Aachen - Lehrer lernen „Stadtkunde am Objekt“

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Lehrer lernen „Stadtkunde am Objekt“

Von: Werner Czempas
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Schulleiter Manfred Birmans (links) und OB-Referent Alexander Lohe(Mitte) bieten den Referendaren des Geschwister-Scholl-Gymnasiums einen amüsanten Aachen-Tag mit Dom, Rathaus, Elisenbrunnen und Co. – das volle Programm Heimatkunde. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Es passierte beim Schulwandertag vor zwei Jahren. Klassen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums sammelten sich vor dem Dom. Unter ihnen eine Handvoll Referendare. „Da fiel es mir auf“, erzählt Schulleiter Manfred Birmans: Die Studienräte in spe kannten sich nicht aus in Aachen. Sie wussten nichts über die Stadt, nichts über den Dom, nichts übers Rathaus und nichts über die Geschichte der einstigen Krönungsstadt.

Dem beim Öcher Platt, an der Puppenbühne Schängche, beim Thouet-Preis und etlichen anderen Mundart-Institutionen vaterstädtisch umtriebigen Manfred Birmans gab das Referendar-Erlebnis einen Stich in sein Öcher Herz. An diesem Tag entdeckte er ein neues Unterrichtsfach für seine Schützlinge: Aachen.

Die Wissenslücke der Referendare findet eine simple Erklärung. Nicht mehr wie früher überwiegend aus der engeren oder weiteren Heimat, stammen die angehenden Lehrer heute aus allen Winkeln und Ländern der Republik. Dem Geschwister-Scholl-Gymnasium wurden in diesem Jahr sieben junge Damen und Herren zugewiesen. Anderthalb Jahre dauert ihre Ausbildung dort, drei Monate sind schon rum und Rektor Birmans freut sich: „Sie helfen uns enorm.“

Amüsanter Aachen-Tag

Dieser Tage stand für die angehenden Junglehrer die „1. Lektion Aachen“ auf dem Stundenplan. „Wir wollen uns ein bisschen um die jungen Leute kümmern“, sagt Manfred Birmans, weshalb er und weitere Gymnasial-Kollegen den Nachwuchs-Pädagogen für die Unterstufenklassen 5 bis 7 einen amüsanten Aachen-Tag bieten. „Stadtkunde am Objekt“ nennt das der Schulleiter: Rathaus, Dom, Elisenbrunnen, Öcher Wasser, das volle Programm. „Wir machen das nach dem geglückten Start im Vorjahr an unserer Schule in diesem Jahr zum zweiten Mal, im nächsten ist es schon Tradition“, sagt Birmans lachend.

Kleiner Empfang im Weißen Saal des Rathauses mit Sekt und Saft inklusive: Die 14-köpfige Truppe des Geschwister-Scholl-Gymnasiums hat besonderes Glück an diesem Tag, wird sie doch von Alexander Lohe, persönlicher Referent des Oberbürgermeisters und Fachbereichsleiter der Verwaltungsleitung, „in einer der Herzkammern unserer Stadt“ begrüßt. Der passionierte und kenntnisreiche Hobby-Historiker weiß auch Aachen-Kennern immer wieder Neues zu bieten.

Vor zwei Jahren, hebt er an, hätte er den Gästen noch berichtet, auf den Fundamenten der alten Palastanlage Karls des Großen zu stehen, heute sei er sich da aber „nicht mehr sicher“. Denn beim Buddeln am derzeit eingerüsteten Marienturm hat sich ein Loch aufgetan, durch das sich die Rundung eines römischen Wehrgrabens zeigte. „Wo ein Wehrgraben rundherum läuft“, folgert Lohe, „muss im Innern etwas Schützenswertes gewesen sein.“ Aber was? Der Fund wird zurzeit aufgearbeitet, vielleicht gibt es eine historische Erklärung im kommenden Jahr 2014 beim großen Tamtam zum 1200. Todestag des legendären Karl.

Immer wieder Rätselhaftes auch rund um den Granusturm: „Ein Schmuckstück, bis zu einer Höhe von 30 Metern karolingisches Gemäuer, seit 1200 Jahren relativ unverändert“, erzählt Lohe und dass sich in jüngster Zeit eine alte Meinung erhärte, beim Turm handele es sich um ein Treppenhaus. Treppenhaus für was, wohin führte es? Wissenschaftler der RWTH sind dabei, Licht ins Dunkel unseres Nichtwissens zu bringen.

Lohe lässt Kelten, Römer und Karolinger aufmarschieren, zeigt auf einer Karte die „europäischen Dimensionen“ des von Aachen aus gesteuerten Reichs, fachsimpelt über die geo-strategisch-politische Erwägungen bei der Wahl Aachens zur Hauptstadt, die später sechs Jahrhunderte lang Krönungsstadt wird, berichtet von den Krönungsfesten in der gewaltigen Aula Regia und lässt das mittelalterliche Aachen beim großen Brand 1656 in Schutt und Asche sinken, bevor er seinen Gästen an der Computer-Animation Pracht und Herrlichkeiten erläutert und Referendare und Studienräte dann hoch schleppt in den Krönungssaal.

Im Aachener Dom übernimmt Manfred Birmans die Führung. Später am Elisenbrunnen erklärt er „Öcher Wasser trinken“ zur Pflichtaufgabe. Als Entschädigung dafür führt der Schul-Chef seine Kollegen ins Café, nun hat er Muße, aus seinem reichen Fundus „Öcher Ameröllche“ zu erzählen, Geschichten und Legenden, die Dombau-Sage natürlich als erste voran.

Die Neuen spitzen die Ohren. Birmans Traum: „Sie können mit den Kindern vor Ort lernen. Beim schulischen Stadtgang kann man alles machen, Geschichte, Physik, Chemie, Erdkunde, einfach alles.“

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