Kugelschreiber machte ihn zum Bankräuber

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Er wollte nur einen Kredit von der Bank. Doch jetzt muss sich Uwe G. wegen Geiselnahme, erpresserischen Menschenraubs und versuchter räuberischer Erpressung vor dem Aachener Landgericht verantworten.

Dort vor der 4. Großen Strafkammer (Vorsitz Richter Wolfgang Diewald) gab sich der Beschuldigte wenig pflegeleicht. Er unterbrach des öfteren den Richter, beharrte auf seinem „Grundrecht”, sich selbst zu verteidigen. Die ihm vorgeworfenen Straftaten sind schwerwiegend, allerdings soll sie der 38-Jährige laut Anklageschrift im „Zustand verminderter Schuldfähigkeit” als Folge einer akuten Psychose begangen haben.

„Ich bin wahrscheinlich der erste Kugelschreiber-Bankräuber” brüstete sich der bislang von staatlicher Unterstützung lebende Mann am Donnerstag vor der Kammer, denn seine Tatwaffe war ein simples Schreibwerkzeug. Bei der Girokonto-Eröffnung bei einer in der Aachener Blondelstraße ansässigen Bankfiliale hatte er um einen Termin nachgesucht und bekam ihn für den 21. Februar. Er kam in Begleitung. Die Frau an seiner Seite war seine Betreuerin, was die Bankangestellten jedoch (bis heute) nicht wussten.

Das Paar, so der betroffene Bankangestellte (33) am Donnerstag im Zeugenstand, sei „ganz normal” zu dem Termin um 16 Uhr erschienen. Er wolle einen Kredit für einen neuen Computer, habe der Mann gesagt. 5000 Euro sollten es sein, berichtete der Zeuge. Da G. jedoch kein regelmäßiges Einkommen vorweisen konnte, lehnte der Bankangestellte den Kreditwunsch ab. Da wurde es ein Banküberfall.

„Okay, wenn es kein Geld gibt, dann eben anders. Dann ist das ein Banküberfall”, habe der Kunde ruhig gesagt. „Es ist aber kein Geld da”, war die Antwort des Angestellten. Im nächsten Moment habe der andere einen Kugelschreiber gegriffen und abrupt den Stuhl der neben ihm Sitzenden herangezogen. Drohend hielt er ihr den Kugelschreiber an die Halsschlagader und forderte, man solle sofort die Polizei anrufen.

Stille bei der Polizei

„Dabei hatte er einen richtig irren Blick”, schilderte der Zeuge die Situation. Um seine Drohungen zu bekräftigen, bekundete der Geiselnehmer, er wisse aus seiner Armeezeit, „wie man jemanden mit einem Stift tötet”.

Die Polizei schien die Sache zunächst nicht richtig ernstzunehmen, vermittelte der Zeuge dem Gericht. „Am Telefon war zuerst nur Stille zu hören”, erinnerte sich der Bankmann, „da kam nichts”. Dann forderte Uwe G. 250.000 Euro. An die Türe klebte man ein Schild „Hier findet ein Bankraub statt”.

Die Verhandlungen gingen aber irgendwann doch los, der Lautsprecher des Telefons war laut gestellt. „Es fließt gleich Blut und Hirnmasse”, habe der aufgebrachte Spontan-Bankräuber in Richtung Polizei geschrien.

Doch gegen 17 Uhr, inzwischen war das Sondereinsatzkommando der Polizei eingetroffen, hatte der Kugelschreiber-Täter keine Lust mehr. Er riss sich den Pullover vom Leib. Darunter kam ein T-Shirt mit einer aufgemalten Zielscheibe zum Vorschein. „Ich hatte den Eindruck, er wollte sich erschießen lasse”, beschrieben die Zeugen den Abgang. Der Täter wurde von den Polizeikräften überwältigt.
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