bullyparade kino freisteller bully herbig tramitz kavanian

Kunstwechsel: „Gro?raum“ mit Vernissage eröffnet

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
Letzte Aktualisierung:
7475460.jpg
Sie setzen sich äußerst vielschichtig mit dem Thema Raum auseinander: Die Künstler (v.l.) Bernd Radtke,Ralf Wierrzbowski stellen bei „Kunstwechsel“ aus. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Der Kunstwechsel, von langer Hand vorbereitet, hat sich Freitagabend vollzogen. Mit einer Vernissage haben die Künstler Bernd Radtke und Ralf Wierzbowski gemeinsam mit Professor Wolfgang Becker, ehemaliger Direktor des Ludwig-Forums, ihre sogenannte „Gro?raum“-Schau, in der sie sich mit vielen Aspekten des Raumes künstlerisch auseinander setzen, offiziell eröffnet.

Hell und licht bewegen sich die semitransparenten Reispapier-Fahnen mit den Fotodrucken von Bernd Radtke im Raum. Sie zeigen etwa Freiräume in der Natur, aber auch Gesichter hinter Gitterstäben – eingesperrt im Kontrollraum. „Fotowolken“ nennt Bernd Radtke seine Formate, die in ihrer Leichtigkeit bisweilen schwierige Themen kommunizieren. Fremdheit und Angst, Landschaft und Verwandlung belegen politische und emotionale Räume, federleicht präsentiert auf Papier. Bereits Schritte und kleinste Luftzüge reichen aus, um die Fahnen in Schwingung, vielleicht auch Drehung zu versetzen – der Raum, den sie einnehmen, wird zum Durchgangsraum oder zur Sperre.

Düsterer Wachturm, Kuh im Stall

Flüchtig, vergänglich und doch stets präsent korrespondieren die hellen Wolken mit den fast weißen, grauen und schwarz-weißen Gemälden und Fotografien von Ralf Wierzbowski. Freiräume gibt es hier kaum, seine Arbeiten zeigen architektonisch-künstlerische Spiele mit dem Raum, aber auch Räume und Dimensionen von Kontrolle. Ein Hochsitz, wie man ihn aus der Kindheit kennt, wird zum düsteren Wachtturm, und eine Kuh zeigt sich in ihrer stählernen Fixierung im Stall. Soldaten wachen über den öffentlichen Raum, ein Migrant muss sich ausziehen bis auf die Haut, damit er besser kontrolliert werden kann.

In einer Film-Klang-Installation löst Ralf Wierzbowski geometrische Formen auf, um sie in immer neue fließende und sich wieder verfestigende Formen übergehen zu lassen und damit neue Räume zu schaffen. Mit einer Makrokamera hat er die ersten Aufnahmen gemacht, dann den Film abgefilmt und im Rechner zu einem Werk von zehn Minuten und 58 Sekunden zusammengefügt. „Es gibt keinen Zufall in der Bildidee“, sagt Wierzbowski, „und es gibt keine einzige Bildwiederholung.“

Nicht nur der Film in meist schwarz-weiß mit gelegentlichen Farbbeigaben etwa in Ocker- und Blautönen ist ein Megawerk, sondern die gesamte Ausstellung. „Etwa anderthalb Jahre Vorbereitungszeit haben wir gebraucht“, berichtet Bernd Radtke. Bereits im vergangenen Jahr hatten die beiden Künstler mit ihrer Ausstellung „Losigkeit“, die gemeinsam mit Michael Dohle bestritten wurde, auf ungewöhnliche geistige und künstlerische Räume aufmerksam gemacht, die sie nun mit ihrem „Gro?raum“ weiter vorantreiben.

Mitten im Raum steht ein großes graues Sofa, auf dem der Betrachter Platz nehmen kann im Kunstraum mit den Schaufenstern. So kann er entspannt die Kunst anschauen und selbst von außen gesehen werden – als Mensch in Raum und Zeit.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert