„Leselust”: Starkes Finale der Reihe mit Silvia Szymanski

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
leselust-bu
Zum Abschluss der „Leselust” wurde es rockig: Fitz Knizia (lAkkordeon) und HeJoe Schenkelberg (Bass) unterstützten die Autorin Silvia Szymanski (Gitarre und Gesang). Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die windige Witterung trieb die Veranstalter des „Leselust”-Finales in die Aula der Domsingschule, die mehr als 100 Interessierten freien Blick bot - auf eine tolle Session mit Wort und Musik. Der Abschluss der diesjährigen „Leselust” - erstmals nicht am Lousberg - verwöhnte das Publikum mit rockigen Klängen und etlichen Einblicken in den neuen Roman von Silvia Szymanski.

Die Autorin und einstige Rocklady wurde mit ihren kraftvoll- erotischen Notizen aus der Provinz bundesweit bekannt. Bucherfolge wie „Kein Sex mit Mike” oder „Agnes Sobierajski” machten deutlich, dass ländliche Randgebiete aufregende Landschaften sein können. Die „taz” nannte sie liebevoll eine erzählende „Madame Bovary vom Niederrhein”.

Regionale Bezüge

Da die „Kräuterhexe” aus Merkstein inzwischen „alles über Sex geschrieben” hat, befasst Szymanski sich jetzt mit anderen Themen. So auch in ihrem neuen Buch mit dem Arbeitstitel „Haus Grenzwacht”, fast ein Aachen-Roman. Denn so hieß das Hochhaus-Gebäude am Hauptbahnhof tatsächlich einmal.

Und regionale Bezüge sind „auch immer wieder zu finden”, so die Autorin, die mit zwei hochkarätigen Musikern auftrat. Am Kontrabass ihr Lebensgefährte Fritz Knizia, am Akkordeon HeJoe Schenkelberg.

Szymanski präsentierte überdies einige Figuren aus dem werdenden Buch, so auch die Hauptperson Vera, die für ein Stadtmagazin schreibt, und allerlei Anhang. Wohin genau die literarische Reise geht, erfährt man (noch) nicht, doch die Gestalten muten recht plastisch an.

Köstlich die Werbe-Reminiszenz der 50er und 60er Jahre mit Zamek-Suppen und 4711-Kölnisch Wasser. Fesselnd wie immer bei Szymanski Kindheitserinnerungen aus eigener Erlebniswelt zwischen polnischer und rheinischer Verwandtschaft.

Packend und melancholisch das Lied „Was hat dich bloß so ruiniert?”, das die frühere „Rocklady” mit großer Intensität intoniert, fabelhaft begleitet von Songschöpfer Schenkelberg am Akkordeon und Knizias Bass.

Ganz dicht dran am Publikum und somit auch dem diesjährigen Motto „Dichter (d)ran” gemäß! Der Song „I Want to Vanish” von Elvis Costello begeistert ebenso wie der Uralt-Hit „Crimson And Clover” von Tommy James und den Shondells.

Glatte Perfektion ist hier nicht das Ziel, gerade das zauberhaft Intime und „Imperfekte” gefällt dem Publikum, das auch - ob Jung oder Alt - die lockeren Zwiegespräche zwischen Szymanski und Knizia goutiert.

Froh macht auch ein Song wie „Sexuality” - ganz weg von Punk, Sex and Drugs ist die Lady doch noch nicht. Manchmal klingt die Sängerin fast wie June Carter, und am Schluss stimmt sie sogar einen Song von Carters Ehemann, Johnny Cash an.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert