Lindt kann 8000 Quadratmeter Fläche vom Bendplatz erwerben

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
15332629.jpg
Rechts vom Seiteneingang zum Bendplatz an der Henricistraße befinden sich die Stellplätze der Schausteller, auf die sie bei einer Erweiterung der Firma Lindt verzichten müssen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Man wird den Öcher Bend womöglich anknabbern, aber tunlichst nicht auslagern. Das ist der Tenor eines Beschlusses, den der Betriebsausschuss fürs Euro­gress am Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung fasste. Hintergrund sind die Bestrebungen des unmittelbaren Nachbarn, des Schokoladenherstellers Lindt & Sprüngli, die boomende Produktion am Standort Aachen ausweiten zu wollen.

Nach der Verwaltungsvorlage, die den Ausschuss am Dienstagabend mit Zustimmung passierte, soll Lindt & Sprüngli einen Grundstücksstreifen am rückwärtigen Teil des Bendplatzes von der Stadt Aachen erwerben können, um Betriebsanlagen zu erweitern. Der Grundstücksstreifen ist insgesamt etwa 8000 Quadratmeter groß und umfasst die Parkplätze in dem vom Eingang Kühlwetterstraße abgewandten Teil des Bendplatzes, wo während des Volksfestes Öcher Bend Wagen und Maschinen der Schausteller abgestellt werden.

Lindt-Chef Adalbert Lechner zeigte sich am Mittwoch auf Anfrage der „Nachrichten“ zufrieden über die Entscheidung. „Das ist ein Kompromiss, den wir so im Vorfeld mit den Fraktionen besprochen haben“, erklärte Lechner. Auf die Nachfrage, ob man beim Schweizer Chocolatier noch weitergehende Erwartungen an den Aachener Standort habe, antwortete er: „Das reicht uns jetzt aktuell, andere Pläne haben wir nicht.“

Das mag so sein, doch die Pläne in der Politik gehen schon weiter. Der Beschluss des Eurogress-Ausschusses wird erst nach einer entsprechenden Abstimmung im zuständigen Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss Rechtskraft erlangen, der bereits in der kommenden Woche tagt.

Dessen Vorsitzender, Aachens Bürgermeister Norbert Plum (SPD), begrüßte am Mittwoch die Entscheidung im Eurogress-Betriebsausschuss: „Mit dieser Lösung ist uns in der schwierigen Lage, in der wir uns hier befunden haben, erst einmal die Quadratur des Kreises gelungen“, freute sich Plum. Denn eine Auslagerung des Öcher Bends käme bei den traditionsbewussten Aachenern offenbar nicht gut an, wie eine Besucherbefragung zeigt. Nach jetzigem Stand könnte der Bend an Ort und Stelle bleiben und Lindt hätte trotzdem die Chance zur Erweiterung.

Ganz entspannt zeigte sich am Mittwoch auch der Chef des Schaustellerverbandes, Peter Loosen. „Wir reden überhaupt nicht von einer Verkleinerung“, sagte Lossen, „es geht nur um die Stellplätze im rückwärtigen Bereich.“ Das sei im Vorfeld mit den Schaustellern abgesprochen worden, man werde an anderem Ort etwas zusammenrücken und so Platz für die fehlenden Stellplätze schaffen, erklärte Loosen.

Für den Vorsitzenden des Planungsausschusses, Harald Baal (CDU), ist der geplante Grundstücksverkauf eine gute Teillösung einer umfassenden Neuordnung des Nord-Westeingangs der Stadt unmittelbar neben den Millionenplanungen des Campus-West entlang der Süsterfeldstraße. „Wir haben uns dadurch eine komplizierte und womöglich strittige Diskussion um mögliche andere Standorte des Bends erspart“, freute sich Baal. Zusätzlich habe man die Chance, das Gebiet bis zum Ortseingang Laurensberg neu zu ordnen.

Kein unnötiges Warten

Die Forderung nach einer modernen Überplanung des Gebietes zwischen Roermonder Straße und Süsterfeldstraße scheint inzwischen weitgehend Konsens in den Fraktionen zu sein.

Denn auch die Linken haben aktuell unter der Schlagzeile „Die Aachener lieben den Bend dort, wo er ist“ für eine kompromisslose Beibehaltung des Volksfestes an der Kühlwettterstraße votiert. Für deren planungspolitischen Sprecher Marc Beus ist das Projekt Lindt & Sprüngli allerdings nicht von solcher Dringlichkeit, wie bei den Mehrheitsfraktionen.

„Die Details müssen vor dem Verkauf eines Stücks vom Bendplatz unbedingt im Planungsausschuss diskutiert werden“, fordert Beus. Auch könne man in Ruhe die Rahmenplanung für das Gesamtgebiet abwarten, für die sich Grüne und Linke gemeinsam stark machen.

Dem widerspricht allerdings SPD-Planungspolitiker Norbert Plum. Er sieht die Firma Lindt in einem drängenden internen Konzernwettbewerb um den richtigen Standort: „Für Lindt in Aachen ist es ungemein wichtig, möglichst zügig Erweiterungsmöglichkeiten zu haben, da kann nicht einfach so zugewartet werden“, ist Plum überzeugt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert