Aachen - „Lenz“: Die innere Welt eines zerrissenen Menschen

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„Lenz“: Die innere Welt eines zerrissenen Menschen

Von: Martina Stöhr
Letzte Aktualisierung:
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Eine Reise ins Innere vor sparsamem Bühnenbild: links Andreas von Zedlitz, rechts Raphael Fachner. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. 60 Minuten Monolog, 60 Minuten eher schwere Kost: Vielleicht war das der Grund, warum die Resonanz auf Georg Büchners „Lenz“ eher bescheiden ausfiel. Die Zuschauer, die sich dennoch im Theater 99 eingefunden hatten, erlebten ein Schauspiel der besonderen Art.

Raphael Fachner als „Lenz“ entführte sie in imaginäre Welten: Der Schriftsteller Jakob Michael Reinhold Lenz wird im Jahre 1777 zu dem Pfarrer Oberlin geschickt, um sich von seinen psychischen Leiden kurieren zu lassen. Doch auch hier kommt er nicht zur Ruhe, auch wenn die Berge ihm zunächst zu helfen scheinen.

Psychisch krank

Immer wieder beschreibt Lenz sie mit großer Wortgewalt. Doch die Stimmen in seinem Kopf lassen ihm keine Ruhe. Er schwelgt in hohen geistigen Sphären und entwickelt Theorien, die so ohne weiteres nicht nachzuvollziehen sind, um sich dann ganz plötzlich wieder seiner Einsamkeit bewusst zu werden. „Ich bin allein“, sagt er dann immer wieder voller Verzweiflung. Das Phosphor-Theater hat die kleine Novelle „Lenz“ von Georg Büchner für das Theater adaptiert und gibt dem Zuschauer damit die Chance, ganz unmittelbar an den Leiden eines psychisch kranken Menschen Anteil zu nehmen. Lenz sucht Halt in der Religion, aber es will ihm nicht gelingen, seinem Wahn zu entkommen.

Im Hintergrund der Bühne sitzt ein Mann mit langen Haaren und Bart an einem Tisch. Er übernimmt unter anderem die Rolle des Erzählers und die des Pfarrer Oberlin. Ansonsten ist es ein sparsames Bühnenbild. Raphael Fachner agiert mit sichtbarer Leidenschaft. Er hat eine besondere Vorliebe für Büchner und hat deshalb dessen kleine Novelle ausgewählt, um sie auf die Bühne zu bringen. Die besondere Herausforderung sei gewesen, das Stück nicht allzu theatralisch werden zu lassen, meint er. Als er auf der Bühne steht, hört man im Hintergrund so etwas wie ein leises Stampfen, ganz regelmäßig und scheinbar endlos.

Auch die Wirren in Lenz Kopf finden kein Ende. Das, was ihm widerfährt, ist heute als Schizophrenie bekannt. Und Lenz kann der Krankheit nicht entrinnen, auch wenn er sich sichtlich müht. Die Wortgewalt der Novelle findet ihre Entsprechung auf der Bühne. Der Zuschauer bekommt so die Möglichkeit, sich in die innere Welt und die Zerrissenheit des Protagonisten hineinzudenken. Und der findet trotz allem Mühen keinen Ausweg aus seinem Wahn.

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