Aachen - Lkw-Fahrverbot auf der Wilhelmstraße steht auf der Kippe

Lkw-Fahrverbot auf der Wilhelmstraße steht auf der Kippe

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Wenn die Luft nicht besser wird, muss Ende 2010 wohl auch in Aachen eine Umweltzone eingerichtet werden. Nur Fahrzeuge mit grüner und gelber Plakette dürften dann noch die City ansteuern. Foto: ddp

Aachen. Seit Mittwoch ist wieder alles offen auf der Wilhelmstraße. Soll heißen: Das von der Bezirksregierung eigentlich schon verfügte Fahrverbot für Lkw auf dem wichtigen Verbindungsstück zwischen Kaiserplatz und Normaluhr kommt möglicherweise doch nicht.

Bei einem Ortstermin mit der Stadt signalisierte die Kölner Behörde am Mittwoch Gesprächsbereitschaft. Nun werde über alternative Eingriffe nachgedacht, die zur Luftverbesserung in Aachen beitragen sollen, teilte Axel Costard vom Presseamt auf Anfrage mit.

In welche Richtung die Überlegungen gehen, sei derzeit noch völlig offen. Die Stadt hatte von Anfang an klargestellt, dass sie von einem temporären Fahrverbot zwischen 7 und 12 Uhr wenig hält: Damit werde allenfalls die Schadstoffbelastung an der Messstelle, nicht aber im Stadtgebiet verbessert. Weil die Hauptverkehrsader schwer zu umfahren sei, befürchtete sie höhere Belastungen in Wohngebieten.

Wie auch immer die Diskussion um die Wilhelmstraße in den nächsten Wochen weitergeht - das Signal der Bezirksregierung war deutlich genug: Die Anstrengungen zur Verbesserung der Luftqualität in Aachen müssen verstärkt werden. Und damit liegt die Bezirksregierung auf einer Linie mit den beiden Verkehrsclubs VCD und ADFC, deren Spitzen sich am Mittwoch einmalmehr skeptisch äußerten, ob mit den bisherigen Maßnahmen eine großflächige Umweltzone mit Zufahrtbeschränkungen im Aachener Talkessel noch zu verhindern ist.

Langwierige Umsetzung

„Der Koalitionsvertrag macht gewisse Hoffnung”, sagt ADFC-Vorsitzende Monika Volkmer, die Umsetzung aber dauere viel zu lange. Schon jetzt gelte in Aachen höchste Alarmstufe in Sachen Feinstaub. So darf der Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft laut EU-Verordnung nur an 35 Tagen überschritten werden. Diese Marke habe die Stadt bereits im August gerissen.

Feinstaub gilt als Auslöser für Krankheiten wie Asthma, Bronchitis oder Krebs. Studien der Weltgesundheitsbehörde zufolge würden alleine in Deutschland jährlich 65000 Menschen vorzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung sterben.

Gezwungenermaßen hat die Stadt daher einen Luftreinhalteplan aufgelegt, der spätestens im nächsten Jahr messbare Erfolge nach sich ziehen muss. Ansonsten kommt die Umweltzone, die auch von ADFC und VCD kritisch gesehen wird. „Sie löst das Problem nicht, sondern führt nur zur Verlagerung”, sagt VCD-Vorsitzender Ralf Oswald.

Gemeinsam mit den ADFC-Kollegen Monika Volkmer, Helga Weyers und Martin Christfreund drängte er am Mittwoch erneut, die „guten Planungen” der Stadtverwaltung, möglichst „kurzfristig” umzusetzen.

So müsse das vor Jahren gegründete Logistiksystem Claix deutlich vorangetrieben werden, um den Lkw-Verkehr wirksam einzudämmen. Schadstoffarme Transporte sollen die Warenlieferungen übernehmen, Fahrten möglichst reduziert werden.

Auch für den Radverkehr werde trotz guter Vorsätze noch zu wenig getan. Längst beschlossene Markierungen am Graben- und Alleenring lassen immer noch auf sich warten, der Unterhalt von Radwegen müsse verbessert werden. Auch das Spardiktat für die Aseag müsse aufgehoben werden.
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