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Kunststoff beim Einkauf vermeiden

Von: Werner Breuer
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Von Plastik umzingelt: Katharina Eissing hat sich für einen Monat vorgenommen, beim Einkauf auf Kunststoff zu verzichten. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es ist ja bald vorbei. Nächste Woche kann Katharina Eissing bei der Schokolade wieder auf den Geschmack achten. Derzeit guckt die 26-Jährige nur auf die Verpackung: Plastik scheidet aus.

„Ich mache das, weil es eine coole Idee ist“, sagt die junge Frau, die gerade an ihrer Promotion in Physik arbeitet. Auf die coole Idee gebracht hatten sie ihre Freundinnen Meret Neh und Friederike Rost, „und bei Facebook ist das dann wie ein Schneeballsystem.“ Im Internet wirbt die Kampagne unter dem Titel „BuyNoPlastic4aMonth“ dafür, im Monat November dem Kunststoff zu entsagen. „Eine nette Aktion“, findet Katharina Eissing, „um zu sehen, wie man selbst zum Müll im Meer beiträgt“. Sie selbst trägt bis Monatsende nichts mehr bei – oder möglichst wenig.

Und das ist schon schwer genug. „Im Supermarkt kommt man ins Grübeln“, erklärt Eissing: „Muss es der Blätterteig in der Plastikverpackung sein, oder gibt es den auch im Pappkarton?“ Bei Obst und Gemüse sei es noch einfach, die Plastiktütchen links liegen zu lassen und die losen Äpfel in den Einkaufskorb zu packen, „die Beutel sind ja völlig unnötig.“ Aufwendiger wird die Zeremonie an der Käsetheke, „Ich kann nicht einfach meine Tupperdose rüberreichen“, erklärt Katharina Eissing, „die Verkäufer dürfen das nicht annehmen.“ Umgekehrt will sie die Folien nicht annehmen, mit denen der Käse sonst abgewogen und eingepackt wird. Man trifft sich also in der Mitte und lässt den Käse auf der Theke in die Dose den Kundin plumpsen.

Mit erhöhter Wachsamkeit im Supermarkt alleine ist es jedoch nicht getan. Wer Plastik konsequent umgehen will, muss weitere Wege in Kauf nehmen. Sahne kauft Katharina Eissing im Reformhaus, weil es sie dort in Flaschen gibt. Überhaupt seien Einkäufe nach der Arbeit auf dem Heimweg nicht mehr ganz so einfach, zumal auch die Getränkeflaschen im Rucksack etwas schwerer wiegen. Etwas teuer ist der Verzicht auch. „Ich zahle aber nicht mehr, weil ich Plastik vermeide“, betont Eissing, „sondern weil ich höherwertige Produkte kaufe“. Die Schnäppchenangebote sind in der Regel nicht unbedingt kunststofffrei.

In manchen Bereichen geht es offenbar gar nicht ohne. „Alles, was im Bad ist“, nennt Katharina Eissing eine Plastik-Hochburg. Das liege sicher an hygienischen Anforderungen, „aber ich kann trotzdem nicht verstehen, warum Klopapier in Plastik eingepackt wird.“ Eine Papiertüte würde es doch auch tun. Schließlich gebe es sogar bei Zahnbürsten „Alternativen aus Holz“, sagt Eissing. Ausprobiert hat sie die aber noch nicht.

„Es muss Spaß machen“

Und Shampoo muss auch nicht aus der Plastikflasche tropfen, „das geht auch anders, sieht aus wie ein Stück Seife.“ Allerdings kommt die junge Dame bei manchen Haarpflegeprodukten am Kunststoffgebinde nicht vorbei. „Es gibt Situationen, wo ich auf manche Dinge nicht verzichten will“, stellt Katharina Eissing klar. „Da gilt auch die Regel: Es muss Spaß machen.“

Wenn der Spaß eine Sünde ist, wird er auf der „list of shame“ gebeichtet. In dieses Verzeichnis der Schande nimmt Katharina Eissing jene Einkäufe auf, mit denen sie gegen die guten Vorsätze verstoßen hat. Da ist der Frischkäse ebenso vermerkt wie drei Bücher, die in Folie eingeschweißt waren. Allzu verbissen geht die junge Frau ihre Kunststoff-Abstinenz eben nicht an. In ihrer Wohngemeinschaft räumt sie keinesfalls mit missionarischem Eifer die Plastikflaschen weg.

Zudem weiß sie, dass ihr der Verzicht leichter fällt als anderen. „Für Familien mit kleinen Kindern ist das praktisch unmöglich“, meint Katharina Eissing. Auch komme man in einer Großstadt wie Aachen besser am Kunststoff vorbei als etwa auf dem Land, wo das nächste Reformhaus mit Sahneflaschen im Sortiment womöglich weit weg ist.

„Außerdem ist ein Monat ja nicht so lange“, meint Katharina Eissing, „da kann man ruhig mal auf ein paar Dinge verzichten.“ Das soll keineswegs heißen, dass sie ab Dezember wieder hemmungslos zum Plastik greift. Sie sieht den Sinn der Kampagne darin, für den eigenen Anteil am Müllberg sensibel zu werden und nach Alternativen zu suchen. Deshalb werde sie auch künftig „bewusster einkaufen“, meint Katharina Eissing.

Illusionen über die Wirksamkeit ihres Konsumverhaltens macht sie sich nicht: „Bei null Plastik sind wir nie.“

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