Kulturbetrieb wirbt mit eigenem Wagen beim Rosenmontagszug

Von: Werner Breuer
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Kamelle statt Kunst: Der städtische Kulturbetrieb geht neue Wege. Foto: Harald Krömer

Aachen. Über Kultur kann man lange Abhandlungen schreiben, noch länger gelehrt diskutieren - oder sich so kurz fassen wie Irit Tirtey: „Karneval ist Brauchtum und Brauchtum ist Kultur”, sagt die kaufmännische Geschäftsführerin des städtischen Kulturbetriebs. Rückwärts gelesen bedeutet das, dass die Kultur zum Karneval gehört.

Folgerichtig macht der Kulturbetrieb nun mit bei der großen Jeckerei. Der Wagen Nr. 92 beim Rosenmontagszug ist so gesehen eine längst überfällige Premiere.

Ausbaldowert wurde das närrische Engagement an einem kalten Dezembertag, als Tirtey gemeinsam mit Brigitte Franzen vom Ludwig-Forum und Renate Faßbender vom Stadtmarketing sinnierte, wie man Kulturelles noch besser unters Volk bringen könnte. Nun wird es den Leuten vor die Füße geschmissen: Kleine Kaugummipäckchen mit dem Aufdruck „Aachen macht Kultur - mit Geschmack” gehören ebenso zum Wurfmaterial wie etwa künstliche Wimpern, deren Verpackung die Botschaft „Kultur macht sexy” vermittelt. „Damit haben uns die Kollegen von der Designmetropole Aachen versorgt”, freut sich Tirtey. Daneben machen neun weitere Sponsoren den Start von Wagen 92 möglich, der natürlich auch die konventionelle Munition wie Kamelle und Popcorn an Bord hat.

Das Gefährt selbst sollte für Kulturbeflissene schon von Weitem erkennbar sein: Die Front ziert eine Nachbildung des „Borofsky-Clowns” aus dem Hof des Ludwig-Forums. Werner Wosch hat die Figur aus Pappmache gebaut, mit technischer Schützenhilfe des Theaters. Überhaupt sei der ganze Wagen Marke Eigenbau, erklärt Irit Tirtey. Wobei die kaufmännische Geschäftsführerin betont, dass die Kulturbetriebsjecken das alles in ihrer Freizeit erledigt hätten, „da lief nichts während der Dienstzeit”.

Gruppendynamisch sei die Arbeit der 26 Kollegen am karnevalistischen Auftritt auch interessant gewesen, berichtet die Chefin, die sich während der rund achtwöchigen Vorbereitungszeit auch mal von Mitarbeitern zu diversen Handreichungen herumkommandieren ließ. 2500 Euro lässt sich der Kulturbetrieb die jecke Dienstreise kosten und hofft dabei auch auf eine nachhaltige Wirkung. So sollen die kulturell aufgebrezelten Wurfgeschosse nicht bloß auf der Straße landen, sondern später auch zum Beispiel in Museumsshops zu haben sein.

Passend wäre hier ein kleiner Papp-Umschlag mit dem Foto der Supermarkt-Lady aus dem Ludwig-Forum und der aufreizenden Sprechblase: „Zu Dir oder ins Museum?” Die Briefchen enthalten jene gefühlsechten Utensilien, die auch für die Verhütung von Aids und überhaupt angepriesen werden. In welchen Situationen die Dinger nützlich sind, zeigt auch eine Skulptur von Jeff Koons im Ludwig-Forum.
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