Aachen - Kunst ist mehr als nur ein Museumsbesuch

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Kunst ist mehr als nur ein Museumsbesuch

Von: Jan Mönch
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Auch Tanzen ist Kunst: Die jungen Damen vom Berufskolleg für Gestaltung und Technik beteiligten sich mit vollem Körpereinsatz an der „Re-Remix Tour”. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Patzer wurden bei der Abschlusspräsentation im Theater 99 besonders laut beklatscht. Nein, mit Häme hatte das nichts zu tun, sondern damit, dass das jugendliche Publikum genau wusste: Kunst hat immer auch mit Selbstüberwindung zu tun. Das jedenfalls ist allen am Projekt „Re-Remix Tour” Beteiligten nachweislich gelungen.

150 Schüler aus der Städteregion haben sich im Laufe des Schuljahres mit Künstlern aus verschiedenen Sparten zusammengetan. Bereits im vergangenen Jahr war der Vorgänger, die Remix-Tour, für erfolgreich befunden worden. Und auch beim Re-Remix lautete das Ziel: Jugendlichen eine Plattform bieten, „fertige” Kunstformen zusammenzuführen mit dem, „was die Jugendlichen mitbringen”, wie Sibylle Keupen, Leiterin der Bleiberger Fabrik, erklärt - eben einen Remix anfertigen. Denn: „Kunst ist mehr, als ins Museum zu gehen”, wie Bürgermeisterin Hilde Scheidt als Schirmherrin feststellte.

Kunst hat mit Selbstüberwindung zu tun, Bühnenkunst mit der Überwindung von Lampenfieber. Beim Berufskolleg für Gestaltung und Technik setzte sich der Remix zusammen aus klassischen Musikstücken im Gameboy-Soundgewand, außerdem aus Tanz und Malerei. Ausgeschlossen wurde von den Künstlern Guido Kreiten, Susanne Mix und Marco Röttke allzu ballasthaltige Ernsthaftigkeit. Schon bekömmlicher ist eine Messerspitze Ironie, wie sicher auch der ungewöhnlich laute Souffleur gern bestätigt.

„Das ehrgeizige Ziel war, künstlerische Rahmen zu sprengen. Denn Jugendkultur hat immer etwas mit Explosivität zu tun”, findet Sibylle Keupen. So auch der Beitrag des Paul-Julius-Reuter-Berufskollegs, für den der tägliche Spießrutenlauf eines Mobbing-Opfers per Videokamera eingefangen wurde. Fahrige Bilder mit wenigen Schnitten, gefilmt aus der Ich-Perspektive - als Kamera samt Kontrollleuchte sich in einem Wasserhahn spiegeln, gibt es kurzen Szenenapplaus. Wir erinnern uns: Patzer sind erlaubt. Bleibt zu hoffen, dass hinter den Übeltätern aus dem Kurzfilm nur echte Schauspieltalente stecken.

Ebenfalls im filmischen Milieu wohlgefühlt haben sich die Schüler der Reformpädagogischen Schule im Dreiländereck. „Schoolnight Fever” verspüren die Filmhelden bei einem nächtlichen Streifzug durch ihre Schule am Kronenberg. An der Luise-Hensel-Realschule wiederum wurde gemeinsam mit der Künstlerin A. M. Can ein Pavillon bemalt.

Die Re-Remix-Tour war ein Sonderprojekt des Landesprogramms „Kultur und Schule”. In der Bleiberger Fabrik und im Kulturbetrieb, die das „jugendkulturelle Crossover-Projekt” gemeinsam organisiert haben, besteht die Hoffnung darin, dass der ein oder andere Schüler eine Vorliebe neu entdeckt hat - und weiter freilegt. Eine Re-Re-Remix-Tour allerdings wird es vorläufig nicht geben. Keupen: „Das schaffen wir im kommenden Jahr vom Aufwand her einfach nicht.”
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