Aachen - „Luta Livre”: Hier ist der Sparringspartner kein Gegner

„Luta Livre”: Hier ist der Sparringspartner kein Gegner

Von: Jan Mönch
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Für den Laien sieht „Luta Li
Für den Laien sieht „Luta Livre” aus wie eine Mischung aus Judo und Ringen. Doch die portugiesische Sportart ist definitiv nichts für „Schlägertypen”.

Aachen. Der Weg zur südamerikanischen Kampfkunst begann für Stefan Hauk mit dem Aufstehen von der der Couch. Viel zu lange hatte er sich dort ausgeruht, er wollte sich wieder auf Vordermann bringen. Also meldete er sich zu einem Probetraining beim Kampfsportclub Pantarei an - „zunächst vor allem wegen der günstigen Beitragskosten”, gibt er zu.

Doch er entdeckte schnell weitere Vorzüge für sich. Seit einem Jahr trainiert der 21-Jährige nun mehrmals die Woche in der Peliserkerstraße.

„Luta Livre” heißt die Kampfsportart, die dort gelehrt wird. Ergänzend wird gemeinsam mit den Assistenztrainern Dima Schmidt und Andy Reichelt Boxen und Kickboxen trainiert.

Bei der Hauptsportart hingegen sind Schläge und Tritte nicht vorgesehen, für den Laien sieht sie aus wie eine Mischung aus Judo und Ringen. Die Techniken jedoch, sagt Trainer Reinhard Bodensiek, den alle nur kurz „Rei” nennen, seien teils völlig andere.

Auf der Matte „festgetackert”

Und sogleich gibt er eine Kostprobe: Blitzschnell greift er seinen Kontrahenten mit der Rechten im Nacken und zieht ihn zu sich, mit der Linken greift er ihm in die Kniekehle.

Ehe man sich versieht, ist der Schüler auch schon auf die Matte geschickt worden, wo sein Trainer ihn unter Einsatz sämtlicher Gliedmaßen „festtackert”. Das Ganze spielt sich innerhalb von kaum zwei Sekunden ab. „Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich an das Tempo gewöhnt hatte”, gibt Schüler Stefan zu.

„Luta Livre” bedeutet auf portugiesisch so viel wie „freier Kampf” und stammt aus Brasilien und war in Deutschland lange Zeit fast völlig unbekannt, weiß der Trainer. Dann aber zog es den Meisterkämpfer Daniel DDane nach Köln - dort machte er „Luta Livre” bekannter. Eine Nischensportart ist es natürlich nach wie vor.

Rei ist selbst der Schüler eines Schülers von DDane. Als Lehrer trainiert er in Aachen mittlerweile um die 80 Kampfsportbegeisterte, die jeweils zu einem oder mehreren von vier Terminen in der Woche erscheinen. Das kommt ganz darauf an, was der Stundenplan für den Einzelnen zulässt.

Stundenplan? Ganz recht. Denn die meisten Schüler sind Studenten, das Gleiche gilt für Stefan und seinen Trainer. Willkommen ist aber jeder - mit Ausnahme von Schlägertypen. „Wer sagt, er will ?fit für die Straße sein, ist hier falsch”, stellt Stefan klar und verweist auf eine ganze Reihe von Verboten, die es neben den Kampftechniken gibt.

Nicht erlaubt ist es etwa, weniger als drei Finger des Gegners zu greifen, denn sonst würde die Gefahr von Knochenbrüchen steigen. Ebenfalls tabu: das Verdrehen des Beins. „Das tut nämlich erst dann weh, wenn es zu spät ist.” Und das Ziel, den Gegner zu verletzen, gibt es beim „Luta Livre” nicht.

Im Gegenteil: „Hat man den Anderen besiegt, unterhält man sich mit ihm darüber, was er besser machen könnte”, erklärt Stefan die Vereinsphilosophie - der Sparringspartner ist hier tatsächlich ein Partner und kein Gegner.

Vier Trainingsmöglichkeiten in der Woche

Der Kampfsportclub Pantarei trainiert in der Peliserkerstraße. Rechts vor der Toreinfahrt der Hugo-Junckers-Realschule befindet sich der Eingang zur Turnhalle. Männliche wie weibliche Interessierte sind stets willkommen, eine Anmeldung ist möglich per Mail an info@kampfsport-aachen.de oder über das Kontaktformular auf der Internetseite des Vereins.

Das Training findet montags und donnerstags um 20 Uhr statt sowie sonntags um 15 Uhr. Samstags um 13 Uhr gibt es zusätzlich ein reines Fitnesstraining. Eine Mitgliedschaft kostet 25 Euro im Monat, zusätzlich wird eine Beitrittsgebühr von 20 Euro fällig.

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