Lärm schadet nicht nur der Gesundheit

Von: Alfred Stoffels
Letzte Aktualisierung:
Lärmschutz aachen
Grafik: Günter Herfs

Aachen. Zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus - glücklich jene Menschen, die mit dem alltäglichen Krach so umgehen können. Die Realität: Auch immer mehr Aachener werden lärmkrank; ihnen schlägt der flächendeckende Radau dermaßen auf Gehör und Gemüt, dass ihre Gesundheit gefährdet ist.

Neun Prozent aller Stadtbewohner fallen bereits in diese Kategorie, und 34 Prozent gelten als schlafgestört, weil die Dezibelwerte sogar während der Bettruhe bisweilen enorme Höhen erreichen. Die Stadt, ohnehin schon Vorreiter in Sachen Lärmbekämpfung, will daher verstärkt am Schutz des Trommelfells arbeiten: mit Hilfe eines Lärmminderungsplans und durch aktive Teilnahme am „Tag gegen Lärm”, der am 29. April stattfindet.

Schon ab 20. April (bis 30. April) können sich die Aachener im Umweltamt (Reumontstraße 1-3) angucken, wo sich in ihrer Stadt die übelsten Lärmnester befinden. Auf großformatigen Karten kann man in aller Ruhe die Verteilung der lauten Ecken im Stadtgebiet betrachten. Schon seit 1998 wird gemessen und bewertet, computergestützte „Lärmausbreitungsberechnungen” ergänzen das Bild.

Unschöne Rolle

Wie nicht anders zu erwarten, geht es in der Nähe von Autobahnen und Hauptverkehrsstraßen besonders heftig zu, aber auch in den „guten Wohnlagen”, zum Beispiel des Südviertels, gibt es durchaus Bereiche, wo der „Faktor Lärm” eine unschöne Rolle spielt, so Klaus Meiners, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Umwelt, und Jörg Hahnbück, dort zuständig für den Lärmschutz. Dass Handlungsbedarf besteht, machen die Experten nicht allein am Thema Gesundheit fest - Lärm kann auch behafteten Häusern und Grundstücken schaden und die Preise drücken. Meiners: „Die Immobilienwerte leiden stark”, zunehmend spiele einschlägige Belastung eine Rolle beim Hauskauf.

Wobei der unvermeidliche Verkehrslärm oder die Geräuschkulisse am Arbeitsplatz vor einer Weile schon „vom Freizeitlärm überholt” wurden, so Dr. Gabriele Trost-Brinkhues, Leiterin des kinder- und jugendärztlichen Bereichs im Gesundheitsamt, wobei der samstägliche Rasenmäher ebenso eine Rolle spielt wie die Segnungen der Unterhaltungsindustrie. Die Medizinerin: „Zehn Prozent aller MP3-Player entwickeln mehr als 90 Dezibel. Wer mehrere Stunden pro Tag den Knopf im Ohr hat, bekommt irgendwann ein Problem.”

Auch wenn er nicht unbedingt den Zeitgenossen auf die Nerven geht, sollte der Mensch schon aus Rücksicht aufs eigene Befinden den Lärmpegel in seiner unmittelbaren Umgebung zu senken versuchen. Denn laut Dr. Trost-Brinkhues ist es nicht zuletzt die Dauerberieselung durch Radio und Fernsehen, die den ganz persönlichen Lärmpegel mit nach oben treibt und für Probleme sorgt - „die Masse macht´s, Pausen sind unbedingt nötig”.

Die Stadt hat auf diesem Gebiet wenig Einfluss. Wo sie aber aktiv werden kann, da tut sie es nach eigener Auskunft. „Durch Druck” sei dafür gesorgt worden, dass die Autobahn bei Haaren über einen Kilometer hinweg mit Schutzwänden versehen worden sei. Aachen sei zudem eine der ersten Städte gewesen, die an Bahnlinien für lärmschluckende Einrichtungen gesorgt habe. Bei allen Bauleitplänen werde mittlerweile darauf geachtet, keine „Lärmfehler” zu machen. Meiners: „Mehrere tausend Bürger sind durch aktive Maßnahmen besser geschützt worden”, in anderen Städten sei solcher Einsatz noch lange nicht Standard.

Viktoriaallee, Trierer Straße, Boxgraben: Aktuell müht sich die Stadt Aachen an gleich mehreren (Bau-)Stellen, speziell den Verkehrslärm zu verringern. Experimente in Düsseldorf haben jetzt gezeigt, dass es möglich ist, auch bei weniger als 50 km/h geringere Abrollgeräusche zu erzeugen, durch ein ganz bestimmtes Asphaltgemisch. Und dass der neue Tivoli ein ganzes Stück weg vom alten gebaut wird, hat auch etwas mit der Fürsorgepflicht für lärmgeplagte Anwohner zu tun - am früheren Standort wäre das Stadion gar nicht mehr genehmigt worden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert