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Lange Nacht der Museen: Von herkömmlich bis abgedreht

Von: Mischa Wyboris
Letzte Aktualisierung:
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Starken Andrang verzeichneten die Macher der 10. langen Nacht der Musen, hir im ludiwg-Forum. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Bis zum «Ausstieg in Fahrtrichtung links» mag für den Öcher Heimkehrer noch alles ganz gewohnt gewesen sein. Doch eine Etage tiefer, als die Schiebetüren den Weg auf den Bahnhofsvorplatz freigeben, muss sich Besuchern wie Kaiserstadtkundigen die Frage aufgedrängt haben: Aachen - aber welcher Planet?

Apathische Gestalten wandeln geistesgleich durch die sphärische Sound-Szene, sperren sich in einen Klarsichtfolien-Knast und schlagen nach ihrer Befreiung mit Blumen aufeinander ein.

Eindrucksvoller Ausdruckstanz ist nur eine der vielen Facetten jener 10. Langen Nacht der Museen, zu deren Jubiläum auch der Hauptbahnhof Station gemacht hat. Zum Routenplaner der gut frequentierten Shuttle-Busse scheint diese Information jedoch noch nicht vorgerungen zu sein, und so bewegt sich der Kulturpilger von dort aus notfalls per pedes in die gewohnten Musentempel. Zum Beispiel ins Ludwig Forum, wo die Percussionisten Nippy Noya und Andreas Molino den Vorplatz zusammentrommeln.

Irgendwie haben in dieser Nacht alle das Sagen: Mimen, Maler, Musiker, Kabarettisten, DJs. „Das alles findet sich in einem einzigen Buchstaben wieder», sagt Weltklasse-Trommler Nippy Noya nach seiner Percussion-Performance: K wie Kultur.

Und die sei schließlich „der Nabel des Geistes für jedes Volk”. Während Noya und Molino den kurzen Weg vom Vorplatz in die Mulde des Ludwig Forums antreten, hat Waldemar Kliesing vor den Toren des Museums Mut und Entschlossenheit bewiesen.

Das jedenfalls steht auf der Urkunde, die er gerade in Empfang genommen hat. Mutprobe: einen 10-Euro-Schein aus dem eigenen Etat verbrennen. Gegenleistung: besagtes Dokument mit dem rußigen Rest des Schwarz-Geldes und eine Zeichnung vom Aachener Künstler Roland Mertens, der das Kulturspektakel zum Anlass genommen hat, mehr als 20 Nachtschwärmer zum Abfackeln des schnöden Mammons zu überreden. „Ich bin noch nie so günstig an ein Kunstwerk von ihm gekommen”, bilanziert Kliesing und steigt in den Shuttle.

Nächste Station: Suermondt-Ludwig-Museum. Gitarrist Günther Krause und Schlagzeuger Paul Lovens versuchen mit aller musikalischen Macht, den Hall im Ausstellungsraum zu bezwingen. Am Ende siegt die Architektur über die Virtuosität. Die Akustik habe einiges kaputtgemacht, bedauert Moritz Schippers.

Anders vor dem Hauptbahnhof, wo Richie Arndt auf der Suche nach deutschen Liedern über Züge kapituliert und sich des Englischen bedient hat. Sein Bahnhofs-Blues begeistert: „Get On Board”, „Hobo Blues” und „Midnight Special”. Letzteres erleben die musealen Nachtwanderer wiederum im Ludwig Forum: Guo Yue lockt mit Flötentönen - und Hunderte kommen.
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