Lob von allen: Kunstroute größer und vielfältiger denn je

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
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In der Produzentengalerie Artikel 5 an der Bahnhofstraße zeigten17 Künstler ihre Werke zum Thema „Systemumstellung“, gemünzt auf den politischen und ökologischen Zustand der Welt. Fotos. Heike Lachmann
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Die Künstlerinnen von Dreieck.Triangle.Dreihoek, hier in der Burg Frankenberg, feiern nächsten Jahr 20-jähriges Bestehen.

Aachen. Größer und vielfältiger denn je präsentierte sich die 16. Aachener Kunstroute. Schon in den frühen Mittagsstunden waren die Galerien und Ausstellungsräume bevölkert von Kunstinteressierten, die sich Zeit nahmen für Betrachtung und Gespräche.

Begeisterung pur kam auf in der „Galerie Am Elisengarten“ für die Arbeiten von Manfred Sukrow, der Ansichten und Stimmungen von Berlin und Köln großartig in seiner „Woodstock“-Technik zeigt. Auch bei Theo Ramrath an der Pont­straße kam das große Staunen auf angesichts der gewaltigen Metallbildhauer-Werke von Lothar Scheffler und der Gemälde von Annely Kall, die gemeinsam nahezu einen Sakralraum bilden.

Gegenüber in der Aula Carolina hatten die niederländischen Keramikerinnen José Fijnaut und Maria Stams mittags schon zwei Modelliertermine gemacht und Aachener Köpfe porträtiert, und in der Galerie S. entführte Vera Sous in eine andere Welt. Im verdunkelten Parterre zeigte sie eine Begegnungmit dem Tod – mumienartige Geschöpfe ihrer eigenen Körpermaße, die sie vom Knochenbau bis zum Fetzengewand selbst geschaffen hatte, schauten mit leeren Augen von den Wänden. Inspiriert von einer Reise nach Kuba schuf sie ebenfalls historisierende Landschaftsmalerei – eine Vanitas-Ausstellung mitten im sonnenbeschienenen Treiben in der Altstadt. Im oberen Stock der Galerie S. zeigte der aus Kuba stammende Maler Antonio äußerst inspirierende Bilder deutlich außereuropäischer Kraft. (www.vera-sous.de)

Große Plakat-Entwürfe hingen an Schnüren quer durch die Citykirche. „ÜberLebensKunst“ war das Thema, das Malerinnen der euregionalen Künstlerinnengruppe „dreieck.triangle.driehoek“ für das Bildungswerk von Misereor vielfältig gestaltet hatten. Ebenfalls vertreten waren die Künstlerinnen traditionell in der Burg Frankenberg, wo sie vor allem Malerei und Installation mit den maroden Wänden in Einklang brachten. Besonders viel Beachtung fand die Kresse-Kunst auf dem Steinboden des Innenhofs von Monika Brenner. 24 menschliche Mini-Gestalten repräsentierten Leben und Tod.

Selten zu sehen ist die aufwändige Glaskunst des rumänischen Künstlers Mihai Topescu in der Galerie Hexagone, der die alte sakrale Note der Kultur des Balkans in zeitgenössische Kunst transferiert. Ganz jung hingegen ist die Kunst in der Produzentengalerie Artikel 5 – ihr Thema war „Systemumstellung“, womit vor allem der politische und ökologische Zustand der Welt angesprochen wird

Verblüffende Leichtigkeit in ausladender (Papier-)Kunst zeigte Claudia Schumacher in der Halle 1, in der auch ihre Maler-Kollegen Heinrich Hüsch und Peter Zimmermann ausstellten. Ersterer zeigte typische Rakel-Arbeiten zum Thema „Flächige Weite“, letzterer setzte sich, leicht bis schwer ironisch, mit schwarzen Löchern und in der Kunst auch im übertragenen Sinne auseinander. Kurt Tucholsky assistierte mit kleinen Texten: „Ein Loch ist da, wo etwas nicht ist.“

Bislang nicht in der Aachener Kunstszene präsent war zeitgenössische afrikanische Kunst, die mit dem Start der Kunstroute in der neuen Galerie Artco am Seilgraben vertreten ist und mit unter anderem Godfried Donkor und Owusu-Ankomah äußerst namhafte und international bekannte Künstler zeigt. Neu dabei war auch die Gelegenheitsgalerie „Abaton“ an der Bismarckstraße, in der die drei Bildhauer Matthias Kohn, Michael Toepffer und Johannes Twielemeier enorm gekonnte Objekte aus Stein und Holz sowie Fotoarbeiten zeigen. (www.johannestwielemeier.de). Sehr sehenswert ist auch die Ausstellung der Künstlergruppe „willsosein“ der Lebenshilfe Aachen im Kukuk an der Grenze, Eupener Straße.

Nicht nur Stempeljäger

Zufriedene Galeristen und Besucher lobten die Kunstroute in den höchsten Tönen. Robert Mertens (Galerie Freitag 18.30) meint: „Wir hatten dieses Jahr noch mehr Publikum als im letzten Jahr, auch mehr ernsthafte Interessenten und nicht nur Stempeljäger.“ „Schön war’s, gut war’s. Die Ausstellung kommt gut an bei den Leuten. Wir hatten jeden Tag rund hundert Besucher“, meldete Adelheid Jürgens von der Galerie 45.

Künstlerin Kirsten Müller-Lehnen äußerte sich in der Citykirche: „Diese Kunstroute ist sehr vielfältig hinsichtlich der Sparten.Was mir auch gut gefällt, ist die Nutzung historischer und sakraler Gebäude.“ Angelika Kinder und Rainer Viebahn lobten die Mischung der Aussteller : „Wir finden es gut, dass auch die, die nicht unbedingt zur Profiklasse gehören, sich präsentieren.“

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