Aachen - Lebenshilfe feiert zehn Jahre betreutes Wohnen

Lebenshilfe feiert zehn Jahre betreutes Wohnen

Von: Martina Stöhr
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Zehn Jahre Betreutes Wohnen für Menschen mit geistigen Behinderungen: Das war für die Lebenshilfe jetzt ein Grund zu feiern. Und natürlich vor allem für all jene, die dank dieser neuen Betreuungsform ein selbstständiges und unabhängiges Leben führen können.

Denn das war nicht immer selbstverständlich. Als erster Träger in Aachen begann die Lebenshilfe 1999, einem kleinen Kreis von Betroffenen das Alleinleben zu ermöglichen. Ohne Hilfsnetz und entsprechende Betreuungsangebote ist das Leben in der eigenen Wohnung für viele Menschen mit Behinderungen kaum zu schaffen.

Mit ein bisschen Unterstützung aber seien sie durchaus in der Lage, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, sagt Sonja Mauritz, Leiterin Betreutes Wohnen. Inzwischen leben 39 Behinderte in ganz Aachen verstreut in eigenen Wohnungen, weitere 27 haben sich in kleinen Wohngemeinschaften zusammengetan.

Ihre Eigenständigkeit ist ihnen wichtig, ebenso wie das Gefühl, ihr Leben selbst bestimmen zu können. "Es war ein großer Schritt, auf eigenen Beinen zu stehen", erzählt der 38-jährige Andreas Haber. Nach 20 Jahren Heimerfahrung in großen Gruppen wünschte er sich nichts sehnlicher, als in den eigenen vier Wänden zu leben.

Als die Lebenshilfe das Projekt Betreutes Wohnen vor zehn Jahren aus der Taufe hob, zögerte er nicht und ergriff die Gelegenheit beim Schopf. Er hat es bis heute nicht bereut.

"Wir bieten den Menschen mit Behinderungen, die sich für ein Leben in der eigenen Wohnung entscheiden, ganz individuelle Unterstützung", erklärt Sonja Mauritz. Ob Hilfe im Haushalt oder Pflegeleistungen: Jeder bekomme genau die Unterstützung, die er braucht.

Aber die Betroffenen müssten auch selbst mit „ran” und Verantwortung übernehmen, so Mauritz. Sie müssten sich ihre Wohnung selber suchen und sich um die entsprechenden Formalitäten kümmern. Die Lebenshilfe steht ihnen dabei zur Seite.

Hubert Thouett (46) lebte schon zehn Jahre alleine, als die Lebenshilfe das Projekt Betreutes Wohnen startete. Menschen wie er brachten die Verantwortlichen auf die Idee, einen Rahmen zu schaffen, um Behinderte in ihrer Eigenständigkeit zu unterstützen. Hubert Thouett ist inzwischen verheiratet und führt ein Leben wie jeder andere auch.

Nachdem der Landschaftsverband seit 2003 das Betreute Wohnen als Alternative zur Unterbringung im Heim forciere, sei auch für die Betroffenen vieles leichter geworden, sagt Mauritz.

Die Behinderten erinnerten während der Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen in kleinen szenischen Darstellungen an die Anfänge des Projekts. Sehr zur Freude der Gäste spielten sie Situationen aus dem Büroalltag des Betreuten Wohnens nach und nahmen dabei sich selbst und ihre Betreuer auf die Schippe.

Ganz so locker wie in den Anfängen gehe es heute nicht mehr zu, kommentierte Sonja Mauritz. Das neue Pflegegesetz habe eine Menge an zusätzlicher Bürokratie mit sich gebracht. "So kuschelig und klein wie in den Anfängen ist es im Büro heute nicht mehr", sagt sie. Auch wenn das Interesse am Betreuten Wohnen groß ist, so glaubt sie nicht, dass das zwangsläufig auf längere Sicht das Aus für die Heime bedeuten muss.

"Es gibt Menschen, die seit vier Jahrzehnten in solchen Einrichtungen leben und damit glücklich sind", sagt sie. Es gehe in erster Linie darum, jedem Einzelnen die Lebensform zu ermöglichen, die er sich selber wünsche.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert