Aachen - Kunst statt Kleider im „Lust for Life“-Haus?

Kunst statt Kleider im „Lust for Life“-Haus?

Von: Martina Feldhaus
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Könnten hier bald Kunstwerke statt Kleider die Aachener locken: Die Idee, Ludwig-Forum und Suermondt-Ludwig-Museum an einem zentralen Standort zusammenzufassen, bringen die Grünen jetzt wieder aufs Tapet. Tatsächlich läuft der Mietvertrag für das Kaufhaus „Lust for Life“ 2016 aus. Foto: Harald Krömer

Aachen. Eigentlich freut sich Hermann Josef Pilgram auf das Centre Charlemagne. Ein nigelnagelneuer Ausstellungsort über die Aachener Geschichte, und das auch noch mitten in der Innenstadt, an Oches Nabel sozusagen – am Katschhof. Besser könnte es kaum sein, aus marketingtechnischer Sicht.

Doch der Grüne Ratsherr macht sich gleichzeitig Sorgen. Große Sorgen. Nämlich, dass das hübsche Centre für andere städtische Kultureinrichtungen zum echten Problem werden könnte. Harte Konkurrenz im eigenen Haus sozusagen.

„Das Ludwig-Forum und auch das Suermondt-Ludwig-Museum haben sowieso schon ein Problem mit ihren Besucherzahlen und der Akzeptanz in der Bevölkerung. Beides kriselt“, erklärt Pilgram. „Das Centre könnten diese Situation noch verschlimmern, weil sich die Besucherströme dann noch stärker auf die City konzentrieren.“ Wer nach Aachen kommt, mache zwar durchaus Kultur – Rathaus, Dom, Zeitungs- und Couven-Museum oder eben Centre Charlemagne –, aber dann sei der Durst auch erstmal gestillt. „Durch ihre Standorte werden es die anderen Häuser bald noch schwerer haben.“

Kritiker des Lufo-Eingangs

Pilgram und seine Partei gehören schon länger zu den Kritikern des Lufos an der Jülicher Straße. Als einzige Fraktion stimmten sie im Kulturausschuss gegen den 300.000 Euro teuren Umbau des Eingangsbereichs der alten Schirmfabrik. Für Pilgram und seine Kollegin Aida Beslagic sind all das – auch eine mögliche Verbesserung der Parksituation am Lufo – nur Kosmetika, Einzel-Lösungen ohne einen längerfristig messbaren Erfolg.

Deshalb fordern die Grünen nun, dass größer gedacht wird –viel größer. Ihre Überzeugung: Die gesamte Museumslandschaft in Aachen muss neu gedacht werden. Und zwar in jeglicher Hinsicht, angefangen bei den Standorten über Personal und Finanzierung bis hin zu Profilen, Aufgaben und Außenwirkung der einzelnen Häuser. Dazu soll – so steht es in einem aktuellen Ratsantrag der Grünen –eine sogenannte Strukturkommission „Städtische Museen und Ausstellungshäuser“ her, die die Situation der Kunsttempel genau analysiert, um dann – in enger Abstimmung mit den Häusern selbst – „ein oder mehrere Szenarien für die zukünftige Entwicklung dieser Institutionen zu erarbeiten“.

Wichtigster Faktor für die Arbeit der Kommission laut Pilgram: „Es darf keine Denkverbote geben.“ Und er macht gleich mal vor, was das bedeuten könnte. „Man muss sich fragen: Gibt es vielleicht bessere Standorte für Ludwig-Forum und Suermondt-Ludwig-Museum? Eine Option, wo man beide zentral zusammenfassen könnte, wäre das Lust-for-Life-Gebäude an der Komp­hausbadstraße. Das ist bald wieder auf dem Markt.“ Nach Informationen der „Nachrichten“ soll der Mietvertrag mit dem Pächter tatsächlich 2016 auslaufen. Und auch Überlegungen, beide Museen an einem Standort unter einheitlicher Leitung zusammenzufassen, sind nicht neu. Obendrein liegt das Objekt, in dem bislang auf mehreren Stockwerken Mode an Frau und Mann gebracht wird, zentral in der Innenstadt und in charmanter Nachbarschaft zu Altem Kurhaus, Stadtbibliothek und Volkshochschule. Pilgram: „Außerdem wird derzeit über eine komplette Umgestaltung des Bushof-Bereichs nachgedacht. In diesem Zuge wäre die Museums-Option auch zu bedenken.“

Ergebnisoffene Arbeit

Pilgram und Beslagic betonen aber auch, dass dieser Vorschlag nur einer von vielen Möglichkeiten sein kann. Denn die Strukturkommission – ähnlich hat es sie bereits für das Theater vor einigen Jahren gegeben – soll, wie so gerne formuliert, ergebnisoffen an einer Gesamtstrategie arbeiten. Jedoch keinesfalls ins Leere laufen, wie es viele Runde Tische tun. Beslagic: „Es sollten die Museumsleitungen, Kulturpolitiker, aber auch Vertreter der Verwaltung und die Kämmerin zusammenkommen, Perspektiven entwickeln und wirklich an einer langfristigen Lösung arbeiten.“ Einer, die nach Ansicht der Grünen dringend notwendig ist, um die Kunsthäuser der Stadt für die Zukunft aufzustellen.

„Das ist sicherlich keine Aufgabe, die in den nächsten Jahren umzusetzen ist“, so Pilgram. „Aber auf Dauer muss etwas passieren. Und alle müssen da an einem Strang ziehen.“ Wie indes ihr Vorschlag bei Museumsverantwortlichen ankommt, wissen die beiden (noch) nicht. Sie sollen aber in der Kommission an vorderster Stelle mitüberlegen. Pilgram: „Wer da nicht mitdenkt, ist im äußersten Fall eben fehl am Platz.“

Den Zeitpunkt für ihren Antrag halten die Grünen für ideal. Denn schon bald soll es in Aachen eine neue Kulturdezernentin geben, und die könne sich dann ganz unbefangen an die neue, große Aufgabe machen.

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