Aachen - Ladestationen für Elektrofahrzeuge: 13 Tankstellen für 114 Nutzer

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Ladestationen für Elektrofahrzeuge: 13 Tankstellen für 114 Nutzer

Von: Werner Breuer
Letzte Aktualisierung:
Parkplätze zu Tankstellen: FÀ
Parkplätze zu Tankstellen: Für die Ladestation am Neumarkt fallen drei Stellflächen weg. Weil der Parkraum im Frankenberger Viertel ohnehin knapp ist, hält sich die Freude in Foto: Harald Krömer

Aachen. Es ist das alte Henne-Ei-Problem: Während in der Antike die Philosophen grübelten, ob es zuerst eine Henne gab, die ein Ei legte, oder eben erst ein Ei, aus dem diese Henne schlüpfte, fragen sich heute Verkehrsplaner, womit die Elektromobilität beginnen sollte.

Erst die Fahrzeuge, die mit Strom fahren, oder erst die Ladestationen, damit sie überhaupt mit dem Saft versorgt werden können.

Für das „Tankstellen-Netz” ist in Aachen immerhin gesorgt: 13 Ladestationen gibt es in der Stadt, im öffentlichen Straßenraum geht deshalb so mancher Parkplatz flöten. Dem gegenüber stehen 114 Elektrofahrzeuge, die am 31. Oktober 2011 beim städteregionalen Straßenverkehrsamt zugelassen waren. Wobei die Stadtverwaltung davon ausgeht, dass die meisten der strombetriebenen Roller oder Autos nicht durch die Eifel kutschieren, sondern „größeren Institutionen in der Stadt Aachen zuzurechnen sind”.

Da wäre zum Beispiel das Energieversorgungsunternehmen Stawag, das seine Stromableser mit vier Elektroautos vom Typ Mitsubishi i-MiEV von Zähler zu Zähler schickt. Zudem rollen noch zwei elektrisch betriebene Fiat 500 mit Stawag-Logo zu Forschungszwecken durch die Stadt. Die Batterien des eigenen Fuhrparks kann die Stawag am Firmensitz an der Lombardenstraße aufladen. Von ihren etwa drei Dutzend Elektrorollern hat sie einige allerdings an die Stadt und die RWTH verliehen.

Die können in der Nähe der Hochschule am Templergraben oder an der Hauptmensa an der Turmstraße tanken oder auch anderswo in der Innenstadt ihre Kabel einstöpseln. Die Standorte der Stationen seien vom Mobilitätsausschuss beschlossen worden, erklärt Axel Costard vom städtischen Presseamt. Dass es da Akzeptanzprobleme geben könnte, dämmerte schon im Mai 2010 den Kommunalpolitikern. So fragen sich Bewohner des mit Parkplätzen nicht reich gesegneten Frankenberger Viertels, warum am Neumarkt drei Plätze laut Beschilderung „für Elektromobile während des Ladevorgangs” reserviert sind.

Vorwiegend Zweiräder

„Weil dort nur wenige Leute Garagen haben, sind sie auf die Ladestationen im öffentlichen Raum angewiesen”, erklärt Corinna Bürgerhausen, Pressesprecherin des „Tankstellen-Betreibers” Stawag. Allerdings dürften in dem Gründerzeit-Viertel Garagen häufiger vorkommen als Elektromobile. Zumindest mit Strom betriebene Autos werden nach Einschätzung von Fachleuten vorwiegend von Unternehmen oder Institutionen und weniger von Otto Normalverbrauchern betrieben.

„Bei den Autos hapert es noch”, sagt auch Stawag-Sprecherin Bürgerhausen mit Blick auf das Förderprogramm des Unternehmens. Das hat Zuschüsse für die Anschaffung von 260 Elektromobilen gezahlt, überwiegend habe sich die Kundschaft für sogenannte Pedelecs entschieden, berichtet Bürgerhausen. Aber auch Elektro-Roller kurven durch die Stadt und brauchen Ladestationen.

Und weil die während des Tankens vor Langfingern geschützt sein sollten, wurde etwa am Neumarkt ein stabiler Bügel montiert, an den man sie anketten kann. Doch dort, wo er steht, gehört er nicht hin. Der Bügel sei versehentlich falsch montiert und werde noch versetzt, erklärt Axel Costard vom Presseamt. Dann könnten die Roller näher an die Ladestation rücken, und es würde auch kein Parkplatz unnötig blockiert. Zumal der günstig genutzt werden kann vom Car-Sharing-Unternehmen Cambio, das direkt nebenan reservierte Stellplätze hat und ebenfalls über ein Elektroauto verfügt.

Gebühren für die so genutzten Flächen zahlt die Stawag nicht an die Stadt. „Die Stellplätze sind ja weiter öffentlich und für jedermann nutzbar”, sagt Corinna Bürgerhausen, „wenn auch nur noch für ladende E-Fahrzeuge.” Umgekehrt kassiert das Versorgungsunternehmen von seinen Kunden auch nichts für den Ladestrom. Eine Kundenkarte werde allerdings gebraucht, um die Station freizuschalten. Derzeit gibt es eine Gebühr mit Flatrate nur für Auflader, die keine Stawag-Kunden sind.

Tanken beim Stadtbummel

Weil möglichst viel Strom fließen und die Elektromobilität vorangetrieben werden soll, seien die Standorte der Ladestationen mit Bedacht ausgesucht worden, erklärt die Stawag-Sprecherin. Zentrale Punkte in der Innenstadt (dort gibt es Zapfsäulen etwa am Theaterplatz, am Elisenbrunnen neben der Pedelec-Verleihstation oder an der Komphausbadstraße) seien deshalb attraktiv, weil die Nutzer von E-Mobilen sich dort bei Stadtbummel oder Arztbesuch länger aufhielten. Das mag auch gelten für die Tankstellen am Parkhaus Mostardstraße - draußen nur Roller, drinnen für Elektroautos. Bei den Ladestationen am Hauptbahnhof (neben der Pedelec-Verleihstation) und am Haltepunkt Schanz liegt der Reiz in der Verknüpfung mit dem öffentlichen Nahverkehr.

Ob die Standorte gut gewählt sind, ist derzeit allerdings noch unklar. Zwar hatte es 2010 im Mobilitätsausschuss geheißen, dass „Zahl und Dauer der Ladevorgänge vom Betreiber zu dokumentieren und der Stadt auf Anfrage vorzulegen” seien. Doch mit Zahlen kann die Stawag noch nicht dienen: Weil die moderne Technik der Ladestationen bei der Erfassung dieser Vorgänge „noch Laufen lernen” müsse, lägen die Daten noch nicht vor, erklärt die Stawag-Sprecherin. Allerdings sei das Unternehmen selbst interessiert an solchen Erkenntnissen. Bei 114 potenziellen Nutzern von 13 Ladestationen müsste das eigentlich leicht zu machen sein. Rein rechnerisch zumindest entfallen damit auf eine Tankstelle 8,76 E-Mobile.
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