Märchenhafte Gewinnaussichten

Von: Heiner Hautermans
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Das Technische Hilfswerk half beim Ausräumen der Scheune, in der am Donnerstag eine illegale Marihuana-Plantage entdeckt worden war. 2007 war an der Gneisenaustraße zufällig eine noch fünfmal größere Pflanzung entdeckt wurden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die erste Schätzung musste noch in der Nacht nach oben korrigiert werden: Nicht 500, sondern 720 Cannabispflanzen in vier Feldern befanden sich in der Hanfplantage, die von zwei Männern im Obergeschoss einer ehemaligen Scheune an der Straße Deltourserb im äußersten Zipfel von Eilendorf eingerichtet worden war.

Noch in der Nacht zum Freitag wurden die Pflanzen, die teilweise schon verkaufsfertig verpackt waren, sichergestellt. Insgesamt handelt es sich nach Auskunft eines Beteiligten um rund 40 Kilogramm Marihuana, jedes einzelne von ihnen hat einen Marktwert von 3500 Euro.

Ein schöner Erlös von rund 140.000 Euro also, nicht nur einmal im Jahr, sondern alle sechs bis acht Wochen, wie der Fachmann weiter mitteilt. Allerdings haben die beiden Betreiber, die den rund 200 Quadratmeter großen Raum vor rund einem Jahr gemietet hatten, auch einiges investiert.

So waren mehr als 50 starke Wachstumslampen à 600 Watt installiert, Kohlefilter gegen den süßlichen Geruch, spezielle Lüfter für das Wohlergehen der kostbaren Aufzucht, außerdem eine computergesteuerte Düngungsanlage. Das Ganze nach außen hin stark isoliert und gesichert. Ein Beamter „Das Equipment ist sehr teuer.”

Gut ausgewählt

Den Standort hatten die Mieter, ein älterer und ein jüngerer Mann, einer mit niederländischem Akzent, der andere mit einem Wagen mit Mönchengladbacher Kennzeichen, sorgfältig ausgewählt: Alleinlage nahe der Grenze zu Stolberg, ältere Nachbarn, die auf der anderen Seite des Hofes leben.

So konnten sie ungehindert und unbemerkt Massen an Geräten herbeischaffen und installieren. „Das war sehr professionell gemacht,” urteilte ein Ermittler am Freitag. Auch gab es eine Falltüre, die sich nur mit einer Funkfernbedienung öffnen ließ.

Dem Mitmieter des Hofs hatten die beiden Betreiber, die weiter gesucht werden, weisgemacht, sie würden im dem Dachgeschoss Bastelarbeiten ausführen. Der hatte sich schon über den hohen Stromverbrauch gewundert, war aber erst richtig stutzig geworden, als ein Zähler, der schon mehr als 100.000 Kilowattstunden anzeigte, nach einer angeblichen Reparatur durch einen der Männer nur noch einen Stand von 17000 aufzeigte: „Die haben sich selber verraten.”
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