BM Freisteller VIDEO

Lennet Kann: Va Oche das schönnste Haus wird saniert

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
lennet kann sanierung
Das in Teilen marode historische Barockgebäude, in dem bis vor einigen Jahren die Kultkneipe Lennet Kann residierte und danach eine Salsa-Location, wird in den kommenden Monaten von Grund auf saniert. Foto: AN

Aachen. Das Haus wirkt etwas schmalbrüstig neben der repräsentativen Aula Carolina. Aber das barocke Bauwerk in der Pontstraße Nr. 5 hat vieles mitgemacht über die Jahrhunderte. Und die Chancen stehen weiterhin gut, dass das kurz nach dem Aachener Stadtbrand (1656) errichtete Kontorgebäude zu neuem Leben erweckt wird.

Der „Lennet Kann”, das Öcher Original, prangt mit seiner ausgezehrten, spindeldürren Figur auf einem Schild an der Fassade. Lange Jahre trug hier eine Kneipe diesen Namen. Das bis zum heutigen Tag bei jeder AKV-Ordensverleihung besungene Öcher Original tingelte bekanntlich täglich durch Aachens urige Kneipen, meist einen Schwarm grölender Kinder hinter sich herziehend.

Innere Qualitäten

Das Haus mit dem typischen Antlitz eines dreistöckigen Barockgebäudes und einem als „Mezzanine” bezeichneten niedrigen Zwischengeschoss (zwei Meter Deckenhöhe) steht schon länger leer. Das seit 1968 als Kneipe und ab Mitte der 90er Jahre bis Ende 2009 als angesagtes Salsa-Tanzlokal genutzte ehemalige Geschäfts- und Wohnhaus ist an manchen Stellen arg marode. Es besteht dringender Sanierungsbedarf.

Die inneren Qualitäten des Gebäudes haben den Denkmalschutz auf den Plan gerufen, der gemeinsam mit der Besitzerin übereinkam, die architektonischen Schätzchen des Gebäudes bewahren zu wollen. Was dann nach der grundlegenden Erneuerung in dem Haus geschehen soll, steht laut Eigentümerin noch nicht fest.

Architektonische Schätze

Die zuständige städtische Abteilungsleiterin der unteren Denkmalpflegebehörde, Monika Krücken, kümmert sich gemeinsam mit dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege um das Innere. Angetan ist Krücken besonders von der gut erhaltenen hölzernen Spindeltreppe, die im Geschäftskontor steht und die einzelnen Stockwerke in der originalen Treppensteigung erschließt. „Die Treppe ist eine Perle”, schwärmt Krücken, „die Verzierungen mit den Kerben in den Stufen sind original Öcher Barock.” Auch die typischen, noch erhaltenen Reste von abgerundeten Deckenkästen werden als Kölner oder Aachener Barockdecke bezeichnet.

Richtig gelitten hat allerdings der originale Dachstuhl. Die Eichenbalken biegen sich teils bedenklich durch, sie haben bereits mehr als 300 Jahre auf dem Buckel. Das über sieben Meter hohe Dachgeschoss ist im Originalzustand, was natürlich ein Leckerbissen für die Denkmalpfleger ist. An der Häuserkante zur Aula Carolina ist sogar der Ansatz des vor dem Stadtbrand stehenden Gebäudes zu sehen.

Das neue, auf den Grundmauern des abgebrannten mittelalterlichen Hauses gebaute Gebäude hatte eine klar differenzierte Nutzung. Auf einer Grundfläche von rund 70 Quadratmetern wurde zur Pontstraße hin ein Geschäftsraum eingerichtet. An der Wand zur Aula Carolina führte ein Flur in den Hof, dort war ein Anbau für die Küche. Hinter dem Geschäftsraum ragte ein Kontor bis zum Dach hoch, das als Verwaltungsbereich und als Warenlager für sperrige Teile benutzt wurde.

Damals gab es dort wohl eine weitere Gasse

Auch das niedrige Mezzaningeschoss, das durch eine neunstufige Treppe erreichbar ist, wurde wahrscheinlich als Lager benutzt. Das Kontor hatte zum Markt hin im ersten Geschoss Fenster. Es gab also eine weitere Außenfassade, woraus man auf eine Gasse schließt, die damals von der Pontstraße wohl in Richtung Kokerellstraße verlief.

Auf der anderen Seite lehnte sich das Haus an die beinahe 1,70 Meter dicke Wand der Kirche des Augustinerklosters an, ein Kupfer stich von etwa 1740 (Joh. Math. Steiden) zeigt genau diese Ansicht. Erkennbare Balkenmulden vom Dach und Brandspuren deuten die Denkmalpfleger als Zeichen, dass sich an diese starke Mauer bereits vor 1656 ein anderes - durch den Brand zerstörtes - Haus angelehnt hat. Die Kellerstruktur ist noch sichtbar.

Der Lennet Kann

Zur Pontstraße hin glänzte das Geschäftshaus ähnlich wie der „Postwagen” mit nach außen und nach oben aufklappbaren Läden, über die der Abverkauf aus dem Inneren des Geschäfts getätigt wurde. Der Vorteil des hochgestellten Fensterladens: Bei Regen wurden die Waren nicht nass.

Der Lennet Kann ist sicherlich achtlos an dem Haus vorbeigegangen, befand sich doch damals noch kein Gasthaus darin. 1845 wurde der Bube Leonhard van Kann geboren. Er wurde später verspottet als „va Oche der schönnste Mann”, wie es im Refrain des Karnevalliedes heißt. Der „gepflegte Bettler” soll ein ruhiger, höflicher und absolut ausgeglichener Zeitgenosse gewesen sein, der im Sommer des Öfteren an der Waldschenke saß und den Tag genoss. Sein ungelenker Gang, die baumelnden Arme und sein dürrer Körper zog regelmäßig Kinderscharen an, die singend hinter ihm herliefen. Studenten luden das Original regelmäßig zum Zechen ein.

Dann hieß es wieder: „Dat es der Lennet, dat es der Lennet Kann, Dat es der Lennet, va Oche der schönnste Mann”.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert