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„Kunst-Tauschbörse”: Kunstwerke auch für Dienstleistungen

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
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Hoffen auf interessante Gebote für ihre Kunst: Illes Strzedulla, Dorothea Flatau und Marjam Sarwar (v.l.) im Atelierhaus. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Die nächste Steuererklärung, eine Autoreparatur, ein Hollandrad oder ein Gutschein für einen Yogakurs? Diese Dinge haben auf den ersten Blick mit Kunst nicht viel zu tun. Auf Aachens erster „Kunst-Tauschbörse” könnten dafür jedoch Kunstwerke ihre Besitzer wechseln.

Im Aachener Atelierhaus bieten 28 meist junge Künstler aus der Euregio von morgen an ihre Arbeiten auf der „Kunst-Tauschbörse” an. Anders als bei konventionellen Ausstellungen steckt die Kreativität nicht nur in den ausgestellten Kunstwerken.

Auch die Interessierten müssen Köpfchen beweisen, denn sie können für jedes Kunstwerk genau das bieten, was es ihnen Wert ist - und das muss kein Geld sein.

Normalerweise wird der Preis für Kunstwerke in Euro bemessen. Auf der Kunsttauschbörse können Güter, Dienstleistungen, Musik oder eben Geld für die Grafiken, Drucke, Gemälde und Plastiken geboten werden. Mit dieser Ausstellungsform geht „Atelierhaus”-Geschäftsführerin Nadya Bascha neue Wege. „Wir streben ein innovatives Ausstellungskonzept an. Das soll eine offene interaktive Ausstellung sein.”

Mit der „Kunst-Tauschbörse” möchte Bascha auch diejenigen für Kunst begeistern, die den Weg in eine klassische Ausstellung scheuen. „Ich will die Schwelle zur Kunst nehmen. Viele Leute haben Berührungsängste mit klassischen Ausstellungshäusern. Wir wollen Kunst auch für sie zugänglich machen.”

Wie die Tauschbörse bei den Aachenern ankommt, ist noch völlig offen. In der Kunstszene hat sich das Konzept allerdings schnell rundgesprochen. „Wir hatten noch sehr viele Anfragen”, sagt Nadya Bascha, „aber ich wollte die Ausstellung nicht überfrachten.”

„Wahnsinnig gespannt”

Eine, die ein paar Quadratmeter einer Wand im „Atelierhaus” bekommen hat, ist die Aachenerin Dorothea Flatau. Sie stellt Drucke inszenierter Fotoserien aus.

Als sie von der Tauschbörse hörte, war sie sofort begeistert: „Oft haben die Leute Interesse an der Arbeit, aber nicht das Geld, um sie sich leisten zu können”, sagt Flatau. Dafür haben sie vielleicht Filmmaterial, eine Kamera oder Requisiten, denn das würde sich Flatau für ihre Werke wünschen.

„Völlig offen” ist dagegen Marjam Sarwar. „Ich bin wahnsinnig gespannt, welche Empfindungen das Gebotene in mir weckt”, erklärt die Aachener Künstlerin. In ihren Tusche-Grafiken steckt eine Menge Arbeit und viel Spontaneität. Sarwar bietet ihre Arbeiten völlig ohne Tauschgesuch an - eine mutige Einstellung.

„Das ist schon ein Wagnis, anzubieten, ohne zu wissen was kommt”, sagt Nadya Bascha. Angst vor dem Gebot kennt Marjam Sarwar nicht: „Das Bild holt sich, was es braucht.” Allerdings müssen die Künstler ja auch nicht jedes Gebot annehmen. Das erscheint verständlich, denn zwei Fotoprints, die Dorothea Flatau im Doppelpack verkaufen würde, kosten in einer konventionellen Galerie 490 Euro.

Die Künstler und die Veranstalterin Nadya Bascha warten nun gespannt auf die Gebote. „Unabhängig von dem materiellen Wert der gebotenen Gegenstände ist es total interessant, was überhaupt geboten wird.” Denn noch weiß niemand, ob die Werke ihren Besitzer für einen Kühlschrank, einmal Fensterputzen oder eine Gesangsperformance wechseln.
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