Lern-Förderschulen: „Ist ja voll anders hier. Aber irgendwie gut.“

Von: Margot Gasper
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Gemeinsam lernen, gemeinsam essen: Die Schule Am Rödgerbach bietet die Offene Ganztagsschule nun auch in der Sekundarstufe I an. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Man nehme: Schüler und Lehrer von vier Schulen, mische alle gut durch und verteile sie dann auf zwei Standorte. Klingt – um es vorsichtig auszudrücken – anspruchsvoll. War es auch. Und doch zieht Rita Stiller, Schulleiterin der „neuen“ Förderschule Am Rödgerbach und deren Zweigstelle in der Beginenstraße, eine rundum positive Bilanz: „Pädagogisch war es richtig, drei Schulen zu schließen. Und wir haben den Übergang gut bewältigt.“

Anfang September wurde in Aachen ein neues Kapitel Schulgeschichte aufgeschlagen. Von vier städtischen Lern-Förderschulen blieb nur eine einzige übrig. Und die arbeitet auch noch an zwei Standorten. Geschlossen wurden die Förderschulen Am Kennedypark, Am Kurbrunnen und Beginenstraße.

Es sei zwar ein gewaltiger Kraftakt, vier Systeme zu einem einzigen zusammenzuführen, sagt Stiller, „aber es macht großen Spaß, wieder mit einem großen Kollegium und vielen Schülern zusammenzuarbeiten.“

Von großen Kollegien und vielen Schülern konnte an den vier Schulen zuletzt nicht mehr die Rede sein. Sie waren derart geschrumpft, dass es kaum noch möglich war, den Kindern die Unterrichtangebote zu machen, auf die sie Anspruch haben.

„Nun ist bei uns wieder viel mehr Differenzierung möglich“, freut sich Kinder. Lerngruppen können nach den Bedürfnissen der Schüler – auch jahrgangsübergreifend – zusammengestellt werden. Und wenn ein Kollege ausfällt, sei es wegen Krankheit, Fortbildung oder Klassenfahrt, dann brechen nicht mehr gleich ganze Unterrichtsblöcke weg.

Die „neue“ Förderschule Am Rödgerbach hat nun 220 Schülerinnen und Schüler in den Klassen 1 bis 10, 120 von ihnen werden in der Stammschule an der Sonnenscheinstraße unterrichtet. Die Kinder von der Kurbrunnenstraße und ihre Lehrer zogen gemeinsam an die Beginenstraße, alle vom Kennedypark sind nun am Rödgerbach zu Hause. „Und wir haben bewusst alle Klassen gemischt“, sagt Rita Stiller. So fangen alle ein Stück weit neu an.

Mit der Schule am Kennedypark verlor Aachen auch eine Ganztagsschule. Um den Kindern vom Kennedypark auch weiterhin ein Ganztagsangebot zu machen, gibt es die Offene Ganztagsschule am Rödgerbach nun auch in der Sekundarstufe I.

31 Eltern nutzen dieses Angebot aktuell für ihr Kind. Das Jugendzentrum D-Hof aus Driescher Hof, das schon seit sechs Jahren OGS-Partner an der Sonnenscheinstraße ist, hat dafür drei neue Mitarbeiter eingestellt.

Die Schule Am Rödgerbach hat durch die Zusammenlegung der vier neuen Schulen rund 150 neue Schüler und 20 neue Lehrer dazubekommen. Nach vier Wochen im neuen Schuljahr freut sich Rita Stiller weiterhin über das „große Wir-Gefühl“ und die hohe Motivation ihres Teams an beiden Standorten.

„Uns allen qualmen die Köpfe, aber die Stimmung ist gut.“ Sehr geschätzt werde im Kollegium die fachkundige Unterstützung durch den Schulentwicklungsbegleiter. Ali Döhler vom Bildungsbüro der Städteregion hat auch die ersten drei Schultage mit dem Kollegium gestaltet.

Natürlich müssen sich viele Schüler an neue Mitschüler, neue Lehrer und neue Regeln gewöhnen. „Ist ja voll anders hier“, sagt neulich einer, „aber irgendwie gut“. Rita Stiller geht deshalb davon aus, dass sie alle miteinander auf dem richtigen Weg sind. Die Fußballspiele auf dem Schulhof sind da vielleicht ein guter Gradmesser. Da spielt nicht Kennedypark gegen Rödgerbach, da kicken alle bunt gemischt.

Schülerzahlen sinken weiter

Die Förderschule Am Rödgerbach wird sich weiter verändern. Schon jetzt zeichnet sich ein weiterer Schrumpfungsprozess ab. „Im Sommer 2014 werden wir mehr als 30 Schüler entlassen“ sagt Stiller. Das sind deutlich mehr, als wahrscheinlich neu hinzukommen.

Unklar ist derzeit auch, wie sich die Inklusion an den allgemeinen Schulen weiter entwickelt. Für die Schulleiterin steht aber fest: „Die Förderschule Lernen wird weiterhin dringend gebraucht. Es gibt Schüler, die derzeit in den Regelschulen noch nicht bestmöglich gefördert werden können.“

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