„Macht der Gewohnheit“: Der Künstler und sein Scheitern

Von: Martina Stöhr
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Schuberts „Forellenquintett“ will einfach nicht gelingen. Die „aixperten“-Ensemblemitglieder Michael Strack und Astrid Kempen in „Die Macht der Gewohnheit“. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Seit 22 Jahren bemüht sich Zirkusdirektor Caribaldi, das „Forellenquintett“ von Schubert zur Aufführung zu bringen: Das Musizieren versteht er als Therapie, „damit die Konzentration nicht nachlässt“.

Auf der Bühne stehen das Cello, die Notenständer und auch das Klavier: Alles scheint bereit, dennoch wird aus den Proben nichts. Caribaldis Mitspieler boykottieren ihn und sorgen dafür, dass seine künstlerischen Ambitionen gleichsam im Keim erstickt werden.

Das „aixpertentheater“ feierte mit dem Stück „Die Macht der Gewohnheit“ von Thomas Bernhard jetzt in der Klangbrücke Premiere. Regisseur Raphael Fachner zeigte sich mit der Leistung seiner Schauspieler mehr als zufrieden. „Sie haben das toll gemacht“, sagte er vor allem auch mit Blick auf die „ungewöhnliche Textmenge“. Außerdem sei der Satzbau bei Bernhard sehr schwierig und für Schauspieler eine Qual.

„Aufwachen, aufstehen, üben“

Caribaldi jedenfalls redet ununterbrochen, immer wieder beflügelt von den Einwürfen des Jongleurs. Er versucht seine Zirkusleute in den Griff zu bekommen: Da ist der Spaßmacher, der schon lange vor Beginn des Stücks auf der Bühne liegt und geduldig auf den Anfang wartet. Bei der Probe zum „Forellenquintett“ verliert er immer wieder sein rotes Käppchen, was den Zirkusdirektor schier um den Verstand bringt. Und dann ist da auch seine Enkelin, die Seiltänzerin. Sie lässt er immer wieder die Abschiedsverbeugung üben, denn ohne zu üben, geht es beim Zirkus nicht, wie Caribaldi meint. „Aufwachen, aufstehen, üben“: Das sind seine Worte. Der Bogen seines Cellos wird zum Taktstock, mit dem er seine Leute „tanzen“ lässt.

Der Jongleur beobachtet das Geschehen, kommentiert es hier und da, und träumt ansonsten von einem Engagement beim Zirkus Sarrasani in Frankreich. Und dann ist da noch der Neffe, der Dompteur: Er zieht es vor, ein Bier nach dem anderen zu trinken und der verhassten Probe volltrunken aus dem Weg zu gehen. Auch Caribaldi selbst ist offensichtlich gar nicht so begeistert von dem, was er tut: „Ich liebe das Cello nicht“, sagt er. „Es ist mir eine Qual. Aber es muss gespielt werden“, fährt er fort. Dennoch bekommt der Zuschauer nicht mehr als ein paar gequälte Töne zu hören. Niemand aus dem Quintett spielt sein Instrument mit Begeisterung.

Laut Regisseur Raphael Fachner haben seine Leute den Balance-Akt zwischen Slapstick und Tragödie ganz wunderbar hinbekommen. Die Zuschauer hatten nach der Premiere in der Klangbrücke Gelegenheit, mit den Theaterleuten ins Gespräch zu kommen. Fachner wird sich mit dieser Inszenierung vom „aixpertentheater“ verabschieden. Er will sich wieder verstärkt seinem Aachener Phosphortheater widmen.

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