Lebenshilfe: Große Fortschritte für kleine Menschen

Von: Margot Gasper
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Die Zwillinge Jule und Tim sowie Filippa und Ben (vorne von links) machen bei der Lebenshilfe gute Fortschrittte. Darüber freuen sich ihre Mütter und das Team der Frühförderung. Foto: Harald Krömer

Aachen. Als Ben auf die Welt kam, da wog das Kerlchen gerade einmal 770 Gramm. Ein Handvoll Leben, in der 25. Schwangerschaftswoche viel zu früh geboren. Bens Entwicklung war deshalb verzögert. Heute ist Ben 20 Monate alt, ein aufgeweckter, fideler Junge. Begleitet wurden er und seine Familie auf dem nicht einfachen Weg ins Leben von der Frühförderung der Lebenshilfe Aachen.

Im Jahr seines 50-jährigen Bestehens blickt der Verein auch mit Stolz auf seine Frühförderung. „Die Anfänge der Frühförderung gab es schon 1962“, erinnert sich Hilde Bärnreuther, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Lebenshilfe.

Im Mittelpunkt stehen Kinder, die entwicklungsverzögert sind oder mit einer Behinderung auf die Welt kommen. Die Frühförderung arbeitet interdisziplinär, erläutert Leiterin Hildegard Sorn. Ärzte, Heilpädagogen, Psychologen und weitere Fachleute arbeiten schon bei der Eingangsdiagnostik eng zusammen und erstellen einen Behandlungsplan, der genau auf das Kind zugeschnitten ist. Immer geht es um die Frage: Was braucht das Kind gerade jetzt in seiner Entwicklungsphase?

Die Heilpädagogik ist ein wichtiger Baustein in der Frühförderung der Lebenshilfe, erklärt Sozialpädagogin Barbara Walliser. „Wir betrachten das Kind in seiner Gesamtentwicklung und seinem sozialen Umfeld, wir fördern spielerisch seine Stärken.“ Aber auch Väter und Mütter werden intensiv begleitet und unterstützt. „Denn die Belastung der Eltern ist riesig“, weiß Sorn.

Ilka Brück kann sich noch gut an Bens schwierigen Start erinnern. Viele Wochen, von März bis Juli, hatte sie mit ihm in der Klinik verbracht. „Und dann kommt man mit diesem kleinen Würmchen aus dem Krankenhaus und hat erst­ einmal wahnsinnige Angst und viele Fragen.“ Da sei die Begleitung und Anleitung durch die Fachleute der Frühförderung enorm wichtig gewesen. „Es war schön, so aufgefangen zu werden.“

Die Frühförderung hilft den Eltern auch, die Fortschritte des Kindes einzuordnen. „Man weiß ja nie so recht, was als nächstes kommen sollte“, sagt Ilka Brück. „Wir konnten unser frühgeborenes Kind nie mit anderen Kindern vergleichen.“

Eva Altenbernd-Giani besucht mit Jule und Tim die Frühförderung. Die Zwillinge sind jetzt bald 18 Monate alt, Tim hat das Downsyndrom. „In der Frühförderung bekomme ich viele Ideen, wie ich die Kinder zu Hause fördern kann“, sagt die Mutter. Sie besucht bei der Lebenshilfe auch eine Gesprächsrunde für Eltern behinderter Kinder.

Die Lebenshilfe bietet Frühförderung nicht nur für die Stadt Aachen, sondern für die gesamte Städteregion an. 25 Angestellte und dazu noch Kooperationspartner aus verschiedenen Bereichen stellen das Angebot in der Aachener Hauptstelle in der Lintert­straße 150 sowie in insgesamt sechs Außenstellen sicher.

Maria Essers wird mit Tochter Filippa in der Außenstelle Herzogenrath betreut. Die Kleine kam als Frühchen zur Welt und wird jetzt bald ein Jahr alt. „Filippa hat sich total gut entwickelt“, freut sich die Mutter. Auch sie schätzt die kompetente Begleitung in der Frühförderung. „Ich weiß ja nicht, was Filippa wann lernen sollte.“ Da seien die Rückmeldungen über die Fortschritte des Kindes enorm wichtig. Manche Sorge kann den Eltern so genommen werden.

Die Frühförderung der Lebenshilfe in Aachen, berichtet Hilde Bärnreuther, war seinerzeit eine der ersten Frühförderstellen Deutschlands und ist heute eine der größten in NRW. Im vergangenen Sommer hat das Team gezählt. Da befand sich die stolze Zahl von rund 300 Kindern in der Frühförderung.

Für Ben und seine Mutter allerdings heißt es jetzt Abschied nehmen. Der Junge, sagen die Fachleute, kann nun all das, was er in diesem Alter können sollte. Ben braucht jetzt keine Frühförderung mehr.

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