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Kurt Steinle stellt seine „Schnappschüsse“ von Obdachlosen aus

Von: Eva Onkels
Letzte Aktualisierung:
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„Überleben“: Kurt Steinle stellt 27 „Schnappschüsse“ von Obdachlosen in der Citykirche St. Nikolaus bis zum 12 Februar aus. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Kurt Steinle versteht sich nicht als Künstler. Seine Fotos bezeichnet er als Schnappschüsse, dabei sind sie keinesfalls so einfach wie mancher Schnappschuss. Sie sind Straßenfotografie, sie fangen die Realität ein.

Steinle, der als Fahrlehrer in Aachen eine Fahrschule betreibt, liebt das Fotografieren. In Paris, seiner Lieblingsstadt, hat er eine Gruppe Menschen fotografiert, die man sonst schnell vergisst, über deren Schicksal man hinweggeht und die so weit unten angekommen sind, dass am Garde du Nord die Reisenden um sie herumlaufen, ohne genauer hinzuschauen.

Manchmal mag man beim Betrachten der Bilder denken: eine Welt, die nur noch aus Füßen besteht. Die Rede ist von den Obdachlosen, den Clochards, die in den Straßen, den Häuserecken und auf den Parkbänken in Paris leben und so alltäglich sind, dass sie schon fast zum Stadtbild gehören.

27 Bilder

„Überleben“, so nennt Steinle die Ausstellung, die ab Samstag in der Citykirche zu sehen ist. 27 Bilder, die die Obdachlosen in unterschiedlichen Situationen zeigen, ohne sie dabei sensationshaschend bloßzustellen. Auch verzichtet Steinle in seinen Fotos bewusst darauf, die Gesichter der Obdachlosen zu zeigen.

Tragische Botschaft

Häufig hat Steinle die Menschen auf dem Boden schlafend fotografiert und dabei vom Rest des Pariser Lebens nur die Füße der Passanten gezeigt. Die Bilder vermitteln eine tragische Botschaft: Obdachlose sind dort angekommen, wo von anderen nur die Füße zu sehen sind.

Es gab nur wenige Obdachlose, die von Steinle nicht fotografiert werden wollten. Manch anderer hat die Fotos gar nicht bemerkt. Das Interesse Steinles an diesen Menschen ergab sich vor rund 40 Jahren während seines Zivildienstes im Don-Bosco-Haus in Aachen. In dieser Zeit kam er in Kontakt zu einigen Obdachlosen und erkannte, dass jeder Mensch in der Obdachlosigkeit landen kann.

Seine Bilder verknüpfen den Alltag der Obdachlosen mit dem Alltag der „normalen“ Bürger von Paris. Auf einem Bild sind zwei Personen zu sehen, die in einem Café etwas trinken, während keine zwei Meter entfernt auf dem Boden ein Obdachloser schläft. Ein anderes Foto zeigt einen Obdachlosen auf einer Parkbank der komplett in einem schwarzen Mantel verschwindet, nur die Glatze ist zu sehen. „Das war im Herbst“, erklärt Steinle, „es war sehr kalt.“

Ein Symbolbild für das gesellschaftliche Gefälle, das überall in der modernen Welt existiert, ist ein Bild, dass einen Obdachlosen neben einem Geldautomaten zeigt, an dem ein Mann Geld abhebt. Beim Betrachten von Steinles Bildern fällt auf: Obdachlosigkeit betrifft in der Mehrzahl Männer aus ganz unterschiedlichen Altersgruppen. Es sind junge wie alte Männer gleichermaßen, Menschen mit heller Haut und solche mit dunkler Haut. Es kann eben jeden treffen.

Die Ausstellung von Kurt Steinle ist bis zum 12. Februar in der Citykirche St. Nikolaus, Großkölnstraße, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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