Letzte Chance für die Glasfabrik: Fahrt nach Hamburg

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
Philipps
Mahnwache zur Erinnerung an das Aus von Philipps in Aachen.

Aachen. Manfred Festa, der ehemalige stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Glasfabrik, lässt nicht locker und macht sich auf den Weg nach Hamburg.

Dort wird, im Börsensaal der Handelskammer, am Montag der Sprecher der Geschäftsführung von Philips Deutschland, Hans-Joachim Kamp, in den Ruhestand verabschiedet. Kamp ist in Aachen kein Unbekannter.

Nach der Schließung von LG Philips Displays in Rothe Erde, die Anfang 2006 Insolvenz anmeldete, und der dann beginnenden Werkblockade kam Top-Manager Kamp persönlich nach Aachen, um Verhandlungen mit den erbosten Arbeitnehmern zu führen.

Im Endergebnis zahlte Philips 13 Millionen Euro zur Finanzierung einer Transfergesellschaft, etwa die Hälfte dessen, was durch Lohnverzicht von den Beschäftigten zuvor aufgebracht und vereinbart worden war.

Die andere Hälfte, aufzubringen von dem Unternehmenspartner LG, wurde jedoch nicht gezahlt, Südkorea stellte sich stur.

Manfred Festa, der in diesem Jahr als parteiloser Einzelbewerber für das Amt des Oberbürgermeisters kandidieren will, hatte schon damals - und auch heutzutage wieder mit Hinweis auf die Insolvenzordnung - erklärt, dass Philips Deutschland auch für die anderen 50 Prozent nicht nur moralisch verantwortlich sei.

Auf jeden Fall sei es jetzt an der Zeit, damals zurückgehaltene Gelder (etwa für die Übernahme von Auszubildenden oder die Abwicklung von Altersteilzeitverträgen) in Höhe von 2,25 Millionen Euro abzurechnen: „Die sind in Hamburg verblieben.”

Nach seiner Einschätzung sind davon noch 1,2 Millionen Euro übrig.

Unterstützung bekommen hat Festa von rund 200 ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, die einen Brief ähnlichen Inhalts an Top-Manager Kamp unterschrieben haben.

Die noch zur Verfügung stehenden Gelder könne man nutzen, so Manfred Festa, diejenigen der 380 Beschäftigten, die keinen neuen Job gefunden haben, aufzufangen und zu qualifizieren: „Nur ein geringer Anteil der seinerzeit 380 betroffenen Personen mit hohem Altersdurchschnitt hat es zwischenzeitlich wirklich geschafft, wieder Fuß zu fassen.”

Unbeantwortet

Ein erstes Schreiben in diese Richtung hat Festa vor einem Monat nach Hamburg geschickt, es blieb bislang unbeantwortet. Er hofft jetzt auf ein persönliches Gespräch mit dem scheidenden Philips-Chef mit einem positiven und verbindlichen Ergebnis.

Sollte das nicht zustandekommen, will er unter den Augen der hochkarätigen Gäste dem Konzernlenker eine Urkunde überreichen: „Glasfabrik Aachen - belogen und betrogen”. Darin soll aufgezeigt werden, „wie man die Aachener Beschäftigten unter dem Deckmantel einer neuen, im Jahre 2002 gegründeten Gesellschaft in den Untergrund geschickt hat”.

Und wenn es doch ein aus seiner Sicht gutes Ende gibt? Da hat Festa ebenfalls vorgesorgt: „Auch hierfür habe ich eine entsprechende Urkunde vorbereitet.”
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