Aachen - Lärmbelästigung in der Innenstadt: Mediterranes Leben oder Ruhezone?

Lärmbelästigung in der Innenstadt: Mediterranes Leben oder Ruhezone?

Von: Achim Kaiser
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Mediterranes Leben in der Pontstraße: Auch hier gibt es Konflikte zwischen lärmenden Gästen und Ruhebedürfnissen der Anwohner. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ordnungsamtschef Detlev Fröhlke spricht gerne von einer „charmanten Gratwanderung zwischen Provinz und gefühlter Weltstadt“, wenn es um Aachen geht. Die Verwaltung steckt sozusagen zwischen Baum und Borke, was Außengastronomie und Clubsterben auf der einen sowie Gesetzesgrundlagen und Anwohnerinteressen auf der anderen Seite betrifft. „Wir fahren an jedem Wochenende zwischen 60 und 80 Einsätze nur wegen Lärms“, nennt der Chef des Ordnungsamts Zahlen.

Dabei ist es bislang nur zu einer Klage im Frankenberger Viertel in Sachen Musikbunker gekommen. „Wir führen viele Gespräche und wollen derartige Klagen möglichst verhindern“, sagt Fröhlke.

Mediterranes Leben oder Ruhezone? Das Beispiel der aktuellen Diskussion über den Musikbunker verdeutlicht das grundlegende Dilemma, in dem sich die Verwaltung befindet: „Einerseits wollen wir, dass die Innenstadt lebendig und attraktiv bleibt, andererseits haben wir auch die Verpflichtung gegenüber dem Bürger, Ruhe zu gewährleisten, wenn es zu laut wird“, erklärt Fröhlke. Das betrifft neben dem Musikbunker samt grölenden Partybesuchern auch die Außengastronomie sowie den neu geregelten strikten Nichtraucherschutz in Gaststätten, der immer mehr Gäste mit Zigarette und Bier in der Hand auf die Straße treibt.

„Das ist ein hausgemachtes Problem der Landesregierung“, kritisiert Dirk Deutz, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands in Aachen (Dehoga): „Alle waren zufrieden mit der alten Regelung. An sie hätte man nicht rangehen müssen“. Allerdings, so der Aachener Dehoga-Chef, sei der gesetzliche Rahmen vorgegeben, in dem sich die Stadt bewege. Grundsätzlich gilt Nachtruhe ab 22 Uhr, in der Innenstadt erst ab 24 Uhr, am Wochenende ab 1 Uhr.

Vor allem in puncto Pontstraße agiere das Ordnungsamt mit viel Fingerspitzengefühl, konstatiert Deutz. Aber auch hier gebe es Spielregeln, an die man sich zu halten habe. Wird der Lärm zu laut, steigt also der Pegel über 55 dB(A), muss die Stadt eingreifen.

Ende 2002 gab es noch keine einzige „erlebnisfreie Gaststätte“ (Imbisse ohne Alkoholausschank und Kioske), Ende des vergangenen Jahres waren es 258. „Das ist unser größtes Problem in diesem Bereich“, erläutert Fröhlke. Mit einer dort ansässigen Lebensmittelkette sei man zwar übereingekommen, dass sie den Ladenschluss von 24 auf 22 Uhr vorzieht.

Davon aber profitieren jetzt die Kioske, die praktisch rund um die Uhr junge Feierwillige mit „Drinks to go“ versorgen. Folge: Je mehr Alkohol fließt, desto mehr schwindet die Rücksicht auf die Anwohner. „Das führt dann nicht zuletzt dazu, dass die Anwohner ihre Toleranzgrenzen auch immer enger ziehen“, sagt Fröhlke, zumal immer mehr Menschen die Stadt als Wohnraum schätzen lernen.

Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik sind es die Angehörigen der gehobenen Mittelschicht, die „immer weitere Teile der Innenstadt besetzen und damit einen allgemeinen Imagewandel des Innenstadtwohnens“ einleiten. Der demografische Wandel werde diesen Trend weiter vorantreiben, ist Fröhlke überzeugt: „Das Konfliktpotenzial steigt, für Lösungen gibt es keine Patentrezepte, tatsächlich kann dem Problem Lärm nur von Straße zu Straße begegnet werden.“

Ähnliches gilt auch für die Clubszene. Hier hat das Ordnungsamt die Erfahrung gemacht, dass zahlreiche Betreiber ihre Konzession „Schank und Speisewirtschaft“ teils maßlos ausgedehnt hätten. „Die haben einen Roller-Führerschein und wollen LKW fahren“, formuliert es Fröhlke anschaulich. Seine Schlussfolgerung: Das „Clubsterben“ müsse genau analysiert werden.

Missmanagement oder Missachtung gesetzlicher Grundlagen seien die Ursachen für die Schließung einiger Clubs. Lärm in Form dröhnender Bässe spiele eine große Rolle. Das gelte weniger für Live-Konzerte als vielmehr für Partys, wo DJs auflegen. Deutz: „Ich kenne sicher nicht alle Vorgänge, aber ich kann sagen, dass schon viel passieren muss, bis das Ordnungsamt einschreitet.“

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