Aachen - Kulturpolitik: Streicheleinheiten für die „Seele der Stadt“

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Kulturpolitik: Streicheleinheiten für die „Seele der Stadt“

Von: Martina Feldhaus
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Auch hier tut sich was: Das Ludwig-Forum bekommt einen neuen Eingang. Foto: Michael Jaspers
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Die Aufgaben des Kulturbetriebs wurden Stück für Stück erweitert – etwa mit der Route Charlemagne. Das Centre am Katschhof wird am 19. Juni eröffnet. Foto: Harald Krömer

Aachen. Die Überschrift klingt wie ein Versprechen: „Kultur – Seele für die Stadt“, so ist Punkt 8 im schwarz-grünen Koalitionsprogramm von 2009 betitelt. Auf knapp zwei Seiten hatten die Politiker von CDU und Grünen damals niedergeschrieben, wie sie in Aachen in den nächsten fünf Jahren Kultur machen wollen.

Die Kultur wird als „unverzichtbarer Bestandteil städtischen Lebens“ gepriesen, Ziel sei es, „in Aachen gute Bedingungen für Kultur zu schaffen und die Qualität des kulturellen Lebens in der Stadt zu erhalten, zu verbessern und weiterzuentwickeln.“

Hat Schwarz-Grün das geschafft? Wurde die „Seele für die Stadt“ gestreichelt? Vorweg kann man sagen: Die – mittlerweile zerbrochene – Koalition hat viel angepackt. Dass die Einrichtung eines Eigenbetriebs Kultur 2006 eine gute Idee war, zeigte sich bereits 2009.

Seitdem sind die Aufgaben des Kulturbetriebs weiter ausgebaut worden, nicht zuletzt mit der Route Charlemagne, die ab Juni um das Centre Charlemagne und ab nächstem Jahr um das Grashaus erweitert wird. Entsprechend hat der Kulturbetrieb auch deutlich mehr Geld als noch vor fünf Jahren zur Verfügung, von fast 13 Millionen Euro ist der Etat auf knapp 16 Millionen gestiegen.

Neuer Probenraum für Sinfoniker

Eine „solide Finanzbasis“, wie es im Koalitionspapier steht, haben nach wie vor auch Theater und Orchester. Knapp 19 Millionen Euro fließen jährlich Richtung Theaterplatz und Borngasse. Einen neuen Probenraum gab‘s für die Aachener Sinfoniker nach jahrelangem Warten dann 2011 auch. Musik aus dem Munde gab es in der schwarz-grünen Legislaturperiode ebenfalls – wie versprochen. Die Chorbiennale wurde fortgesetzt, sie fand 2013 statt.

Und wie sieht‘s mit den Museen der Stadt aus? Dort schrieben CDU und Grüne: „Inhalte, Raumsituation und Infrastruktur sollen weiterentwickelt werden. Die Vermarktung soll verbessert werden.“ Einige Ausstellungen (Hans von Aachen, Hyper Real) lockten tatsächlich viele Besucher nach Aachen, andere Jahre blieben teils weit hinter den Erwartungen zurück. Die Besucherzahlen werden wohl ein Thema bleiben.

Ebenso der neue Lufo-Eingang. Beschlossen ist er, die Raumsituation soll verbessert werden, gerade haben die Arbeiten an der Jülicher Straße begonnen. Eine neue Klimaanlage hat das Museum ebenfalls bekommen. In Sachen Vermarktung und inhaltlicher Entwicklung wäre aber bestimmt noch eine Schippe draufzulegen.

Die Stadtbücherei zu einem Bücher- und Medienzentrum des 21. Jahrhunderts ausbauen, ist ein hehres Ziel der Koalition gewesen. Es ist bislang lediglich auf einen ersten Wegabschnitt gebracht worden – auch angesichts leerer Kassen. Bibliothekschef Manfred Sawallich darf immerhin weiter an der Einführung eines modernen Selbstverbuchungssystems werkeln. Frühestens 2017 können die Besucher davon profitieren.

Wann sie von der neuen Lage und Großzügigkeit des Stadtarchivs in der Nadelfabrik profitieren, ist noch nicht klar. Das neue Archiv soll sich zu einem „Ort der Diskussion über die Geschichte unserer Stadt“ entwickeln, zu spüren ist davon bislang wenig. Die Stadtarchäologie dagegen hat sich den Öchern immer wieder geöffnet – mit Infotafeln, öffentlichkeitswirksamen Aktionen und nicht zuletzt der Vitrine im Elisengarten.

Erhalten, verbessern, weiterentwickeln – das gilt laut Schwarz-Grün nicht nur für die städtischen Einrichtungen, sondern auch für die freie Kultur. Die soll „weiterhin gefördert werden“, hieß es 2009. Das ist sicherlich geschehen. Allerdings gab es hitzige Diskussionen um die Höhe der Förderung. Da ist das letzte Gefecht noch nicht ausgestanden.

Ähnliches gilt für das Thema kulturelle Bildung, auf das die zerbrochene Koalition besonderen Wert legte. In Sachen Kooperation zwischen Schulen und Kultureinrichtungen hat sich einiges getan – das Projekt „Jekiss“ („Jedem Kind seine Stimme“) ist nur ein Beispiel von vielen.

Obendrein wurde politisch beschlossen, eine gesonderte Koordinationsstelle für kulturelle Bildung bei der Städteregion einzurichten, um die dezentralen Angebote für Kinder und Jugendliche – in Museen, bei freien Theatern etc. – zentral zu organisieren. Doch es stehen noch endgültige Regelungen mit der Barockfabrik, bis dato für kulturelle Bildung in der Stadt zuständig, aus.

Nicht erfüllt hat sich die Förderung der Filmkultur in Aachen durch ein „kommunales Programmkino“. Zwar finden ab und an Filmvorführungen im Space des Ludwig-Forums statt. Aber spätestens mit der Schließung des Capitols ist Aachen wieder um ein Kino abseits des Mainstreams ärmer. Auch von einem großen Konzertsaal – ein Wunsch, der wohl schon einige Aachener Politik-Programme zierte – ist die Stadt weit entfernt.

Internationale Aufmerksamkeit

Das Karlsjahr dagegen ist im vollen Gange. Wie von Schwarz-Grün angekündigt, hat Aachen damit schon jetzt überregional für Aufsehen gesorgt – mit Ottmar Hörls Karlsfiguren auf dem Katschhof, die auch in der internationalen Presse Erwähnung fanden. Die Ausstellungen ab Ende Juni in Centre Charlemagne, Rathaus und Domschatzkammer sollen ebenfalls in die Welt hinausstrahlen.

Fazit: 13 von 16 im Koalitionsvertrag angekündigten Maßnahmen sind umgesetzt, begonnen oder zumindest in Teilen angestoßen worden.

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