Aachen - Kunstroute: Maler erfinden die Wirklichkeit

Kunstroute: Maler erfinden die Wirklichkeit

Von: Mary Junker
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Gemeinsamkeiten und Unterschie
Gemeinsamkeiten und Unterschiede: Henry Rosenthal (links) malt romantisch anmutende Landschaften, Klaus Grünke (rechts) rückt alltägliche Dinge in den Blickpunkt. Beiden geht es um innere Welten. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Der deutsche Maler Paul Klee sagte einmal: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.” Diese Ansicht teilen auch die Künstler Klaus Grünke und Henry Rosenthal.

Im Rahmen der Aachener Kunstroute, einer Initiative zur Förderung zeitgenössischer bildender Kunst, die seit 15 Jahren das kulturelle Leben der Stadt bereichert, eröffnen die beiden am Samstag, 29. September, um 12 Uhr im Atelierhaus Aachen (aha) in der Süsterfeldstraße 99 eine Ausstellung mit dem Titel „Malerei - Dialog über die Neuerfindung von Wirklichkeit”. Zu sehen ist sie bis zum 11. November.

Die zwei Maler kennen und schätzen sich seit Jahren und suchen schon lange intensiven Austausch mittels ihrer Werke, die auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind. „Rosenthal malt klassische, romantisch anmutende Landschaften, Grünke hingegen betreibt expressive Malerei, gibt Alltagsdinge wieder, in diesem Falle Koteletts, Schinken und Bauchspeck”, erklärt Nadya Bascha, die Geschäftsführerin des Atelierhauses. Dabei sei aber das vereinende Motiv der Fokus auf die Malerei als solche, die Schaffung einer Illusion und damit einer neuen Realität durch eine zweidimensionale Bildebene.

„Wir stammen beide aus der Wirklichkeit und transzendieren diese in die Malerei. Dadurch kommt es wiederum zu einer Loslösung, und so wird die Malerei an sich eine neue, eigene, erfahrbare Wirklichkeit” beschreibt Grünke, der sein Handwerk an der Academie Beeldende Kunsten in Maastricht erlernte.

Somit sehen die Künstler in ihrer Arbeit keinesfalls eine genaue Rekonstruktion der Realität. Vielmehr wird für sie mit Malerei ein Bild innerer Welten, Erinnerungen, Stimmungen und Ideen geschaffen. Dabei dienen ihre Sujets, die sie aus dem realen Leben speisen, lediglich als Vehikel, um die Malerei als ausgelebte Handlung hervorzuheben. Für sie wird ein Bild nicht durch die Wiedergabe des Hier und Jetzt konstituiert, sondern durch den Akt des Malens selbst. Die Art, wie es gemacht ist, ist also das eigentliche Motiv.

Wucht der Malerei entdeckt

„Anfang des Jahres begann ich mit einer neuen Malweise, mit der ich versuche, zurück zu den Ursprüngen zu gelangen. Als Kind spürte ich schon die Magie und die Poesie in den Dingen. Dort möchte ich wieder hingelangen über den Weg der Malerei”, erklärt der 46-jährige Klaus Grünke. Im Supermarkt habe er in einem Stück Bauchspeck die Kraft, Möglichkeit und Wucht der Malerei entdeckt.

„Die Leute sollen denken: Das ist also eine gemalte Landschaft, ein gemaltes Stück Fleisch. Es geht nicht um Nachempfindung der natürlichen Erscheinungsform, sondern um Imagination”, betont Henry Rosenthal, der sich seit zehn Jahren der Landschaftsmalerei verschrieben hat. „Der Horizont zum Beispiel ist ein mythischer Ort, der so nicht existiert. Der Mensch hat diesen fiktiven Raum zwischen Himmel und Erde erschaffen. Daher ist der Kern meiner Arbeit bereits ein Kontrast zur Realität”, erklärt der 52-Jährige, der ein Studium der visuellen Kommunikation an der FH Aachen absolvierte.

Die beiden Künstler werden während der Kunstroute am Samstag, 29. September und Sonntag, 30. September ganztägig in den Räumen des aha anzutreffen sein. Außerdem werden die Türen von 22 Ateliers des Hauses offen stehen. Im Süsterfeld werden die Besucher also an diesem Wochenende viele Gesprächspartner finden, um tatsächlich Dialoge über die Neuerfindung von Wirklichkeit zu führen.
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