Malteserkeller: Drei Tage Live-Musik, dann ist es vorbei

Von: Martina Rippholz
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Ein angemessener Abschied für
Ein angemessener Abschied für eine Aachener Institution: Die Vereinsvorsitzenden Anne Heyer (l.) und Maren Wynands haben für den Malteserkeller ein dreitägiges Konzertfestival organisiert. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Noch ist alles wie immer: der etwas muffige Geruch, sobald man die Treppe heruntersteigt, das schummrige Licht, die gewölbeartige Decke, der nackte Betonboden, die wunderbar ranzigen Möbel und die Bilder und Plakate, die an Vergangenes erinnern. Doch die Tage des Malteserkellers sind gezählt.

Mit dem ausgehenden Jahr 2011 schließt der legendäre Aachener Club im Pontviertel seine Türen - für immer.

Noch im Sommer hatte der Malteserkeller eine Schonfrist gekommen, Mieter und Vermieter einigten sich auf die Verlängerung bis zum Jahresende. Das ist nun gekommen. Wegen unüberbrückbarer Differenzen zwischen den beiden Parteien macht der Malteserkeller nach 54 Jahren dicht. Ein Grund für Groll ist das für Anne Heyer und Maren Wynands aber nicht. Die beiden Vorsitzenden des betreibenden Vereins haben Verständnis für den privaten Vermieter, dem die regelmäßige Beschallung mit Live-Musik, DJ-Abenden und zahlreichen Besuchern bis spät in die Nacht irgendwann zu viel wurde.

Vor allem Danke sagen

Stattdessen stecken die 30-jährige Freiberuflerin und die 23-jährige Studentin ihre Energie in einen angemessenen Abschied, mit dem sie vor allem Danke sagen wollen. „Und das soll auf keinen Fall sang- und klanglos geschehen”, so Wynands. Deshalb gibt es ab heute bis einschließlich Freitag, 30. Januar, jeden Tag ab 16.45 Uhr Live-Musik mit anschließender Party. Insgesamt 13 Musiker und Bands aus der lokalen und regionalen Musikszene geben sich drei Tage lang im legendären Keller die Klinke in die Hand.

Ein Konzertmarathon, wie ihn Heyer und Wynands im Malteserkeller noch nicht erlebt und schon gar nicht auf die Beine gestellt haben. Deshalb will sich ein trauriges Abschiedsgefühl bisher auch nicht so recht einstellen. „Im Augenblick denke ich nur, ich muss funktionieren. Die Gefühle kommen später”, sagt Heyer. Aber dass sie kommen, das steht definitiv fest. Immerhin sind die Grafikdesignerin und die Studentin Wynands schon seit mehreren Jahren dabei, erst als Gast und Kellnerin, später im Vorstand des Vereins haben sie unzählige Stunden und lange Nächte im Malteserkeller verbracht.

Sie kennen aber auch die Musiker und Stammgäste, die dem Keller seit Jahrzehnten ihre Treue halten. Für die dürfte der Abschied mindestens doppelt so schwer fallen. Etwa für die Jazzmusiker Ludger Singer oder Jürgen Sturm, die heute Abend den Konzertreigen eröffnen. Sie und andere „alte Hasen” prägten den Malteserkeller. Zunächst etablierte sich die Einrichtung in den Anfangsjahren zu einer anerkannten Jazz-Location. Sogar Genre-Größen wie Art Blakey, Chet Baker, Elvin Jones oder Klaus Doldinger traten dort auf. Ebenso statteten Herbert Grönemeyer und Wolfgang Niedecken in ihren jungen Jahren dem Aachener Club einen Besuch ab.

Über die Jahrzehnte wurde das Musikspektrum immer vielfältiger - von Jazz über Folk, Soul, Singer Songwriter und Cover-Rock. Vor allem Bands aus der Region füllten in den vergangenen Jahren die Bühne. Und weil sich der Laden über Live-Konzerte nicht mehr selbst trug, wurden auch DJ-Partys erfolgreich eingeführt. Aber eins ist in den 54 Jahren gleich geblieben: „Jeder kann hierher kommen, egal wie und was er ist”, sagt Wynands. Und Heyer schließt an: „Und die Künstler können sich musikalisch ausprobieren.”

Ein lockerer, ungezwungener Rahmen, eine echt rockige Atmosphäre und viel ehrenamtliches Engagement, all diese Dinge werden ab Januar in der Malteserstraße 14 Vergangenheit sein. Für Heyer, Wynands und alle anderen Aktiven, Fans und Freunde wird der Abschied nicht leicht werden. „Da wird die ein oder andere Träne fließen”, ist sich Wynands sicher. Trotzdem hoffen sie und ihre Kollegin, dass es mächtig voll wird - von heute Abend bis Freitag bei den Konzerten, und dann noch mal am Samstag, wenn mit einer Silvesterparty unter dem passenden Titel „This is the End” endgültig Schluss ist.

Und wird es so etwas wie den Malteserkeller in Aachen einmal wieder geben? „Wir hoffen es”, sagt Heyer. Da wird sie nicht die einzige sein.

Diese Musiker und Bands treten von Mittwoch bis Freitag im Malteserkeller auf

Mittwoch, 28. Dezember: Jürgen Sturm - Anirathak Duo, Ludger Singer - Paul Hubweber Duo, Gero Körner und Ryan Carniaux Quartett; Donnerstag, 29. Dezember: Neogene, Organic, Kissing Gourami, White Elephants und Sub Jaded Art; Freitag, 30. Dezember: Kantig, Farah Rieli, Children of Lir und Katterbach.

Einlass ist jeweils um 16 Uhr, die Konzerte beginnen um 16.45 Uhr. Die Tageskarte kostet 9 Euro, eine Karte für das ganze Festival inklusive der Silvesterparty am Samstag kostet 18 Euro. Im nächsten Jahr, am Samstag, 14. Januar, ab 15 Uhr, veranstaltet der Malteserkeller einen Trödelmarkt, bei dem Inventar, Elektronikteile und Liebhaberstücke verkauft werden.

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