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Lessing ist für das Ostviertel ganz aktuell

Von: Martina Stöhr
Letzte Aktualisierung:
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Religion und Theater: An der Begegnung von Juden, Christen und Muslimen nehmen auch Schauspieler Josef Gesets, Jürgen Kutsch, Peter Janku und Fazil Güglü (von links) teil. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Christen, Juden und Muslime waren sich einig: „Nathan der Weise“ greift in wunderbarer Weise ein Thema auf, das auch heute noch brandaktuell ist. Die Stiftung Jürgen Kutsch hatte in Kooperation mit der Theaterschule Aachen an der Schleswigstraße zu einer interreligiösen Begegnung nach der letzten Aufführung von „Nathan der Weise“ eingeladen.

Bei Wein, Wasser und Brot sollten die Gäste über das Stück von Gotthold Ephraim Lessing ins Gespräch kommen. Und alle waren gleichermaßen angetan von der Thematik. Lessing zeigt in seinem „Nathan“, dass alle Menschen, gleich welcher Religion, als erstes Menschen sind und verwandter als es auf den ersten Blick erscheint.

„Ich finde das Stück toll“, meinte Peter Janku, Gemeindevertreter der Jüdischen Gemeinde. Das Thema sei aktuell, unterhaltsam und sehr lehrreich. Und das Stück sei wundervoll wiederbelebbar zu einer Zeit, in der Religion erneut zum Problem geworden sei. Wichtig ist ihm einerseits die Verständigung, anderseits aber auch der Wille, sich gegen Fundamentalismus, Extremismus und Terrorismus zu erheben.

Fazil Güglü vom Türkischen Volkshaus kannte Lessings Geschichte zwar nicht, aber in seiner eigenen Kultur gebe es ganz ähnliche Erzählungen, sagt er. „Ob Muslime, Juden oder Christen – alle glauben an einen Gott“, meint er. Da müssten doch alle Völker eigentlich Freunde sein, so Güglü. Er fühlt sich wohl in Aachen und meint, dass er seine Religion hier frei leben kann. Er wünscht sich vor allem, dass die Menschen unvoreingenommen aufeinander zugehen.

Viele Religionsgemeinschaften

„Die Idee ist klasse“, meint Josef Gerets, Gemeindereferent in St. Josef und Fronleichnam, zur Aufführung und dem anschließendem Beisammensein. „Gerade hier im Ostviertel wo so viele Religionsgemeinschaften zusammen sind, ist das Thema brandaktuell“, sagt er. Seiner Meinung nach werden die Religionen bei Auseinandersetzungen immer nur vorgeschoben.

Er freut sich, dass es die Stiftung Jürgen Kutsch gibt, die sich unter anderem auch für den Dialog unter den Religionen stark mache. In Aachen gebe es viel friedliches Miteinander, meint er und verweist auf die guten Beziehungen zur Yunus-Emre-Moschee.

Für Jürgen Kutsch von der gleichnamigen Stiftung hat sich mit dem geselligen Beisammensein der Kreis geschlossen – angefangen von der Zuleger-Ausstellung „Aufbruch“ bis hin zum gemeinsamen Gespräch zum Abschluss des Themenmonats in der Theaterschule. „Das Schweigen angesichts dessen, was um uns herum im Namen pseudoreligiöser Gesinnungen geschieht, führt in einen Teufelskreis der Gewalt und der Ohnmacht ihr gegenüber“, sagt er und fordert alle dazu auf, die Stimme zu erheben, „leise aber vernehmbar, deutlich und auf Augenhöhe“.

Nachwuchsregisseur Florian Wugk von der Theaterschule Aachen kann zufrieden sein mit dem, was er und seine Schauspieler geleistet haben. Die Anmerkungen im Gästebuch sind durchweg positiv. „Ich kann mich rühmen, Erfreuliches gehört zu haben“, sagt er selbst.

Dass er Lessings „Nathan“ in Szene setzte, kam nicht von ungefähr. Das Thema Religion interessiert ihn. „Man darf die Religion nicht zu ernst nehmen“, meint er, und gerade der zum Teil verborgene Witz habe ihn an „Nathan“ fasziniert. Die Botschaft des Stückes sei angekommen, meint er. Und jetzt gehe die Aufklärung weiter.

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