Aachen - Liedermacherin Cäthe: „Musik wirft mich auf mich selbst zurück“

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Liedermacherin Cäthe: „Musik wirft mich auf mich selbst zurück“

Von: Thorsten Hengst
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Nach ihrem erfolgreichen Debütalbum hat die Hamburger Liedermacherin Cäthe alias Catharina Sieland jetzt eine neue, stillere Platte herausgebracht. Am Dienstagabend ist sie im Musikbunker zu hören.

Aachen. Das Debütalbum „Ich muss gar nichts“ war ihr persönliches „Hallo“ an die Welt. Nun öffnet Cäthe alias Catharina Sieland neue Türen und gewährt Einblicke in ihre eigene Welt. Die Liedermacherin lebt und arbeitet seit acht Jahren in Hamburg und hat sich dort ihre kleine „Klangschmiede“ geschaffen. Als Tochter eines Schmieds verknüpft sie so ihre freie künstlerische Seele mit einer handwerklichen Schaffenskraft.

Ihre neueste Platte trägt den Titel „Verschollenes Tier“. Das klingt nachdenklicher als das selbstbewusste Statement des vor zwei Jahren erschienen Erstlings, mit dem sie ihre Hörer im Sturm eroberte. Nun öffnet sich die 30-Jährige zunehmend ihrer inneren Stimme. Das macht ihre Musik noch facettenreicher und vielschichtiger, wovon auch die Aachener jetzt überzeugen können. Am Dienstag, 5. November, gastiert Cäthe mit ihrer Band gastiert ab 20 Uhr im Musikbunker.

Frau Sieland, Ihr neues Album heißt „Verschollenes Tier“. Welche Geschichte verbirgt sich dahinter?

Sieland: „Verschollenes Tier“ steht für alles, was es in dir zu entdecken gilt. Kindern ist es dabei völlig egal, ob sie Menschen, Vögel, Katzen oder Drachen sind. Wenn es Augen hat, ist es ebenbürtig.

Steht der Titel auch für ein unterbewusstes Ich?

Sieland: Die Musik verbindet alle „Ichs“ in mir und dafür bin ich wirklich dankbar. Musik lässt mich vergessen, wer ich gerade noch sein wollte. Musik wirft mich auf mich selbst zurück und auf die Emotionen, die in mir arbeiten und ihre Runden drehen.

Wo liegen die größten Unterschiede zum Debüt „Ich muss gar nichts“?

Sieland: „Ich muss gar nichts“ war ein Hallo an die Welt. Keiner kannte mich und es war wichtig zu zeigen, dass es mir ernst ist. Bei „Verschollenes Tier“ habe ich weitere Türen aufgemacht und Einblicke in eine Welt gewährt, die ich selbst nie ganz verstehen werde, doch die ich akzeptiere und brauche. Es war ein neues Ankommen und Hallo an mich selbst, das bereits lange darauf gewartet hat, beantwortet zu werden.

Wie entstehen Ihre Lieder?

Sieland: Die Lieder entstehen immer im Austausch mit anderen, auch wenn ich sie meistens alleine schreibe. Das Zwischenmenschliche ist meine Basis. Ich baue ein Haus, reiße es nieder und ziehe es wieder auf. So bleibe ich kreativ und produziere am Rechner meine Stücke. Meistens ist die Gitarre zuerst da, auch die Drums sind sehr entscheidend, wohin sich eine Idee entwickelt. Erst wenn ich das Gefühl habe, ein Lied mit einer inhaltlichen Aussage und emotionalen Haltung zu haben, die ich mir selbst glauben kann, gebe ich es her.

Das Album beginnt mit dem Song „Hoch oben nah dem Sturm“. Haben Sie die letzten beiden Jahre selbst als so stürmisch empfunden?

Sieland: Das Lied beinhaltet die Aussage, zueinander zu stehen. Was häufig als stürmisch empfunden wird, ist das Loslassen von einer Vorstellung, die uns innerlich steif werden lässt. Für den einen ist es besser, in Ruhe gelassen zu werden, für den anderen ist es enorm entscheidend, gepackt und in einen Sturm gestellt zu werden. Die meisten Menschen wollen keinen Stress und gar nicht so genau wissen, wer sie sind – das ist zumindest meine Erfahrung. Ich aber möchte nicht in Ruhe gelassen werden, ich brauche regen Austausch, auch wenn es anstrengend ist.

Was waren die aufregendsten Ereignisse in dieser Zeit?

Sieland: Seit „Ich muss gar nichts“ erschienen ist, bin ich an vielen Erfahrungen gewachsen. Die Menschen in meiner Band spielen eine wichtige Rolle in meinem Leben. Wir sind Freunde, Kreative, Anker und Flügel und wir können miteinander sehr viel teilen. Das ist mir unfassbar wichtig. Wir sind sehr unterschiedlich und es war ein Wink des Schicksals, dass wir in dieser Konstellation zueinander gefunden haben. Aber die aufregendsten Erlebnisse in dieser Zeit waren die stillen Tage.

Haben Sie dabei auch schlechte Erfahrungen gesammelt?

Sieland: Es gibt auch Leute, die respektlos sind, die etwas auf mich projizieren, was nicht stimmt und es so stehen lassen wollen. Manchmal lege ich dann Einspruch ein, wenn es mir richtig gegen den Strich geht und mein nahes Umfeld betrifft. Ansonsten lasse ich es sein, etwas anzufangen, was kein Ende finden würde.

Ist das Musikbusiness tatsächlich so ein hartes und unnachgiebiges Geschäft, wie oft behauptet wird?

Sieland: Das Business ist ein Saustall. Jeder starrt und giert. Es macht einfach keinen Sinn und hat auch keinen – außer Macht, Macht, Macht…. Ich würde mich nicht darauf einlassen, wenn ich nicht ein bisschen darauf angewiesen wäre, damit zurechtzukommen. Ich wünsche mir sehr, dass sich das in den nächsten Jahren ändert und mehr Visionäre eine Haltung zeigen und sich durchsetzen werden. Ohne Sportgeist geht es nicht, wenn du nicht zur Marionette anderer werden willst.

Wie schützen Sie Ihre Kunst vor zu großen Einflussnahmen?

Sieland: Da ich bei allem mitrede, passiert es selten, dass ich eine kalte Dusche abkriege. Ich habe auch einen guten Draht zu allen, die Entscheidungen treffen. Ich lerne jeden Tag dazu und habe große Lust noch sehr viel zu lernen.

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