Aachen - Kultrestaurant macht dicht

Kultrestaurant macht dicht

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Wirtin Athena Kompsopoulos bedauert: Am Sonntag gehen im „Dinosaurus” die Lichter aus. Foto: Harald Krömer

Aachen. Am Ende besiegelte ein verlorener Rechtsstreit das Schicksal des ältesten griechischen Restaurants der Stadt: Im „Dinosaurus”, seit 1971 Anlaufadresse für alle, die einen kleinen Griechenlandurlaub an der Roermonder Straße verbringen wollten, gehen am Sonntag die Lichter aus. Für Nikos Kompsopoulos, seine Frau Athena und etliche Studentengenerationen ist es das Ende einer Legende.

Sie müssen Abschied nehmen von einer Taverne, deren beste Zeit zwar schon ein Weilchen zurückliegt, in der sie aber gerne noch ein Weilchen gegen den Zeitgeist angekämpft hätten.

Nie wären Nikos und Athena auf die Idee gekommen, ihre harten Stühle einer Lounge-Bar zu opfern. Kein Gedanke daran, Cocktails zu schütteln, solange es Ouzo und Retsina gibt. Die Küche einfach, die Portionen groß, die Wände weiß, die Stimmung gut - so schlicht war seit knapp 38 Jahrendas Erfolgsrezept im „Dinosaurus”.

Damals, in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, begann die große Zeit der Griechen in Aachen. Vor allem das Pontviertel prägten sie mit ihrem Charme, der auch eine leicht rauhbeinige Art der Bedienung sympathisch wirken ließ. Bei Gyros, Fritten und Tzatziki wurde nicht selten auch die Welt zurecht gerückt - erst recht im „Dinosausrus”.

Anlaufstelle war die Taverne für alle, die irgendwie links dachten und sich der 68er Generation zugehörig sahen. Aus den Lautsprechern krächzte der Sirtaki, an den Tischen kreisten die Gespräche um Kommunismus und Revolution. In Griechenland gab es noch eine Militärdiktatur, in Vietnam tobte der Krieg. Den Komponisten Mikis Theodorakis und die Sängerin Maria Farandouri zählte Nikos Kompsopoulos ebenso zu seinen Gästen wie nahezu die gesamte Aachener Sozialdemokratie.

1973 lernte er im „Dinosaurus” auch seine heutige Frau Athena kennen. Als 18-Jährige kam sie aus Korfu nach Aachen und begann gegen den Willen ihres Vaters mit der Kellnerei. Er konnte ja nicht ahnen, wie harmlos es trotz aller revolutionären Schwärmereien und ausgelassener Feten es dort letzten Endes zuging.

Längst sind die wilden Zeiten Vergangenheit. Das Publikum ist im Laufe der Jahre mit seinem Wirt gealtert. Jüngere haben mit der leicht angeschmuddelten Atmosphäre nicht mehr viel anfangen können. „Man müsste kräftig investieren”, sagt auch Athena Kompsopoulos. Es gibt Auflagen der Behörden, die nicht mehr erfüllt werden können, so dass das Stammpublikum in diesen Tagen leicht wehmütig den Betrieb ausklingen lässt.

Ein großes Abschiedsfest ist nicht geplant, sagt die Wirtin. Bis morgen wird im „Dinosaurus” wie eh und je gegessen, getrunken, gelacht und politisiert. Was danach aus dem Eckhaus an der Roermonder Straße wird, ist noch offen.
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