Lyrisches über Reaktoren, verlorene Tage und verborgene Wünsche

Von: Grit Schorn
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Adrian Kasnitz (links) und Christph Wenze machen die Literaturfreunde im Quadrum mit neuen Gedichten und Einblicken in aktuelle Arbeiten vertraut. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Südliche Wärme unter blauem Himmel, gurrende Tauben im Quadrum, wo der abendlichen „Leselust“ gefrönt wird – schöner konnte die „Sitzung“ im Innenhof der Domsingschule nicht sein. Zwei buchstäblich „ausgezeichnete“ Autoren und Lyriker nahmen das Publikum mit auf eine spannende Zeitreise.

Christoph Wenzel und Adrian Kasnitz nahmen sich „die zeit“/zwischen den büchern“ und machten die Literaturfreunde mit neuen Gedichten und Einblicken in aktuelle Arbeiten vertraut.

Viel Nordrhein-Westfalen, die Heimat beider Autoren, fand da Platz in Prosa und Lyrik – selbst der umstrittene Thorium-Hoch-Temperatur-Reaktor („THTR“) in Hamm, Wenzels Geburtsstadt, dient für ein Gedicht von leicht makabrem Humor: „und endlich fällt der kühlturm/ in den blick – ein echtes Glücksgefühl:/ ja das ist heimat nach den langen fahrten…“. Adrian Kasnitz, 1974 im polnischen Ermland geboren ( vormals Ostpreußen), mäandert in faszinierender Weise zwischen Lyrik und Prosa. Da passt sogar ein Satz wie „Von Köln nach Frechen gehen – an einem Tag, der zu nichts mehr zu gebrauchen ist.“

Freunde und Kollegen sind beide und inzwischen auch beide mit einer sehr angesehenen Auszeichnung bedacht, dem Rolf Dieter Brinkmann-Stipendium. Bereits 2005 wurde Kasnitz Stipendiat – bis 2009 konnten dies nur in Köln lebende Autoren werden. Jetzt ganz aktuell konnte auch der in Aachen heimische Germanist Wenzel, Jahrgang 1979, die begehrte Auszeichnung entgegennehmen. Beide können sich über vielfache Preise freuen, vor allem der „Exilwestfale“ Wenzel.

Westfälischer Zungenschlag

Autor, Herausgeber und auch Fotograf ist Adrian Kasnitz, der in Köln und in Prag Geschichte studierte. Sein westfälischer Zungenschlag beweist, dass Heimat eben da ist, wo man aufgewachsen ist. In seinem Gedicht „Aussicht über die Stadt“ heißt es deshalb wie nebenbei: „Da sind die Wolken, säuregrün/ und verwunschen. Ein Flugzeug/ mit unerkennbarem Ziel, ein Schweif/ und Horror, bedenkt man‘s recht.“ Stark dann der Schluss: „Der Staub unserer Wünsche liegt verborgen/ unter dem Bette und jede Mühe/ ihn hervorzuholen, scheuen wir.“

Bewegend klingen Wenzels Betrachtungen über den Hambacher Forst, wo ganze Dörfer und Häuser dem Braunkohlentagebau weichen müssen. Bitter klingt „der boden unter den füßen“, der den Bewohnern entrissen wird: „lukrativ sei der vereinswechsel ins nachbardorf und ohnehin/ geht hier bald alles vor die hunde, eh man sich versieht/ fällt man in ein großes loch: und wenn wir hier schon nichts/ gewinnen, treten wir euch wenigstens den platz kaputt“.

Viel Applaus für diesen besonderen Abend und auch Humoristisches über „glückliche Niederlagen“ und „heillose Briefkästen“.

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