quere kommen”, merkt Rummler augenzwinkernd an. Sind nämlich die Jecken unterwegs oder schreitet ein Karlspreisträger zum Dom, dann muss auch schon einmal eine Baustelle ganz flott provisorisch verfüllt werden.

Dietmar Rummler und seine Kollegen haben den städtischen Besitz stets im Blick. „Zu allererst sind wir aber für den Bürger da”, versichert er. Zum Beispiel auch für jene Aachenerin, die plötzlich nicht mehr aus dem Haus konnte, weil der Gehweg vor ihrer Tür weggebaggert war....

Barbarossamauer und Scherptor

Die Archäologie ist bei der Aufbruchkontrolle eigentlich nur ein Aspekt unter vielen. Für Dietmar Rummler aber sind die historischen Funde über die Jahre zum Steckenpferd geworden. Das „archäologische Fenster” in der Jakobstraße geht auf seinen Entwurf zurück, wie er nicht ohne Stolz anmerkt.

Auch für die jetzt entdeckten Mauerreste in der Annastraße kann er sich begeistern. In den Jahren 1171 bis 1174, das weiß man, wurde die Barbarossamauer gebaut, komplett finanziert übrigens aus eigener Kraft von der Aachener Bürgerschaft.

Kaiser Friedrich I. Barbarossa erteilte den Aachenern damals im Gegenzug das Markt- und Münzrecht und erklärte die Stadt zur freien Reichsstadt. Das Scherptor, dessen Überreste jetzt entdeckt wurden, war eines der Stadttore und führte in die (heutige) Annastraße, die bis zur Franzosenzeit Scherpstraße hieß.

Ein archäologisches Fenster wird das Scherptor aber wohl nicht bekommen. Demnächst wird auch dieses Stück Stadtgeschichte wieder unter Asphalt verschwinden.

Tag der offenen Tür beim Stadtbetrieb

Der Aachener Stadtbetrieb begeht sein zehnjähriges Bestehen. Der Baubetriebshof (seit 2007 Teil des Stadtbetriebs) wird 50. Gefeiert wird am Sonntag, 20. September, mit einem Tag der offenen Tür. In der Zeit von 10 bis 18 Uhr gibt es an den beiden Standorten Madrider Ring 20 und Freunder Weg 73 reichlich Informationen und Unterhaltung.

Auch Dietmar Rummler und seine beiden Kollegen vom Team „Aufbruchkontrolle” werden dort mit einem Stand vertreten sein und lassen sich gerne zu ihrer Arbeit befragen.
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