Lebensraum der Galmeiveilchen schwindet

Von: Peter Langohr
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Licht und Schatten im Naturschutzgebiet: Die Gelbbauchunke fühlt sich wohl im Brander Wald, dem Galmeiveilchen geht es eher schlecht. Foto: Peter Langohr

Aachen. Wenn man die Aachener nach der Lage des einzigen Naturschutzgebiets der Stadt fragt, werden sie mit Sicherheit auf den Öcher Bösch tippen und damit ziemlich daneben liegen.

Aachens einziges FFH-Gebiet - das steht für Fauna-Flora-Habitat - liegt nämlich im Südosten des Stadtgebiets an der Grenze zu Stolberg und wird gemeinhin als Brander Wald bezeichnet.

Dessen Zustand ist eher durchwachsen, wie Dr. Winfried Engels vom Fachbereich Umwelt der Brander Bezirksvertretung jetzt berichtete.

Leitpflanze

Schlecht bestellt ist es um die Borstgras- und Schwermetallrasenflächen. Da beide Pflanzentypen nährstoffarme Böden lieben, ist die Anreicherung der offenen Flächen mit Nährstoffen, wie sie in den letzten Jahrzehnten zu beobachten war, ein wesentlicher Grund für die Misere. Von den insgesamt 5,5 Hektar Borstgrasrasen sind nur noch 1,5 Hektar als intakt zu bezeichnen.

Beim Schwermetallrasen ist die Situation so schlecht, dass mittelfristig ein vollständiger Verlust dieses Lebensraumtyps zu befürchten ist. Von ehemals sechs Flächen weisen bereits vier keine Galmeiveilchen mehr auf und sind wahrscheinlich unumkehrbar gestört. Das Galmeiveilchen, das so etwas wie die Leitpflanze dieser Vegetation ist und nur hier vorkommt, ist nur noch auf wenigen hundert Quadratmeter Fläche zu finden.

Durch verschiedene, zum Teil recht kostenintensive Maßnahmen soll versucht werden, den Bestand zu erhalten und wo immer möglich eine Wiederherstellung der Flächen in die Wege zu leiten. Die erforderlichen Arbeiten reichen dann vom Entfernen des Buschwerks über das Abbrennen bis hin zum Abschieben der Oberböden.

Mehr Totholz

Als Maßnahmen zur Verbesserung in den Waldflächen nannte Dr. Engels die Erhöhung des Rotbuchenanteils, den Erhalt und die Förderung des Erlen-, Eschen- und Weichholz-Auenwaldes sowie die Vermehrung des Totholzes als Lebensraum für Specht und verschiedene Fledermausarten. Letztere Maßnahme soll jedoch nur in den Kernbereichen des Waldes durchgeführt werden, dort wo sich keine Gefährdungen für die Nutzung des Forstes als Erholungswald ergeben.

Besser sieht es hingegen für die vom Aussterben bedrohten Gelbbauchunke aus, die hier infolge der militärisch genutzten Flächen mit tiefen, wassergefüllten Panzerspuren ihren optimalen Lebensraum findet. Der Bestand hat sich laut Engels so erfreulich entwickelt, dass man von einer großen und stabilen Population sprechen kann.

Zur weiteren Verbesserung der Situation sollen die Laichplätze in den Panzerspuren durch gezielte Befahrung mit schwerem Gerät - natürlich außerhalb der Laichzeit - offen gehalten werden. Darüber hinaus soll durch die zum Teil bereits erfolgte Anlage zusätzlicher Kleingewässer das Laichgebiet vergrößert werden.
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