Kurpark Classix: Ein Sound wie in der Berliner Philharmonie

Von: Wolfgang Schumacher
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Am Soundcraft-Mischpult hoch über dem Publikum sorgen Tonmeister Prof. Moritz Bergfeld (Mitte) und Assistent Christian Ulbrich (rechts) für den „guten Ton“. Dabei: Technikleiter Timo Kolonko. Foto: Harald Krömer
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„A Night At The Opera“: Dieses Jahr blieb alles trocken beim Start der siebten Aachen Kurpark Classix am Freitagabend. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Damit der „gute Ton“ auch dieses Mal die jetzt siebte „Night At The Opera“ der Aachener Kurpark Classix zu einem strahlenden Event mit vollkommenem Hörgenuss macht, musste Tonmeister Moritz Bergfeld am Freitag wieder „alle Register“ ziehen. Das Instrument des Darmstädter Professors mit dem Fachgebiet „Soundrecording und Production“, so der Titel des 43-Jährigen, ist ein mächtiges Soundcraft Digitalbeschallungspult, das in etwa 60 Metern Entfernung von der Bühne steht.

Dort in einiger Höhe über den Sitzplätzen wird letztlich die Klanggüte produziert, die von den Aachener Sinfonikern mit Generalmusikdirektor Kazem Abdullah und den Solisten erzeugt wird.

Verdi und Wagner dominieren das anspruchsvolle Programm des ausverkauften Opernabends, der nach einer Weber-Ouvertüre direkt mit einer schweren Arie aus Wagners Tannhäuser („Dich teure Halle grüß‘ ich wieder“), dargeboten von Sopranistin Emily Newton, um 20 Uhr beginnt. Und in diesem Jahr schüttet es Gott sei Dank nicht wie 2012 aus Kübeln. Veranstalter Christian Mourad erinnert sich am Freitag mit Schaudern daran: „Kaum hatte ich den Abend eröffnet, da begann es zu schütten“, berichtet er noch immer beeindruckt von so nachhaltigem Öcher Regen. Und klopft dann schnellstens auf Holz. Das hat genützt, die 2400 Besucher saßen und standen trocken, konnten sich einem rauschenden Opernabend mit dem einzigartigen Open-Air-Flair der Kurpark Classix hingeben.

Der volle Klang eines Sinfoniorchesters ist draußen an der frischen Luft nicht so leicht herzustellen, wie es ansonsten in akustisch guten Konzertsälen möglich ist. Das erklärt der Tonmeister so: „Sie müssen sich den satten, weichen Klang der gesamten Streichergruppe vorstellen, wenn Sie in einem Konzert sitzen. Der entsteht nicht nur aus dem Zusammenspiel der einzelnen Musiker. Der Klang gerade der Streicher bricht sich an den Saalwänden, schwebt gleichsam durch den gesamten Konzertraum.“ Saalwände sind nun mal im Kurpark rein gar nicht vorhanden. Und doch bekommen die Tontechniker den „Sound“, um im populären Sprachgebrauch zu bleiben, ordentlich hin – von der ersten bis zur letzten Reihe.

Dazu brauchen die beiden Mischer, zum Team gehört als zweiter Mann der „FOH-Operator“ Christian Ulbrich, neben viel Gefühl selbstverständlich zig Proben mit dem Aachener Orchester. Die akustische Grundausstattung aber ist eine riesige Lautsprecheranlage, die schließlich am Montag auch den Rock und Soul von Joe Cocker klaglos rüberbringen muss.

Damit der stillere Klassik-Sound standesgemäß transportiert werden kann, sind rund 50 Mikrofone auf der Bühne im Einsatz, zwei für jeden Streicherblock und für die Soloinstrumente jeweils ein separates. „Wir besitzen ein digitales Programm, das die Akustik der Berliner Philharmonie nachstellt“, verrät der Sound-Professor sein kleines Geheimnis, eine anspruchsvolle und sündhaft teure Geschichte. So tüfteln die Männer immer wieder geduldig aus, damit der Bassanteil vorne „nicht zu mumpfig“ klingt und hinten die Querflöte nicht „zu trocken“ ankommt – ein Vabanquespiel, das sogar durch plötzliche Windstöße gestört werden kann.

Überhaupt: Die Veranstaltungstechniker, die jetzt auch zum siebten Mal aus Augsburg angereist sind, leisten Besonderes in Aachen. Einsatzleiter und für die Lichteffekte zuständig ist der 34-jährige Timo Kolonko: „Wir kommen hier aber richtig gerne hin. Das ist hier sehr familiär“, lobt er die Veranstaltung, die durch das Cross-Over-Programm spannend wird. Die 48 Profis haben dieses Jahr schon Nena, Heino oder Xavier Naidoo „gemacht“, sie sind im Training. Elf Sattelzüge haben das teure Equipment angeschleppt, insgesamt zehn Tage ist das Team in Aachen beschäftigt, am Mittwoch geht es wieder nach Hause.

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