Lyrik-Junkie Matthias Fuhrmeister singt nicht nur für Verrückte

Von: Eva Onkels
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„Ein Lyrik-Junkie packt aus!“ Matthias Fuhrmeister feierte mit seinem neuen Programm Premiere im Theater K. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Matthias Fuhrmeister stellte viele Fragen und lies seine Zuschauer gleichzeitig Lachen und schwermütig über das eigene Dasein philosophieren. „Soll'n wir sie lieben, diese Welt, soll'n wir sie lieben? Ein Lyrik-Junkie packt aus!“, so der Titel des rund zweistündigen Programms.

„Ich sing für die Verrückten“, war einer der ersten Titel von Fuhrmeister im Tuchwerk, der momentanen Bühne des Theater K.

„Ich sing für die Verrückten“ war ein guter Einstieg in einen Abend, der sich häufig mit der menschlichen Natur auseinandersetzte. Das Gedicht von Hanns Dieter Hüsch, dem niederrheinischen Kabarettisten, war eine lustige, aber zugleich nachdenkliche Abrechnung mit dem Menschen selbst. Für sein neuestes musikalisch-literarisch-theatrales Solo hatte er sich mehr vorgenommen: Gedichte aus rund 400 Jahren fanden sich in seinem Programm.

Mal hatte er zwei Gedichte geschickt collagiert, beispielsweise von Paul Fleming und Erich Fried, mal hatte er den Text aufgegriffen und mit einer eigenen Komposition vertont. Er selbst sagte, er habe in den Gedichten die Musik hinter den Zeilen gehört. Die musikalischen Interpretationen der Texte gelangen meisterhaft und eröffneten neue Bedeutungsebenen. Gerade Paul Celans „Todesfuge“ hämmerte so unnachgiebig in die Köpfe, dass zumindest ein Teil der Bedeutung des ausgesprochen schwierigen Gedichtes Celans deutlich erkennbar wurde.

Einige Gedichte hatte Fuhrmeister zudem von Stephan Wiendahl, einem Berliner Motion-Designer, untermalen lassen. Schwarz-weiß animierte Figuren und Regenwolken zogen auf einer runden Leinwand vorbei. Helmut Heißenbüttels Gedicht „Bremen wodu“, das man durchaus als sinnfreies Gedicht, aber als Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache beschreiben kann, bekam durch die Animation eine völlig neue Form.

Die Auseinandersetzung mit der literarischen Form des Gedichtes stand überdies ebenfalls im Vordergrund: „Mit wie vielen Gedichten monatlich kommt ein durchschnittlicher Vierpersonenhaushalt aus?“ „Kann man sich gegen Gedichte impfen lassen?“ „Welche Möglichkeiten gibt es, ein Gedicht, dass man auswendig gelernt hat, wieder vollständig zu vergessen?“ Fragen, die Fuhrmeister aus dem Gedicht „Einige Fragen, Gedichte betreffend“, von Markus Augustin, entnommen hatte. Fuhrmeister gelang es über diesen Text meisterhaft zu zeigen, dass Gedichte auch in heutigen Tagen nicht nutzlose, inhaltsleere Texte, sondern immer Auseinandersetzungen mit aktuellen Situationen sind.

In letzter Instanz blieb es ein Abend, der weniger zum Lachen als zum Nachdenken anregte. Ob Fuhrmeister nun Texte von Matthias Claudius, Heinrich Heine, Paul Celan, Marie Louise Kaschnitz, Ernst Jandl oder Heinz Erhard interpretierte, es ging immer wieder um die Menschlichkeit. Und ob wir die Welt lieben soll'n? Um es mit Hanns Dieter Hüsch zu sagen: „Wir woll'n es üben.“

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