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Maikundgebung: Minijobs, Leiharbeit und andere Ärgernisse

Von: Werner Breuer
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Die Gewerkschaften rufen zu Kundgebung und Aktionen am 1. Mai auf: von links Güngör Özkul, Arno Keusch, Diana Hafke, Thomas Hartmann, Uschi Plum und der Aachener DGB-Chef Ralf Woelk. Foto: Harald Krömer

Aachen. Prominenz kann ein protokollarisches Problem sein. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) NRW Süd-West hat sich nach eigenem Bekunden etwas schwer getan mit dem Besuch von Martin Schulz bei der Kundgebung zum 1. Mai.

„Wir haben überlegt, ob wir damit dem SPD-Kanzlerkandidaten eine Wahlkampfbühne bieten“, berichtet DGB-Geschäftsführer Ralf Woelk. Das Ergebnis nach wochenlangem Kontakt mit den Mitarbeitern des SPD-Chefs: Soll kommen, aber Top-Act wird er nicht.

„Unser Hauptredner ist Norbert Reuter vom Verdi-Bundesvorstand“, betont Woelk. Der Auftritt des SPD-Spitzenkandidaten läuft protokollarisch unter der Überschrift: „Martin Schulz kommt und bezieht Stellung“.

Da dürfte er ordentlich zu tun bekommen, denn die Gewerkschafter haben – auch zwei Wochen vor der NRW-Landtagswahl – die Bundespolitik im Visier. Die sollte nach ihrer Ansicht zum Beispiel etwas unternehmen gegen die sinkende Tarifbindung.

Anfang der 1990er Jahre seien noch 70 Prozent der Beschäftigten nach Tarifverträgen entlohnt worden, erklärt Woelk, inzwischen sei es nur noch etwa die Hälfte. Der Rest plage sich mit Leiharbeit oder anderen „Schlupflöchern“, die seitens der Arbeitgeber genutzt würden.

Demgegenüber gehe es in Sachen Mitbestimmung eher antiquiert zu, beklagt Woelk. Das Betriebsverfassungsgesetz stamme „aus einer Zeit, als in den Büros noch Schreibmaschinen standen“.

Heutzutage sei aber die Arbeitswelt mehr und mehr geprägt von Werkverträgen, Minijobs, Freelancern oder auch der Arbeit im Home Office. Rund ein Drittel der Beschäftigten lebten mit „atypischen Arbeitsverhältnissen“, sagt Woelk. Die Gewerkschaft will da nicht außen vor bleiben und fordert mehr Mitbestimmung ein. „Das muss von der nächsten Bundesregierung modernisiert werden“, meint Woelk.

An die künftig Regierenden hätte auch Gewerkschaftssekretär Güngör Özkul von der IG Bauen-Agrar-Umwelt noch ein paar Bitten. Sie möge sich doch für den Erhalt des so wichtigen Mindestlohnes II für die Fachkräfte einsetzen, den es in Ostdeutschland schon nicht mehr gebe. Und für die Gebäudereiniger will die IG Bau den Mindestlohn um einen Euro erhöhen. In der Branche gebe es wegen der häufigen Ausschreibungen viele prekäre Arbeitsverhältnisse, moniert Özkul.

Doch auch in anderen Bereichen fühlten sich die Beschäftigten zunehmend belastet, meint Diana Hafke von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Was die Kollegen besonders bedrückt, etwa in Sachen Arbeitszeit, will die Gewerkschaftssekretärin mit ihrem Team am 1. Mai erfragen.

Und auch Uschi Plum, Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Bezirk Aachen-Düren-Erft, möchte den Tag der Arbeit nutzen, um von den Beschäftigen etwas mehr zu erfahren. Sie treibt die Vielzahl der befristeten Jobs um, bei denen es nach ihrer Ansicht oft keinen Grund für eine zeitliche Beschränkung gebe. „An unserem Stand wollen wir die Leute dazu befragen“, kündigt sie an.

Bespuckt und beleidigt

Solche Sorgen hat Arno Keusch, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Aachen zugegebenermaßen nicht. Ihn bewegt eine „zunehmende Respektlosigkeit“, die sich in Angriffen auf Polizisten, aber auch Feuerwehrleute, Busfahrer oder Mitarbeiter des Ordnungsamtes zeige. Da werde Rettungssanitätern ins Kreuz getreten oder Einsatzkräfte würden bespuckt und beleidigt. „Die Würde des Menschen ist doch unantastbar“, mahnt Keusch und betont: „Auch wir haben unsere Würde, auch wir sind Menschen.“

Und alle diese Menschen sollen am 1. Mai auf dem Aachener Markt zu einem „sichtbaren Stimmungsbild“ beitragen, wünscht sich Organisationssekretär Thomas Hartmann. Geplant sind Umfragen, Aktionsspiele, Quizfragen oder auch ein Gewinnspiel. DGB-Geschäftsführer Woelk erwartet einen „inhaltlichen Themenkanon“, der dann an Martin Schulz „adressiert“ werden soll.

Die anderen kommen aber auch noch dran. „Wir werden auch die Kandidaten der übrigen Parteien entsprechend befragen“, kündigt Woelk an. In welcher Form das geschehen soll, müsse noch diskutiert werden. Das Protokoll steht noch nicht.

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