Aachen - Kurzfilm: Sibirien in Öcher Bösch verlegt

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Kurzfilm: Sibirien in Öcher Bösch verlegt

Von: Carsten Rose
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Die Pius-Schüler Adrian Futyma, Peter Grunwald, Jakub Dudzikowski und Simon Quinker (von links) fiebern der Premiere ihres 30-minütigen Kurzfilms „Sibirischer Frühling“ entgegen, der am Sonntag um 14 Uhr im Apollo-Kino gezeigt wird. Foto: Carsten Rose

Aachen. „Es ist unglaublich, sich zwischen ‚richtigen‘ Filmen zu sehen“, bemerkt Jakub Dudzikowski, Schüler der 11. Klasse des Pius- Gymnasiums, während er zur Wand mit den Filmplakaten im Apollo-Kino blickt. Denn dort hängt auch ein Plakat „seines“ Kurzfilms mit dem Titel „Sibirischer Frühling“.

Für den 30-minütigen Streifen hat er das Drehbuch geschrieben, nun fiebert er zusammen mit seinen Freunden und Filmpartnern Peter Grunwald, Simon Quinker und Adrian Futyma der Filmpremiere am Sonntag um 14 Uhr entgegen.

„In unserem Film geht es um vier Jugendliche, die wegen Totschlags als erzieherische Maßnahme für ein Jahr in den sibirischen Wald geschickt werden, anstatt ins Gefängnis“, erläutert der 16-jährige Jakub. In einem kleinen Unterschlupf, den sich die jungen Straftäter aus Holzlatten zusammenzimmern, setzen sie sich mit ihren Taten auseinander – jeder auf eine andere Art und Weise. Filmisch setzen die Schüler diese Prozesse mit Rückblenden um; diese sind in Schwarz-Weiß gehalten und kommen teilweise ohne Dialoge aus.

Jakub spielt beispielsweise den wohl erzogenen Dave, der die Vorzüge seines guten Hauses jedoch nicht zu schätzen weiß. Seinen Gegenpart übernimmt Simon in der Rolle als Bastian: Dieser kommt aus sehr schlechten sozialen Verhältnissen und klammert sich förmlich an seine wenigen Habseligkeiten – materiell wie immateriell. Eine Auseinandersetzung zwischen den beiden liegt quasi auf der Hand.

Das Jahr im Camp werden auch nicht alle überleben. „Es sind vier unterschiedliche Charaktere, die alle ihre tiefergehenden Seiten haben. Jeder bekommt seine Einsicht. Das ist für uns ein wichtiges Thema“, beschreibt Kameramann Peter Grunwald eine Botschaft des Films.

Einen „moralischen Film“ zeigen oder mit einem „Fingerzeig“ an das Publikum appellieren, so die Aussagen von Jakub und Peter, will das Team jedoch nicht. Auch wollten sie nicht nur einen „Youtube-Hit“ produzieren, sondern für eine breitere Masse – und vor allem für die Leinwand.

Schauspieltraining

Bei den Filmvorbereitungen habe die Entwicklung der Hauptcharaktere den „anstrengendsten“ Part eingenommen, erzählt Regisseur Jakub: „Es war recht schwierig, nicht direkt wieder jedes Klischee eines jugendlichen Straftäters zu erfüllen.“ Deswegen hat die Gruppe mit einer Schauspiellehrerin trainiert, bei der Jakub bereits seit zehn Jahren übt.

Simon zeigt sich besonders stolz über die Ausrichtung: Die vier Aachener Schüler investierten nicht in teures Equipment, sondern bauten sich unter anderem einen Kamerawagen – Kurzform „Dolly“ – oder einen Kran selbst. „Das Rumtüfteln hat richtig Spaß gemacht. Es war günstig – aber das Ergebnis absolut professionell“, freut sich Simon, der auch von Adrian großes Lob erhält für eine „sehr gute“ Ausrüstung, die noch für weitere Filmprojekte verwendet werden soll.

Trotz umfangreichen und professionellen Equipments mussten die Schüler das Problem lösen, wie man möglichst realistisch einen Wald im tiefsten Sibirien darstellt. Also verlegten sie die Außenszenen in den Aachener Wald. Im Öcher Bösch lag zwar kein Schnee, aber der liegt im Frühling in Sibirien auch nicht mehr. „Das haben wir extra nachgeschaut“, sagt Regisseur Jakub. Einige Aufnahmen machte er obendrein im Urlaub in Polen.

Im Anschluss an die erste Filmvorführung im Apollo zeigten die vier Schüler ein Making-off, damit alle sehen können, wie „Jugendliche eigentlich einen Film gemacht haben“ – mit gewünschter Diskussionsrunde im Nachgang. „Wir möchten unbedingt Rückmeldungen und Kritik vom Publikum erhalten“, sagt Simon, „wir wollen uns schließlich verbessern.“

Weiteres Feedback erhoffen sich die Jungs noch von höheren Instanzen: den Juries von Filmwettbewerben in ihren Altersklassen. Jakub sieht durchaus Chancen auf erfolgreiche Teilnahmen – auch wenn in ihrem Film ein Auto mit Aachener Kennzeichen durch „Sibirien“ fährt.

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