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„Lärmalarm” soll die Regierung aufhorchen lassen

Von: Michael Klarmann
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Lautstarker Protest: Am Elisenbrunnen forderten die Demonstranten einen Ausstieg aus der Kernenergie. Foto: Michael Klarmann

Aachen. Mitte letzten Jahres nervte ihr Lärm bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika so manchen Kicker auf dem Platz - nun soll auch ihr Getröte aus vielen Teilen Deutschlands den „Schall bis Berlin tragen”, findet Thomas Pade.

Pade gehörte am Montagabend zu den Organisatoren der Initiative „Laut sein gegen Atomkraft”. Dabei demonstrierten am Elisenbrunnen fast 400 Menschen abermals gegen Atomkraft, einige auch mit Vuvuzelas. Und in diese wurde, wie bei vielen anderen bundesweit stattfindenden Kundgebungen gegen Atomkraft, auch in Aachen gepustet. Gegen 18.30 Uhr begann der „archaische Lärmalarm” (Pade) gegen Bundesregierung und Atomwirtschaft. Viele junge Menschen wohnten dem Spektakel bei. Trommeln, Dosen, Trillerpfeifen, Kochlöffel und Töpfe kamen neben den berüchtigten Tröten zum Einsatz. Man wolle, sagte Pade, „Alarm schlagen” gegen den „atomaren Wahnsinn” - und das so, dass die Bundesregierung es höre. Ansonsten helfe nur das „Abschalten” der Regierung, so Pade.

Begonnen hatte die Kundgebung weitaus ruhiger. Gegen 18.15 Uhr hielten die Demonstranten eine Schweigeminute ab für die Opfer des Erdbebens und der Reaktorkatastrophe in Japan. Später machte sich der Student Hannes Beuter daran, die „drei Hauptlügen” der Atomlobby in einer Rede zu widerlegen. Atomkraft sei erstens nicht sauber. Der Abbau der Rohstoffe führe in manchen Entwicklungsländern zu kontaminierten Landstrichen, Entsorgung, Endlagerung und Wiederaufbereitung schade ebenso der Umwelt. Zweitens sei Atomkraft nicht sicher, denn Mensch und Technik seien störanfällig. Überdies, so Beuter, sei Atomkraft keine billige Energiegewinnung. Die horrenden Kosten für Endlagerung oder - schlimmstenfalls - einen Super-GAU trage nämlich die Allgemeinheit.

„Lasst uns der Macht der Atomlobby ein Ende bereiten,” rief Beuter. „Sie hat Angst und sie zittert schon gewaltig,” so der Student von der Projektgruppe Anti-Atomkraft der Fachhochschule. Applaus der Demonstranten war ihm dafür sicher. Einhellig auch die Meinung der Demonstranten, dass die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gezeigt hätten, dass die Menschen den Ausstieg befürworten. Ein Wechsel in Politik und Wirtschaft sei nötig und möglich, wurde etwa betont. Erneuerbare Energien müssten gefördert werden.

Der Linke-Bundestagsabgeordnete aus Aachen, Andrej Hunko, rief den Demonstranten in seiner Rede denn auch zu, es gehe nun darum, weiter Druck aufzubauen. Hunko sagte, die Welt sehe in den Medienberichten über und aus Japan, dass eine einmal ausgebrochene Atom-Katastrophe sich nicht stoppen lasse. Hunko forderte ein „weltweites Ende mit der Atomenergie” sowie eine „Entmachtung” der „Atomlobby”. Die Proteste bundesweit sollen denn auch weiter gehen. Auch in Aachen, spätestens am Montag wieder. Wahrscheinlich wieder mit viel Lärm - und den Vuvuzelas.
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