Aachen - Liberalisierung führte Stawag und Wingas zusammen

Liberalisierung führte Stawag und Wingas zusammen

Von: Werner Breuer
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Aachen. Zwei Pioniere feiern gemeinsam ein Jubiläum: Seit zehn Jahren beliefert die Kasseler Wingas die Aachener Stawag mit Erdgas. Die Geschäftsbeziehung wurde damals von der Branche kritisch beäugt, auch für Juristen gab die neue Verbindung etwas her.

Schließlich war der bis dahin alleinige Gaslieferant einigermaßen verstimmt, dass die Stawag nun einen Neuen hatte. In den folgenden „rechtlichen Auseinandersetzungen” sei die Position der Aachener schließlich bestätigt worden, berichtet Stawag-Vorstand Christian Becker von den alten Zeiten. Bewegte Jahre waren das damals. Das Energiewirtschaftsgesetz hatte 1998 formal den Strom- und Gassektor für den Wettbewerb geöffnet.

Bis dahin bezog auch die Stawag ihr Gas von einem einzelnen Anbieter, an den sie durch langfristige Lieferverträge gebunden war. Die neue Offenheit nutzten die Aachener „als eines der ersten Stadtwerke” (Becker), um sich nach Alternativen umzusehen. Fündig wurden sie bei der Kasseler Wingas, die nach Ansicht von Gerhard König, dem Sprecher der Geschäftsführung, eine „ähnliche Unternehmenskultur” hat wie die Stawag. „Wir haben beide Pionierarbeit geleistet”, meint der Wingas-Sprecher.

Die Kasseler waren schon 1993 an den Start gegangen, die Verbindung zur Stawag sei möglich geworden, „weil wir hier die Pipeline gebaut haben”, berichtet König. Die Leitung mit dem schönen Namen Wedal - das Kürzel steht für „Westdeutsche Anbindungsleitung” - führt durch Aachen nach Belgien, an der Debyestraße wurde dann eine Übergabestation errichtet. Rund 30 Prozent ihres Bedarfs bezog die Stawag in der ersten Zeit von Wingas. Inzwischen ist es knapp die Hälfte, die andere Hälfte kommt von RWE oder Trianel. Damals habe die Stawag für Wingas eine „Türöffner-Funktion” in Nordrhein-Westfalen gehabt, meint König, „alle haben darauf gesehen, wie Aachen agiert hat”.

Aachen agierte beweglich: mit mehreren Lieferanten, kürzeren Vertragslaufzeiten, flexibler Gestaltung von Preisen und Liefermengen. Ein bequemer Kunde sei die Stawag nicht gerade, räumt Wingas-Mann König ein, „die haben immer ihre eigenen Ideen”.


Etwa zur Nutzung von Erdgasspeichern oder auch dem, was Christian Becker „strukturierte Beschaffung” nennt. „Wir wollen ein Produkt, das uns die Unsicherheit der Temperaturabhängigkeit nimmt”, sagt der Stawag-Vorstand. Denn anders als beim flexiblen Markt ist mit dem flexiblen Wetter schlecht zu kalkulieren - wenn Winter wärmer werden, sinkt der Gasverbrauch.

Er sinkt auch so, weil etwa höhere Gebäudestandards für eine bessere Wärmedämmung sorgen und sich überdies die konjunkturelle Lage auf dem Energiemarkt niederschlägt. Dass deshalb auch die Preise fallen, glaubt Christian Becker nicht. „Es gibt ein Überangebot, aber die Produzentenländer werden versuchen, dieses Überangebot zu reduzieren.”

In jedem Fall werde die Zukunft „interessant”, meint Wingas-Mann König. Aachener und Kasseler werden ihr wieder ein Stück gemeinsam entgegengehen. Die haben ihre Partnerschaft für weitere zwei Jahre festgeschrieben. Größere Zeiträume wären dann schon wieder „langfristig”.
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