Aachen - Lufo-Aktion in der City: Forum-Gang reißt berühmte Barriere ein

Lufo-Aktion in der City: Forum-Gang reißt berühmte Barriere ein

Von: Matthias Hinrichs
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„Komm doch mal vorbei!“: Diesmal war Franz Gertschs „Medici“-Gang Stargast bei der aktuellen Marketing-Aktion fürs Ludwig Forum. Museumschefin Brigitte Franzen verteilte eifrig Postkarten mit dem berühmten Bildmotiv – viel erfolgreicher als bei der PR-Premiere. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Shared Space mal anders. Die einzige Barriere, die an diesem strahlenden Mittag vor dem Super C prangt, kommt reichlich über-, wenn auch zweidimensional daher. Und diese Latte ist allemal hoch gehängt.

Es handelt sich, so viel ist sicher, um die berühmteste und teuerste ihrer Art. Auf dem großen Transparent im unverkennbaren Pop-Art-Stil grinsen fünf feixende Hippies ein paar verdutzten „Erstis“ entgegen, die sich gerade zum Premierenrundgang durchs Uni-Viertel getroffen haben. Das anachronistische Quintett ist quasi auf einen Sprung von der Jülicher Straße vorbeigekommen. Lässig über besagte rot-weiß getünchte Baustellenhürde gelehnt, schauen die coolen Langhaarigen in Schlaghosen amüsiert umher, als wollten sie sagen: So sehen also die Studenten des 21. Jahrhunderts aus . . .

Supermarket-Lady ohne Fortüne

Vielleicht freuen sich die zotteligen Zaungäste auch, dass sie im regen Treiben am Templergraben ein paar gute Bekannte sichten. Zum Beispiel Dr. Brigitte Franzen. Die Direktorin des Ludwig Forums verteilt eifrig Postkarten, ebenfalls mit dem weltbekannten Motiv aus der Werkstatt des Schweizer Malers Franz Gertsch: Der Künstler hat ihr gern gestattet, die Kopie seines Gemäldes mit dem vielsagend-irritierenden Titel „Medici“ Richtung City zu bugsieren – und ihm eine etwas andere, neue Botschaft zu verpassen. Von wegen Barriere. „Wir sind die Medici-Gang“, liest man da. „Normalerweise hängen wir im Ludwig Forum ab.“ Und: „Komm doch mal vorbei!“

Alles klar? Genau! Das launige Quintett tritt quasi in die Fußstapfen einer noch lässigeren „Nachbarin“ aus der alten Schirmfabrik. Nachdem Duane Hansons „Supermarket-Lady“ (selbstredend ebenfalls nur in Gestalt eines Plakats) vor zwei Wochen zur etwas anderen Shopping-Tour auf dem Münsterplatz ausgebüxt ist, üben sich die Hippie-Herren zum Auftakt des Semesters im Herzen des Hochschulviertels in Sachen Reklame mit einem Schuss Guerilla-Marketing. Allerdings erfolgreicher. Denn hier ist, anders als vordem, was los. Hunderte „Studis“ genießen die Sonne und die seltsame Gratis-Show. RWTH-Prorektorin Doris Klee und Hochschulkanzler Manfred Nettekoven lassen sich auch mal blicken – und freuen sich nicht minder über die launige Lufo-Aktion. „Ein guter erster Schritt, noch mehr Kunst aus dem Forum auch in die Hochschule zu lotsen“, lobt Doris Klee.

Gut. Brigitte Franzen hat am Mittwoch keinen rechten Draht zur drahtlosen Kommunikation per Lautsprecher. Das eigens mitgebrachte Megafon rührt sie selbst auf Bitten der zahlreich erschienenen Medienmenschen nicht an. „Im persönlichen Gespräch geht‘s einfach besser!“ Das muss sie hier tatsächlich nicht lange suchen. Ein paar peppige Ideen, ein bisschen mehr Performance hätten dem Ganzen dennoch gut angestanden. Schließlich kriegt man gerade im TH-Viertel permanent irgend eine Club-Reklame in die Hand gedrückt. Aber: Die „Medici“-Postkarten gehen mindestens so flott weg wie die knallroten Ostereier, die ein paar SPD-Wahlkämpfer wenige Meter weiter verteilen. Immerhin berechtigen die gänzlich anders-, weil pop-artigen Bonbons nicht nur zum Gucken und Staunen, sondern auch zum einmaligen freien Eintritt in den Kunsthort, der ja eigentlich gar nicht so weit entfernt ist . . .

„Ich war noch nie im Forum, obwohl ich schon acht Jahre in Aachen wohne“, sagt zum Beispiel Dr. Judith Kreuzer, frisch promovierte Mathematikerin. „Zur Kunst hab‘ ich nicht so einen Draht“, meint sie leicht verlegen.

Ließe sich ändern. Ob sie sich auf ein Rendezvous mit den lachenden Original-Hippies einlässt? „Auf jeden Fall! Vor allem interessiert mich aber die große Comic-Schau im Forum – bin nämlich ein großer Donald-Duck-Fan!“ Auch gut. Franz Gertsch wird‘s verschmerzen. Brigitte Franzen und ihre Helfer vom städtischen Marketing wird‘s freuen. Denn seine berühmte Barriere ebnet plötzlich ganz neue Wege – hoffentlich.

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