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Lkw-Führungskonzept: Wegweiser für die Lastwagen

Von: Werner Breuer
Letzte Aktualisierung:
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Die Laster im Blick: Das Lkw-Führungskonzept will sie mit einer Ausschilderung nach Postleitzahlbezirken möglichst lange auf den Autobahnen halten. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Suche war lang und kostspielig, doch nun gibt es eine hübsche Lösung: Die lästigen Lastwagen werden mit Postleitzahlen-Schildern schon an der Autobahn zu ihren Zielen etwa in Aachener Gewerbegebieten geführt, kurven mit ihren sperrigen Karren nicht mehr quer durch die Stadt, verpesten nicht mehr die Luft - und alles wird gut. Oder zumindest ein bisschen besser.

Bislang ist es schlecht: Täglich rauschen rund 10.000 Lastzüge über die Autobahnen rund um Aachen, berichtete Kurt Berresheim vom Ingenieurbüro HHS jetzt im Mobilitätsausschuss. „Die Belastung ist hoch”, sagt Berresheim, „aber die Autobahnen vertragen das.”

Innerstädtische Straßen müssen aber auch einiges vertragen. Auf dem Berliner Ring liegt das Tagespensum laut HHS-Gutachter bei zirka 2500 Lastwagen, beim Prager Ring ist es ähnlich hoch. Der Alleenring ist mit immerhin 1000 Lkw täglich belastet und selbst die St. Vither Straße und die Adenauerallee müssen ähnliche Güterverkehrsströme verkraften, was laut Berresheim an den nahen Autobahnanschlussstellen im südlichen Stadtbereich liegt.

Es gehört deshalb zum Luftreinhalteplan, die Lastwagen -Êsie tragen laut Gutachter überproportional zur Feinstaubbelastung bei - möglichst von der Innenstadt und den Wohngebieten fernzuhalten. Das Ingenieurbüro schlägt dafür eine Ausschilderung nach Postleitzahlbezirken vor.

„Die Postleitzahlen stehen in den Frachtpapieren”, erklärt Kurt Berresheim. Schaut der Brummifahrer da rein, dann sieht er zum Beispiel, dass der Grüne Weg, wo er bei einem Betrieb etwas abzuladen hat, im Bereich der 52070 liegt. Mit entsprechenden Schilder an der Autobahn könnte der Lastwagen, zum Beispiel von Lüttich kommend, über das Aachener Kreuz dorthin geleitet werden. „So hält man die Lkw so lange wie möglich auf der Autobahn”, erklärt Berresheim.

Soweit die schöne Theorie, die aber in der Praxis einige Haken hat. Einer davon ist die Lkw-Maut, die den erwünschten großen Bogen um die Stadt für die Transporteure kostenpflichtig macht. „Das ist natürlich kontraproduktiv”, weiß auch Berresheim. Besser wäre es, „wenn die Autobahnen in diesem Bereich aus der Bemautung entlassen würden”. Mit einem Ratsbeschluss wäre das aber wohl nicht zu schaffen.

Richtig schwer wäre aber auch der Kampf gegen die übermächtige Konkurrenz der Navigationsgeräte. Üblicherweise geben die Chauffeure hier ihre Fahrtziele ein und lassen sich dann von den kleinen Apparaten leiten. Von Lüttich zum Grünen Weg in Aachen schlagen die Navis in der Regel als kürzeste Strecke die Route über die Autobahnabfahrt Lichtenbusch, die Eupener Straße, weiter durch Burtscheid zur Wilhelmstraße und zum Hansemannplatz ... genau die Straßen also, dies Aachens Verkehrspolitiker entlasten wollen.

Christdemokrat Michael Janßen hegt arge Zweifel, dass die Lkw-Fahrer ihre Navis abschalten, um sich von Postleitzahlen leiten zu lassen. Das Aachener Lkw-Führungskonzept sollte bei den Navigationsgeräten einprogrammiert werden, meint Gutachter Berresheim, „so ist es gedacht”. Das dürfte schwierig werden, meinen die Verkehrspolitiker, schon jetzt ließen sich viele Chauffeure von Geräten leiten, deren Datenbasis nicht auf dem neuesten Stand sei.

Und nur wenige seien mit speziellen Lkw-Navis unterwegs, die bei ihren Routenplanung auch Brückenhöhen, Durchfahrtsverbote und andere Hindernisse berücksichtigen würden. „Die sind so teuer”, berichtete Peter Blum von der FDP, „dass die meisten lieber normale Pkw-Navis benutzen.”

Dennoch hält er das Lkw-Führungskonzept mittels Postleitzahlen für eine „gute Lösung”, die manche Fahrer auf die richtigen Wege bringen könnte. Andreas Müller (Linke) glaubt nicht so recht daran. „Wir können damit nicht viel ändern.” Er setzt eher auf den „Zeitfaktor”: Wenn die Brummilenker merken, dass sie auf Schleichwegen nicht überall durchkommen, bleiben sich letztlich lieber auf den großen Routen. Auch Christdemokrat Janßen kann sich Duchfahrtsverbote „an bestimmten Brennpunkten” durchaus vorstellen.

Letztlich sprach sich der Mobilitätsausschuss einstimmig dafür aus, das Lkw-Führungskonzept weiterzuverfolgen, zudem aber auch „durch gezielte erbindliche Maßnahmen Einfluss auf die Datenbasis der Navigationsgeräte und andere Routenempfehlungen auszuüben”. Offenbar wissen die Politiker um ihre begrenzten Möglichkeiten. „Wir machen Verkehrsplanung”, umschrieb es Achim Ferrari von den Grünen, „aber die wahren Entscheider sind die Navigationsgeräte.”
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