Aachen - Laudatorin würdigt Aachener Friedenspreisträger

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Laudatorin würdigt Aachener Friedenspreisträger

Von: Wolfgang Schumacher
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Gebannt schauten Laudatorin Sonia Mikich (v.l.), die Preisträgerinnen Elke Schuster und Helma Fries sowie Preisträger Zdravko Marjanovic auf einen Videofilm über die Arbeit der Geehrten.

Aachen. „Macht weiter, meine Freunde Marjanovic und die Berliner Compagnie, der Frieden braucht das!” Zum letzten Mal überreichte der scheidende Vorsitzende des Aachener Friedenspreises Dienstagabend in der Aula Carolina die Urkunden an die Preisträger, Wehmut und tiefe Übereinstimmung mit den Menschen, die sich seit Jahren oder Jahrzehnten für eine gewaltfreie und friedliche Welt einsetzen, war aus den Worten Otmar Steinbickers zu spüren.

Auch der 22. internationale Friedenspreis an den bosnisch-serbischen Friedensaktivisten Zdravko Marjanovic und die nationale Auszeichnung an das Kreuzberger Tourneetheater Berliner Compagnie mit den Schauspielern Elke Schuster und Helma Fries kann als gelungene Aachener Demonstration für eine bessere, waffenlose Welt betrachtet werden.

Mit etwa 400 Gästen, darunter eine Vielzahl von vormaligen Preisträgern, war die Aula gut gefüllt. Der Antikriegsmarsch des Aachener DGB führte traditionell zu der Veranstaltung, die Gewerkschafter hielten Transparente hoch mit der Forderung „sofort raus aus Afghanistan”. Musikalisch wurde der Abend von dem Akkordeonisten Hejo Schenkelberg umrahmt, die 2. Vorsitzende Johanna Müller führte durchs Programm.

Was wäre die Welt ohne Widerspruch und ohne „Stören-Friede”, wie Laudatorin Sonia Mikich das Ziel ihrer Würdigung charakterisierte. Die WDR-Fernsehjournalistin (Monitor) meinte damit den Preisträger Marjanovic aus dem serbischen Backa Palanka, grenznah zu Kroatien gelegen und beim Ausbruch des Jugoslawien-Krieges Brutstätte nationaler Hasskampagnen der damaligen Machthaber.

Mit „einiger Rührung”, so Mikich am Rednerpult, denke sie an das einstige intakte Jugoslawien zurück, denn sie selbst sei väterlicherseits eine gebürtige Serbin: „Mein Vater allerdings war immer zuallererst Jugoslawe.” Die Journalistin schilderte, wie dem damaligen Vorsitzenden des Radioamateurvereins Anfang der 90er Jahre die „Hasspropaganda und der aufkeimende Nationalismus” in den Medien verdächtig wurde. „Bösartiger Nationalismus spülte seinerzeit alle Zwischentöne der Kritik, jeglichen Pazifismus, ja den Verstand der Menschen einfach weg”, diagnostizierte Mikich die damalige politische Lage.

In dieser Zeit gründete Marjanovic eine eigene Zeitung, die Toleranzija, ein Jahr davor hatte er bereits die „Gesellschaft für Toleranz” gegründet an seinem Wohnort Backa Palanka. „Plakate kleben” gegen den überbordenden Sturm der national motivierten Gewalt, die „wie ein Tsunami” über das Land fegte. Das nötigte der Laudatorin höchsten Respekt ab, vor allem, da sich der gelernte Elektroingenieur immer stärkeren Anfeindungen ausgesetzt sah.

Später wandte sich der Friedenskämpfer dem Flüchtlingsproblem und der Jugend zu, gerade heute arbeitet er in multinational zusammengestellten Gruppen für eine frühe Verständigung unter jungen Menschen gemäß der Einsicht „wir sind alle auf die gleiche Weise verschieden” - vielleicht auch deshalb mit großem Erfolg, weil „multikulturell auch multiinteressant” sei, lobte Mikich unter großem Beifall.

Am Hindukusch

Beinahe liebevoll beschrieb die Journalisten das preisgekrönte Kreuzberger Theaterprojekt. In Zeiten des Wettrüstens, als die Menschen in „Angst und Paranoia” vor neuen amerikanischen und russischen Waffensystemen lebten, gründete sich jenes politische Theater. „Ich möchte es fast Doku-Theater” nennen, meinte Mikich und lobte die stringente „Sicht von unten”, die in den stets ans politische Tagesgeschehen angelegten Stücke der Berliner zu sehen sei. Ihr Stück „Deutschland wird am Hindukusch verteidigt” über das deutsche Afghanistan-Engagement wird am heutigen Mittwoch im Stadttheater gezeigt. Für die Vorstellung um 17 Uhr sind noch Karten zu haben.
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