Aachen - Kunstwerke zwischen zwei Buchdeckeln

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Kunstwerke zwischen zwei Buchdeckeln

Von: Anke Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
Die Ausstellung „Books &
Die Ausstellung „Books & Zines” zeigt Seminar-und Bachelorarbeiten aus dem Fachbereich Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Was ist eine Sprechzelle, eine Kindsmagd oder eine Ehestandslokomotive? Wer sich diesen ausgestorbenen Begriffen annähern möchte, sollte unbedingt das Ludwig-Forum aufsuchen um die Ausstellung „Books & Zines” zu sehen.

Das Museum für Internationale Kunst in der Jülicher Straße zeigt in Kooperation mit der Fachhochschule (FH) noch bis einschließlich Donnerstag diese Ausstellung, in der Studierende des Fachbereichs Gestaltung ihre Seminar-und Bachelorarbeiten präsentieren.

Gemeinsam ist allen Arbeiten, dass sie in zwei Seminaren der Professoren Ilka Helmig und Wilhelm Schürmann entstanden sind, die sich dem Buch verschrieben hatten. Alle Teilnehmer, vom vierten bis sechsten Semester, standen so vor der Aufgabe, ihre selbst entwickelten Arbeiten zwischen zwei Buchdeckeln gebunden, geklemmt oder gesteckt, fertiggestellt zu haben, um sie in Kleinstauflage präsentieren zu können. Herausgekommen sind phantasievolle, unkonventionelle, dabei aber auch ästhetisch äußerst ansprechende Arbeiten, die zum Stöbern, Staunen und Verweilen einladen.

Ohne feste Regeln

Seminarleiterin Ilka Helmig ist stolz auf ihre Studierenden: „An der Hochschule haben wir eine Laborsituation, das heißt, dass sich die Leute mit ausgefallenen Themen beschäftigen können, weil sie nicht unter kommerziellen Bedingungen arbeiten müssen. Die Studierenden können daher ausgetretene Pfade verlassen und für sich neue Themen finden, ohne festen Regeln unterworfen zu sein”.

Dass diese Aufgabe wunderbar gelungen ist, davon zeugen die ausgefallenen Arbeiten. Da gibt es zum Beispiel ein Kochbuch, das die Rezepte im Flussdiagramm darstellt, die Zutaten zeichnet, aber vor allem auch die zur Bearbeitung benötigten Küchengerätschaften genau auflistet. Oder das Tempo-Buch, in dem das Papiertaschentuch zu Ehren kommt und alle Arten und Situationen des Schnäuzens dokumentiert. Oder eben jene ausgestorbenen Begriffe. 100 an der Zahl, auf 100 Seiten, mit jeweils einer Zeichnung versehen.

„Straßenstich”

Ein gutes Zeugnis dieser unbändigen Kreativität bietet die Arbeit „Straßenstich” von Lisa Roffmann und Florian Lenz. Ein Stadtplan von Düsseldorf bildete die Folie der Kreativität, eine Stecknadel gab den Ausschlag. „Wir nahmen die Nadel und liefen einfach auf den Stadtplan zu, dort stachen wir willkürlich ein, die Nadel steckte dann in der Urdenbacher Allee”, beschreibt Lisa Roffmann die Vorgehensweise.

Dieser Straße statteten die beiden einen Besuch ab, wanderten ihren „Straßenstich” ab und sammelten, zeichneten und fotografierten über acht Stunden alles, was ihnen in die Finger kam: Menschen und deren Geschichten, Gerüche, Eindrücke, aber auch Dinge, die auf der Straße lagen.

„Wir machen jeden Tag dasselbe, fahren mit demselben Zug zur Uni, reden mit denselben Menschen. Hier wollten wir mal neue Wege wagen und aus dem Alltag ausbrechen, quasi rechts blinken und links abbiegen. Das soll eine Ode an die Spontaneität sein, und andere Leute ermutigen mal auszubrechen!”, sagen beide.

Begleitet wird die Ausstellung von der zur Zeit im Ludwig-Forum beheimateten Klanginstallation „Seven Tears” von Susan Philipsz. Die sieben historischen Musikstücke bilden in ihrem a capella Modus einen ruhigen Klangteppich, der wunderbar zum Genuss der Ausstellung beiträgt.

Schau ist noch bis Donnerstag zu sehen

Die Ausstellung Books& Zines läuft noch bis Donnerstag, 21. Juli, im Ludwig-Forum, Jülicher Straße 97-109, und kann von 12 bis 18 Uhr besucht werden. Für die Ausstellung gelten die normalen Eintrittspreise, 5/2,50 Euro.

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