Mähen, säen und jäten aus Leidenschaft

Von: Martina Rippholz
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Noch sieht alles recht struppig aus: Direkt neben dem Gut Melaten (links im Bild) legt Karl Josef Strank mit dem Freundeskreis Botanischer Garten in diesem Jahr einen Öko-Garten mit Gemüse und Blume an. Er soll Demonstrations- und Ubungszwecken dienen. Foto: Martina Rippholz

Aachen. Ein leckeres Glas Apfelsaft, süße Kirschmarmelade und ein frischer Pflaumenkuchen - am besten schmeckt all das, wenn die Früchte aus dem eigenen Garten kommen. Bei zwei oder drei Obstbäumen ist die Pflege übersichtlich und die Ernte an einem Tag erledigt. Nicht für Karl Josef Strank. Seine Obstwiese ist größer.

Viel größer. Strank hat in dieser Saison rund 330 Bäume. Streng genommen gehören Strank die Bäume zwar nicht. Aber er ist für sie verantwortlich. Als Geschäftsführer des Freundeskreises Botanischer Garten Aachen am Gut Melaten. Er und seine Vereinskollegen sind wahre Freunde, sozusagen Fans der Gartenarbeit. Sie ist ihre Passion. Und ein großer Teil dieser Passion sind die Obstbäume.

250 Stück von ihnen haben sie in den vergangenen Jahren gepflanzt - im Rahmen des Programms „Europom” für den Erhalt und die Pflege von Obstwiesenbeständen in der Euregio. Die Bäume stehen auf der Hangwiese nördlich des Gut Melaten und jenseits der Melatener Brücke, auf der kleinen Hollandwiese. Dort werden alte regionale Kirschsorten gesammelt. „Wir sind dabei, alle Sorten Deutschlands anzubauen”, sagt Strank. „Das sind rund 200, wir sind jetzt bei 100”.

Neben den 250 bestehenden Obstbäumen ist der Freundeskreis außerdem dabei, 80 neue auf der Wiese hinter dem Rückhaltebecken zu pflanzen. Unter anderem als Ausgleich für die, die an der Hangwiese dem Wissenschaftsboulevard des Campus Melaten weichen mussten. 330 Bäume also. Und alle müssen gepflegt, geschnitten und abgeerntet werden. Viel Arbeit für den Freundeskreis, ab jetzt bis in den Herbst hinein.

Doch das ist nur eine von viele Aufgaben. Der Verein hat seit seiner Gründung 1985 einen großzügiges Garten-Gelände zum Pflanzen und Pflegen, zum Üben und Lernen herangezüchtet. Sechs Hektar umfasst ihr Gebiet zwischen Klinikum und RWTH-Instituten. Viel Platz für eine weitere Kernaufgabe des Freundeskreises: die botanische Ausbildung.

Zum Beispiel in Form eines außerschulischen Lernorts. „Oft kommen Schulklassen in Rahmen einer Projektwoche zu uns”, erzählt Karl Josef Strank. „Die Kinder lernen bei uns im Gelände die Natur kennen. Viele arbeiten das erste Mal im Garten.” So pflanzen und schneiden Freundeskreis, Lehrer und Umweltpädagogen mit den Kindern Bäume, pressen Apfelsaft, jäten Unkraut und bauen Lehmwände für Insekten. Und sie bieten mit ihrem Experimentierteich eine Möglichkeit, schon jüngste Kinder an das Thema Wasser heranzuführen.

Das Vorzeigeprojekt des FreundeskreisesÊist der Karlsgarten. Ihm widmen sich von nun an wieder alle 14 Tage rund zehn Freiwillige, jeden Samstag für ein paar Stunden. Der Garten wurde angelegt nach den Capitulare de villis Karls des Großen, der Landgüterverordnung für Königshöfe, mit der er die Landwirtschaft seiner Zeit regelte. In einem Kapitel geht es um Pflanzen, die auf jedem königlichen Hofgut verfügbar sein sollten. Diese über 90 Kräuter-, Obst- und Fruchtgehölze baut der Freundeskreis im Karlsgarten an, von Anis bis zur Zuckermelone.

Angesichts dieser Vielfalt gerät Karl Josef Strank ins Schwärmen. „Allein die Zwiebelarten. Da gibt es Lauch, Porree, Knoblauch und Gemüsezwiebeln”, sagt er. „Die sind alle nicht nur zum würzen gut, sondern auch sehr gesund.” Zu Stranks Lieblingspflanzen im Karlsgarten gehört der Hauswurz, eine alte Zauberpflanze. „Dem germanischen Glauben zufolge wird das Haus nicht vom Blitz getroffen, wenn der Wurz dort gedeiht.” Aber nicht nur die Mythologie von Pflanzen hat es dem studierten Botaniker, der am Institut für Abfallwirtschaft der RWTH arbeitet, angetan. Auch die Historie von Gärten, deren Anlage und Pflege interessieren ihn.

„Wie die Musik und die Literatur spiegeln auch Gärten bestimmte Epochen wieder”, sagt Strank. „Es gab den französischen Barockgarten und den Typus des englischen Gartens. Und heute gibt es eben Öko-Gärten. Das ist die Demonstration eines Zeitgeistes.” Und diesen Zeitgeist vertritt auch der Freundeskreis. Praktische Tipps für alle, die ihren Garten „öko” anlegen wollen, geben die Mitglieder schon seit längerem. Nun legen sie direkt neben dem mittelalterlichen Gut Melaten einen eigenen Garten nach ökologischen Kriterien für Vorführ- und Übungszwecke an. Wichtige Grundsätze sind etwa der Verzicht auf Kunstdünger und chemische Pestizide. Karl Josef Strank: „Das wird ein traditioneller Gemüsegarten, wie ihn früher die Frauen auf den Höfen pflegten. Mit Möhren und Kohl, aber auch Nelken und Begonien für den Schmuck im Haus.”

Für das Anlegen und Pflegen des neuen Bio-Gartens, für den Karlsgarten, die Lerneinheiten, die Obstbäume, aber auch für Vorträge, Workshops und Exkursionen braucht der Freundeskreis Unterstützer. „Wir haben zwar 500 Mitglieder”, sagt Strank. „Aber viele sind nicht so sehr für die praktische Arbeit. Sie wollen nicht im Beet hocken.” Deshalb braucht der Verein Nachwuchs. „Großes Vorwissen ist nicht nötig. Wichtig ist die Freude an der Gartenarbeit und an der Natur. Alles andere ergibt sich dann”, sagt Strank. Wer also Spaß am harken, säen, pflanzen und ernten hat, kann sich beim Freundeskreis Botanischer Garten Aachen jederzeit melden.
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